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Das Parfum: Wie finde ich ein passendes?

Die Wahl des Parfums ist eine emotionale Entscheidung. Doch auch die Familie und die Gesellschaft, in der man lebt, spielen eine Rolle. Und das Immunsystem.

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Heiner H. Schmitt, zVg
06. Oktober 2014

Eine feine Nase: Die Historikerin Elisabeth de Feydeau hat sich auf Parfums spezialisiert. Die Duftmischerin: Elisabeth de Feydeau berät Firmen bei der Kreation von neuen Parfums. Die Parfumfachfrau sucht immer nach charaktervollen, ungewöhnlichen Düften. Auf Probesteifen austragen... ... und eine Nase voll des herrlichen Duftes nehmen.

Die Duftmischerin: Elisabeth de Feydeau berät Firmen bei der Kreation von neuen Parfums.

Die Parfumfachfrau sucht immer nach charaktervollen, ungewöhnlichen Düften.

Auf Probesteifen austragen...

... und eine Nase voll des herrlichen Duftes nehmen.

Der Duft

Die Liebe zu einem bestimmten Duft kennt kein Alter. Es gibt kein Parfum, das für einen bestimmten Lebensabschnitt gemacht wurde, meint Elisabeth de Feydeau, 48. Die Historikerin hat sich auf Parfums spezialisiert und arbeitet als Beraterin bei der Entwicklung von neuen Düften. Man bleibt vielmehr sein ganzes Leben einer Duftfamilie treu. Das ist die Basis, von der aus man sich entwickelt. Solange man jung sei, lasse man sich vielleicht von der Werbung beeinflussen, von dem, was anderen gefällt oder vom Design des Flacons. Mit der Zeit wisse man aber besser, was man will und werde unabhängiger von der Meinung der anderen. Die Wahl des Parfums kann so eine veritable Psychotherapie sein!, sagt Elisabeth de Feydeau, die selbst viele Parfums besitzt. Sie bevorzugt die Marke Guerlain, wählt aber den Duft jeweils passend zum Anlass aus.

Man bleibt einer Duftfamilie ein Leben lang treu.»

Elisabeth de Feydeau, Parfumfachfrau

Der Einfluss der Mutter

Es gibt neun Duftfamilien: Blumig, Orientalisch, Tropisch, Zitrus, Fougère (französisch: Farn), Chypre, Holzig, Leder und Gourmand. Die Vorliebe für eine Duftfamilie kommt nicht ganz von ungefähr, denn sie wird von unserer persönlichen Geschichte beeinflusst. Einer der ersten Düfte, die uns während der Kindheit prägen, ist der unserer Mutter. Deshalb sprechen alle Gerüche, die dem der Mutter ähnlich sind, das emotionale Zentrum des Gehirns an, erklärt die Fachfrau. Diese Düfte sind wie ein Cocon, ein Glücksgefühl. Aus diesem Grund entscheidet man sich oft für einen Duft, der dem Parfum der Mutter ähnlich ist. Darüber hinaus gibt es noch andere Kriterien bei der Wahl des Lieblingsduftes. Wenn man zum Beispiel eher schüchtern ist, sollte man kein besonders gewagtes Parfum benutzen. Ein Duft, den man ohne Bedacht ausgesucht hat, ist schlimmer als alles andere, so Elisabeth de Feydeau. Denn: Nur, wer sich selber treu bleibt, verfügt über ein natürliches Urteilsvermögen bei Düften.

Es gibt für jeden das ideale Parfum.»

Manfred Milinski, Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie.

Wie viele Parfums besitzen Sie? Hier die statistische Auswertung der Antworten als Grafik:

Eine Frage des Immuntyps
Dem würde Manfred Milinski wohl beipflichten zumindest teilweise. Doch sein Ansatz ist ein ganz anderer. Der Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön forscht schon lange auf diesem Gebiet. Er hat bereits in den 90er-Jahren durch Experimente festgestellt, dass Menschen mit ähnlichen Immungenen auch gleiche Duftnoten bevorzugen. Im Prinzip gibt es auch für jeden das ideale Parfum. Was und wen wir gerne riechen, ist laut dem Wissenschaftler also eine Frage unseres Immunsystems. Denn es beeinflusst unseren natürlichen Körpergeruch.

Wir signalisieren über unseren Körpergeruch, welche Immungen-Varianten wir haben, erklärt Manfred Milinski. Wir empfinden diesen Geruch bei potenziellen Partnern als angenehm, wenn sie Immungen-Varianten signalisieren, die zu unseren Immungenen komplementär sind. Andernfalls kann man diese Person nicht riechen. Und diesen natürlichen Körpergeruch kann man mit Parfums intensivieren. Natürliche Parfumsubstanzen nicht synthetische! enthalten jeweils einen Nachahmer einer unserer Genvariantengerüche. Eine solche Substanz finden wir an uns gut, weil sie unser eigenes Geruchssignal verstärkt, so der Experte. Dass wir Partner wählen, deren Immuntyp gegensätzlich ist zu unserem eigenen, hängt mit der Fortpflanzung zusammen: Weil dann die Nachkommen ein starkes Immunsystem haben und resistenter gegen Infektionen sind. Man kann aus den Duftvorlieben sogar manchmal darauf schliessen, welche Immungen-Variante jemand besitzt. Milinski: Rose wird offenbar von Menschen mit der Variante HLA-A1 bevorzugt und von Menschen mit HLA-A2 abgelehnt wohlgemerkt: in einem Parfum zum eigenen Gebrauch. An potenziellen Partnern bevorzugt man andere Stoffe. Inzwischen lässt sich sogar ein dem Immunsystem angepasstes Parfum kreieren. Milinski und weitere Wissenschaftler haben den Code entschlüsselt für das eigene menschliche Parfum. Damit wird ein Traum wahr. Wir könnten es jetzt für jeden Menschen gemäss seiner Immungenetik synthetisieren, erklärt der Evolutionsbiologe. Es ist zwar künstlich, aber mit dem Original- Molekül 100 Prozent identisch.

Mehr Individualität
Damit liegen Milinski und seine Forscherkollegen im Trend: Um das Parfum zu finden, das ihrer Persönlichkeit am nächsten kommt, wollen immer mehr gut betuchte Frauen einen Duft nach Mass, etwas, das sonst niemand hat. Dafür sind sie auch bereit, den hohen Preis zu zahlen. Auch Elisabeth de Feydeau plädiert für mehr Individualität bei den Düften, was in früheren Zeiten noch der Fall war. Sie hat ein Buch über den Parfumeur von Marie Antoinette geschrieben, Jean-Louis Fargeon. Die Parfums der Epoche gleichen der heutigen blumigen Duftfamilie. Sie waren zu 100 Prozent natürlich, das ist das höchste der Gefühle, was das Dufterlebnis betrifft. Ich versuche einen dieser Düfte zu rekonstruieren, aber als zeitgemässe Interpretation. Denn die Geschmäcker sind heute anders als damals. Im 19. Jahrhundert kam mit der Industrialisierung die Chemie mit ins Spiel bei den Parfums und es wurden synthetische Düfte entwickelt. Der Markt wuchs und erzielte später mit Chanel N5 einen beispiellosen Erfolg. Bis heute gehört das Parfum zu den beliebtesten Düften. Aber: In den 1980er- Jahren gab es eine Tendenz zur Vereinheitlichung. Die grossen Hersteller hatten Marketing-Konzepte entwickel, die möglichst viele Menschen ansprechen sollten. Was ja verständlich ist. Doch die Fachfrau bedauert den Verlust an Vielfalt, der damit einherging.

Zum Glück hat auch diese Vereinheitlichung der Zeit nicht widerstanden. Heute geht man wieder zurück zum Ursprung, mit Ingredienzien, die man schon vergessen hatte, und einem starken Bedürfnis nach Authentizität. Deshalb entwickeln sich Nischenmärkte, stellt Elisabeth de Feydeau fest. Ein Trend, den sie fördern möchte. Bei den Firmen, die ich berate, bestehe ich immer darauf, dass sie zum französischen Stil zurückfinden und sich gegen die Globalisation der Düfte wehren.

Beratung

Ein Parfum sollte zur Persönlichkeit passen

Ob eine Jeans an einer Kundin gut aussieht oder nicht, ist meistens keine schwierige Frage. Bei Parfums kann das etwas komplexer sein. Aber für Sina Schreiber ist das kein Problem. Die Fachfrau arbeitet bei der Import Parfumerie im Pfauen in Basel. Mit nahezu schlafwandlerischer Sicherheit findet sie für jede Kundin und jeden Kunden den passenden Duft.

Liebe auf den ersten Duft
Jemanden zu beraten, der nicht genau weiss, was er möchte, ist eine Herausforderung. Sina Schreiber: Wir machen uns zuerst ein Bild des Kunden. Ist die Person eher sportlich, ein eleganter Typ oder mehr klassisch? Dann gehen wir auch in die entsprechende Duftrichtung und zeigen verschiedene Varianten. Am Ende gehe es um Emotionen. Vorbereiten kann man sich mit dem Online-Parfum-Finder auf der Webseite der Import Parfumerie. Unser Ziel ist, dass der Kunde schliesslich glücklich ist mit seiner Wahl.

Am Ende geht es beim Duft um Emotionen.»

Sina Schreiber, Import Parfumerie

Nazim Avdiji zum Beispiel ist so ein glücklicher Kunde. Er hat sich für YSL La Nuit De lHomme entschieden. Ich habe es probiert und gleich gekauft. Er wechselt sein Parfum jeden Monat.
Joel Imboden hingegen ist seinem Duft schon rund vier Jahre treu. Gerade hat er wieder einen neuen Flacon gekauft, Fragile von Jean Paul Gaultier. Ich habe es durch Zufall entdeckt. Es war sozusagen Liebe auf den ersten Duft.

Auch Margot Zaugg benutzt ihre Düfte schon seit Jahren: Opium von Yves Saint Laurent, Poison von Dior und La Petite Robe Noir von Guerlain. Trotzdem probiert sie immer wieder auch andere Parfums: Mir ist wichtig, wie es auf andere wirkt. Wenn alle sagen: Du riechst so gut!, dann habe ich eine gute Wahl getroffen.

Die Wahl

Früh aufstehen:
Kaufen Sie ein Parfum wenn möglich morgens, dann ist der Geruchssinn am besten.

Nie mehr als vier:
Probieren Sie nicht mehr als vier Düfte aufs Mal, mehr überfordert die Nase.

Auf der Haut:
Sprühen Sie die zwei bevorzugten Düfte aufs Handgelenk, damit sie sich richtig entfalten.

Geduld haben:
Sie können auch ein Stück Stoff besprühen. Überprüfen Sie nach ein paar Stunden, ob Ihnen das Parfum immer noch gefällt.

Es muss passen:
Wählen Sie einen Duft, der Ihrer Meinung nach zu Ihrer Persönlichkeit und zu Ihrem Stil passt.

Ihre Meinung zählt:
Es geht um den richtigen Duft. Lassen Sie sich nicht zu sehr beeinflussen von der Form des Flacons oder der Meinung von Freunden.

Nicht zu viel auf einmal:
Und noch ein Tipp zum Auftragen: Verwenden Sie am Morgen nicht zu viel Parfum, damit es den ganzen Tag hält. Besser ist es, den Duft mehrmals täglich aufzufrischen.

Umfrage

Wir wollten von euch wissen, bei welchen Gelegenheiten Ihr Parfum auftragt, wieviel Geld Ihr für das Parfum eurer Wahl springen lässt und was für Komponenten ein Parfum beeinhalten muss, damit Ihr nicht mehr davon loskommt und es kaufen müsst.

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Kauftipp

Duftkreationen Von fruchtig über blumig bis zu herb: Eaux de Toilette und Parfums gibt es in unzähligen Ausführungen. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Burberry, my Burberry
Ein blumiger Duft mit Noten von Rose, Geranie, Wicke und Bergamotte, Quitte, Freesie, Patchouli, Damaszenerund Centifolia-Rosen. Den Duft im Import Onlineshop kaufen.

Calvin Klein, CK Reveal
Dieses Eau de Parfum vereint die Dualität von Frische und umhüllender Wärme in einem sonnig-orientalischen Duft. Den Duft im Import Onlineshop kaufen.

Gucci, Première

Leicht und doch warm: dank Blüten und Zitrusnoten sowie Noten von Leder, Patchouli und Moschus. Den Duft im Import Onlineshop kaufen.

Trussardi, Black Extreme

Die Kernwerte der Marke Trussardi in einem Duft vereint: Stärke, Bestimmtheit, Exzellenz, Kreativität, Modernität und Know-how. Den Duft im Import Onlineshop kaufen.

Versace, Yellow Diamond Intense

Ein florales Eau de Parfum mit ausdrucksstarken Fruchtnuancen und holzigen Akzenten. Den Duft im Import Onlineshop kaufen.

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