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Berufung: Wenn Wasser den Traumjob bestimmt

Wasser ist die Grundlage fürs Leben und viele Lebensweisen. Ob Matrosinnen, Brunnenmeister, Gletscherforscher oder Seepolizist sie alle sind fasziniert vom nassen Element.

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Lucian Hunziker, Nicolas Brodard, Thomas Andenmatten, Patrick Lüthy, Mischa Christen, zVg; Illustration: Anja Denz; Karte: Rich Weber, geodata©swisstopo
22. Juni 2015

Karte

Übersicht über die im Beitrag vorgestellten Arbeitsorte von Basel bis auf den Sanetschpass.



Tabea Schneider (21) will Hochsee-Kapitänin werden.



Wasseraufbereitung und die Wasserkreisläufe im Griff: Rolf Zysset vor dem Kühlturm des Kernkraftwerks Gösgen.



Richard Stadelmann setzt sich für mehr Natur im und am Aabach ein.



Seepolizist Mike Jungi (40) fischt auch mal Tresore aus dem See.



Jean-Marc Bourqui öffnet und schliesst die Stauanlagen des Kantons Freiburg von Granges-Paccot FR aus.



Brunnenmeister Denis Turrian wacht über die Wasserversorgung von Châteaux-dŒx VD.



François Fellay gibt den Schweizer Gletschern nur geringe Überlebenschancen.

Reportage

Die Schweiz ist das Wasserschloss Europas. Von den Gletschern der Alpen bis in den Rheinhafen nach Basel prägt Wasser die Landschaft und die Menschen. Es ist Lebenselixier und Grundlage für die Nahrungs- und Energieproduktion. Unzählige Arbeitsfelder sind direkt mit dem Wasser verbunden. Grund genug, wie wir finden, diese Wasser-Berufe näher zu betrachten. Wir nehmen Sie deshalb mit sieben Porträts auf eine Reise vom Hafen in Basel bis auf den Walliser Sanetschpass. Zunächst geht es dem Rhein entlang flussaufwärts bis zur Aaremündung. Die Aare führt uns danach durch Olten zum Bielersee. Bei ihrem Nebenfluss, der Saane, biegen wir in Richtung Romandie ab und wandern diesen Grenzfluss in Richtung Freiburg hinauf zum waadtländischen Pays dEnhaut, bevor es zu seiner Quelle am Sanetschpass geht.

Tabea Schneider (21) will Hochsee-Kapitänin werden.

Mein Traumberuf war schon immer Matrosin.»

Tabea Schneider, Basel

Basel: Eine Matrosin in Ausbildung

Tabea Schneiders Liebe fürs Wasser wurde in frühester Kindheit entfacht. Wasser ist für mich das Grösste. Wenn ich darin schwimme, fühle ich jede Faser meines Körpers. Klar, dass die 21-Jährige auch bald für alles eine Vorliebe entwickelte, was auf dem Wasser fährt. Mein Traumberuf war schon immer Matrosin und ich wollte alles dafür tun, um dies zu erreichen, erzählt die Zürcherin. Ihrem Umfeld zuliebe absolvierte sie zunächst eine KV-Lehre. Doch dann konnte sie nichts mehr halten und Tabea Schneider setzte mit der Lehre als Matrosin Binnenschifffahrt bei den Schweizerischen Rheinhäfen Basel den ersten Meilenstein zur Erfüllung ihres Traums. Wie ihre Kollegin Flavia Zimmermann (Porträt auf coopzeitung.ch/wasserberufe) ist sie im zweiten Ausbildungsjahr und hat bereits viele Reisen mit Tank- und Containerschiffen auf dem Rhein hinter sich. Seit Kurzem hat sie ihren Dienst bei der Basler Personenschifffahrt angetreten und kann nun jeden Abend zu Hause schlafen. Das hat seine Vorteile, obwohl ich sehr gerne wochenlang unterwegs bin, erklärt Schneider. Die Personenschifffahrt sei aber ein ganz anderes Metier. Allein die Arbeitskleidung unterscheide sich von ihrer bisherigen. Kommen die Passagiere an Bord, tauscht Schneider ihren Arbeitsoverall mit einer Uniform: Hier geht es um Kundenkontakt und darum, den Gästen ein schönes Erlebnis zu bereiten. Dennoch muss auch Matrosenarbeit gemacht werden. Tabea Schneider wartet die Maschinen, füllt Kühlwasser nach, schmiert das Ruder und prüft Ventile: Die Technik interessiert mich, ich möchte wissen, wie das Schiff funktioniert. Klar sei die Arbeit anstrengend, doch Tabea Schneider nimmt das in Kauf, denn sie kann endlich tun, was sie schon immer wollte. Und sie hat noch mehr vor: Ich möchte auf die Hochsee. Mein Ziel ist es, Kapitänin zu werden. Bis dahin gibt es noch viel zu tun und Tabea Schneider packt es tatkräftig an.

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Wasser ist ihr Element: Flavia Zimmermann vertäut Seile auf dem Schiff.

Basel: So sieht es die zweite Matrosin

Als Kind unternahm sie mit ihrem Vater Fahrten auf den Dampfschiffen, die Flavia Zimmermann täglich auf dem Vierwaldstättersee vorbeituckern sah. Aufgewachsen ist die 26-Jährige in Buochs im Kanton Nidwalden, und Gewässer sind seit je Teil ihres Lebens. Wasser ist faszinierend. Es kann glatt und ruhig sein oder stürmisch und aufgewühlt, sodass man merkt welche Naturgewalt das Element besitzt. Nach einer abgebrochenen Lehre als Polydesignerin 3D fand sie bei den Schweizerischen Rheinhäfen in Basel eine Lehrstelle als Matrosin Binnenschifffahrt und steht nun im zweiten Jahr der dreijährigen Ausbildung. Jeweils drei Wochen ist Zimmermann auf dem Rhein unterwegs derzeit auf einem Containerschiff. Während der Reise nach Holland und zurück schrubbt sie das Deck, wartet die Maschinen, hilft beim An- und Ablegen des Schiffs sowie beim Entladen der Ware. Man muss anpacken können und darf keine Angst vor dreckigen Händen haben, meint Zimmermann. Nach der schweisstreibenden Arbeit mischt sie ihr Trinkwasser auf dem Schiff gerne mit Sirup: Ich bin nicht der Typ, der nur stilles Wasser pur trinkt. Es gefällt ihr, wochenlang mit der Crew unterwegs zu sein, auch wenn sie dabei meistens alleine unter Männern ist. Damit muss man sich arrangieren, aber das fällt mir leicht. Langweilig sei ihr jedenfalls noch nie geworden, denn jede Reise sei je nach Wetter, Jahreszeit oder Wasserstand wieder anders. Während ihren Fahrten auf dem Rhein und durch mehrere Länder fällt Flavia Zimmermann immer wieder auf, dass das Gewässer teils stark verschmutzt ist. Das ist bestimmt eine grosse Herausforderung bei unserem Umgang mit dem Wasser.

Wasseraufbereitung und die Wasserkreisläufe im Griff: Rolf Zysset vor dem Kühlturm des Kernkraftwerks Gösgen.

Gösgen: Der Kalk-Entzieher

Ohne Wasser würde das Kernkraftwerk Gösgen-Däniken nicht funktionieren, erklärt der 62-jährige Laborant Rolf Zysset, der seit 40 Jahren dort arbeitet. Der Reaktor produziert 280 Grad heissen Dampf, der eine Turbine antreibt und dabei eine Art Saft erzeugt. Der Dampf muss dann in einem Leitungssystem abgekühlt werden. Dafür werden in das System 32000 Liter Wasser pro Sekunde gepumpt. Bei diesem heissen Zusammentreffen verdampfen 800 Liter Wasser pro Sekunde, das den Kühltürmen des Kraftwerks als Wolke entsteigt. Das verdunstete Volumen wird durch Wasser aus der Aare ersetzt. Der Energiekreislauf der Zentrale kann so von Neuem beginnen. Doch davor muss dem Wasser der Kalk entzogen werden, damit die Leitungssysteme des Kraftwerks nicht verkalken. Jeden Tag entzieht Rolf Zysset dem Wasser deshalb 30 Tonnen Kalk! Die Hälfte des Kalks wird von Landwirten als Dünger verwendet, die andere Hälfte landet in Zementwerken.

Richard Stadelmann setzt sich für mehr Natur im und am Aabach ein.

Aabach: Der Riverwatcher

Am Aabach LU, einem Zufluss der Aare, erwartet uns Richard Stadelmann, die Beine im Wasser. Er setzt sich dafür ein, dass das Flussbett, das aus Bequemlichkeit von Menschenhand verändert wurde, stellenweise wieder seine ursprüngliche Form erlangt. Durch den Staudamm ist das Wasser zu stark, als dass sich Flora und Fauna gut entwickeln können, erklärt der 44-Jährige.
Richard Stadelmann hat im Rahmen des WWF-Projekts Riverwatch, an dem jedermann teilnehmen kann, eine Ausbildung gemacht. Hier wurden ihm die notwendigen Mittel gegeben, um die Gesundheit eines Flusses zu analysieren und gegebenenfalls für eine Revitalisierung ein Projekt auf die Beine zu stellen.

Seepolizist Mike Jungi (40) fischt auch mal Tresore aus dem See. 

Biel: Der Seepolizist

Der 40-jährige Mike Jungi ist ein glücklicher Mann. Nach seiner Polizeiausbildung konnte er sich auf der Polizei-wache vom Bielersee in Twann spezialisieren und so seiner grossen Leidenschaft treu bleiben: dem Tauchen. Es dauere etwa drei Jahre, bis ein Grünschnabel mit allen Eigenheiten des Sees vertraut ist. Doch Vorsicht: Der Beruf sei alles andere als erholsam, sagt Jungi. Die Aufgabenbereiche sind sehr vielfältig: Kontrollen am Seeufer (zum Beispiel Geschwindigkeit, Alkohol), die Errichtung eines 800 Meter langen Damms, um das von der Aare angetriebene Gehölz aufzuhalten, die Bergung von Schiffen in Seenot, die Rettung von Tieren, die sich durch Angelhaken verletzt haben, etc. Manchmal müssen er und seine fünf Kollegen auch Polizisten auf anderen Seen oder bei Sportveranstaltungen in Biel oder Bern unter die Arme greifen.
Und wo bleibt da das Tauchen? Wir fischen alle möglichen Gegenstände aus dem See: Autos, Velos, manchmal Leichen, auch Schätze Echte Schatztruhen? Natürlich nicht echte Schätze. Aber oft finden wir unter gewissen Brücken Safes, die von Einbrechern nach der Plünderung in den See geworfen werden.

Jean-Marc Bourqui öffnet und schliesst die Stauanlagen des Kantons Freiburg von Granges-Paccot FR aus.

Granges-Paccot: Der Schaltpilot

Jean-Marc Bourqui arbeitet in Granges-Paccot FR in einem richtigen Kontrollturm. Vor seinen Überwachungsbildschirmen öffnet und schliesst er die Schleusen der Stauanlagen im Kanton Freiburg. Mit unseren fünf Staudammkaskaden erzeugen wir ein Drittel des im Kanton benötigten Stroms. Der Rest muss gekauft werden. Gemeinsam mit seinem Team gelingt es ihm mit verschiedenen Daten, auf die Viertelstunde genau, die von den Freiburgern benötigte Strommenge zu berechnen. Je nach den Wassermengen, die in den Stauanlagen zur Verfügung stehen, kann der Ingenieur berechnen, wie viel Strom produziert wird. Ist die Prognose zu hoch, muss er seinen Strom auf dem Markt zu Schleuderpreisen verkaufen. Andernfalls ist er gezwungen, zu den aktuellen Energiepreisen Strom zu kaufen, um ein Blackout zu verhindern. Ausserdem muss die Stauanlage der Eisschmelze und starken gewittrigen Regenfällen standhalten, die rasch das Wasserniveau ansteigen lassen können. In diesem Fall muss der Schaltpilot darauf achten, dass er in den kommunizierenden Röhren seiner Stauanlagen genügend Platz hat.

Brunnenmeister Denis Turrian wacht über die Wasserversorgung von Châteaux-d?x VD.

Château-dŒx: Der Brunnenmeister

Man ist sich gar nicht bewusst, was es alles braucht, damit das Wasser aus dem Wasserhahn kommt, meint Denis Turrian, Brunnenmeister von Château- dŒx. In diesem Dorf mit rund 3400 Einwohnern stammt das Trinkwasser aus den sechs Quellen der gegenüberliegenden Talmulde und gelangt über ein 60 Kilometer langes Netz in die Häuser. Eine Pumpe ist dafür nicht notwendig, die Gravitation genügt: Das Wasser gelangt vom oberen Teil der Talmulde in den Fluss und fliesst dann in vier Speicherbecken. Nun reicht der Druck aus, um es überallhin zu verteilen, auch in die 200 Hydranten der Feuerwehr. All diese Anlagen müssen regelmässig kontrolliert und gegebenenfalls zu jeder Tages- und Nachtzeit repariert werden: Manche Rohre stammen aus dem Jahr 1900 und werden leck. Das passiert ein Dutzend Mal pro Jahr. Der Kantonschemiker kontrolliert die Wasserqualität mehrmals im Jahr: Wir haben Glück, da wir unser Wasser nicht wie zum Beispiel in Lausanne aufbereiten müssen. Dort sind rund 100 Brunnenmeister das ganze Jahr über beschäftigt.

François Fellay gibt den Schweizer Gletschern nur geringe Überlebenschancen.

Sanetschpass: Der Beobachter

Jeden Herbst erklimmt François Fellay den Sanetschpass, um mit GPS-Instrumenten den Tsanfleurongletscher zu vermessen. An bestimmten Punkten der Gletscherzunge entnimmt er die Daten und sendet sie an das Institut für Gletscherkunde der ETHZ, das sie mit jenen der letzten Jahre vergleichen kann. Im Durchschnitt geht der Gletscher 30 Meter pro Jahr zurück, stellt er fest. Seit dem Ende des 19.Jahrhunderts, als man die ersten Daten sammelte, ist der Gletscher um rund zwei Kilometer zurückgegangen. Aus diesem Grund gelangt das Gletscherwasser nicht mehr in die Saane. Schätzungen zufolge werden bis im Jahr 2100 nur 10 Prozent der aktuellen Gletscher weiterbestehen, die allesamt über 3000 Meter liegen. Das heisst dann wohl Adieu für den Tsanfleuron, der nur 2990 Meter hoch liegt. Im Wallis organisiert man sich bereits, um den Herausforderungen der Eisschmelze gewachsen zu sein. Sowohl der Zufluss der Wasserläufe als auch das Grundwasser, das Trinkwasser und sogar der von den Wasserkraftwerken erzeugte Strom werden davon betroffen sein. Es ist beeindruckend, den Rückgang der Gletscher zu beobachten, und das stimmt mich traurig. Ich hoffe, dass den Leuten, die diesen Sommer durch die Berge wandern, das Verschwinden dieser Giganten bewusst ist.

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Auf dem Wasser ist im Sommer gut sein

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