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Muskelspiel:Mehr Fülle ohne Messer

Die plastischeChirurgie boomt. Doch es gibt auch sanftereMethoden, die straffen. Etwa die Gesichtsgymnastik. Facies-Erfinderin Marietta Heldstab schwört darauf.

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Christoph Kaminski, Colourbox
21. September 2015

Bericht

Joggen in der Öffentlichkeit? Natürlich ist das kein Problem! Auch Dehnübungen vor dem Rennen kann jeder am Strassenrand machen, ohne sonderlich aufzufallen. Aber Gesichtsmuskeltraining? Das könnte peinlich werden. Zumindest sollte man niemanden direkt anschauen, um Missverständnissen vorzubeugen. Die Grimassen, die man dabei schneidet, können ziemlich seltsam aussehen. Darum erfordern solche Übungen in der Öffentlichkeit etwas Mut beziehungsweise lieber ein stilles Kämmerlein. Doch ob schnell zwischendurch an der Busstation oder zu Hause, die Disziplin lohnt sich: Wer durchhält, kann sich über straffere Konturen freuen und auch über ein besseres Körpergefühl.

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Und hoch die Wange!

Marietta Heldstab befasst sich schon seit rund 25 Jahren mit dem Muskeltraining des Gesichtes. Die Idee hatte die gelernte Maskenbildnerin und Visagistin bei der Arbeit. Vor ihr sass eine durchtrainierte Ballerina, die sie schminken sollte. Der Körper der Tänzerin war schön definiert, die Haut straff, sie sah jugendlich und knackig aus. Aber nicht ihr Gesicht, erzählt Heldstab. Es wirkte so eingefallen.Es wäre doch sinnvoll, auch die Muskeln im Gesicht zu trainieren, überlegte Marietta Heldstab. Und fand kurze Zeit später ein Buch in einer Brockenstube zu dem Thema. Die darin beschriebenen Übungen machte sie fleissig nach. Doch das Ergebnis überzeugte sie nicht ganz. Ich habe richtige Bäckchen bekommen, das hat meine Nasobialfalte verstärkt. Darum habe ich angefangen, auf meine eigene Art mit den Gesichtsmuskeln zu arbeiten. So ist eine Reihe von Übungen entstanden, die Marietta Heldstab Facies nennt. Mit diesem Begriff bezeichnet man in der Anatomie das Gesicht. Nun hat sie das Ganze noch mit Techniken aus dem sogenannten Hormon-Yoga kombiniert, das den Hormonhaushalt unterstützen soll. Das versorgt die Muskeln zusätzlich mit Energie, erklärt Marietta Heldstab.

Facies stärktauch unser Selbstbewusstsein.»

Marietta Heldstab (59),Facies-Erfinderin

Zehn Jahre jünger

Und sie ist selbst die beste Werbung für die von ihr entwickelten Übungen: Marietta Heldstab wird dieses Jahr 60, doch ihre Gesichtskonturen sind straff. Sie hat kaum Falten, ihr Gesicht ist gut gepolstert, obwohl sie schlank ist. Sie könnte auch über zehn Jahre jünger sein oder noch mehr. Natürlich kann auch Facies die Uhr nicht ganz zurückdrehen. Doch darum geht es gar nicht: Wir wollen ja nicht aussehen wie 20, wenn wir 50 oder 60 sind. Wir wollen einfach gut aussehen!, meint die Gesichtsmuskeltrainerin lachend. Und das tut sie zweifellos! Facies stärkt auch unser Selbstbewusstsein, weil wir einen ganz anderen Bezug zu unserem Gesicht bekommen. Wie beim Sport, dann hat man einfach ein anderes, ein besseres Körpergefühl.So runzeln manche Leute oft die Stirn und sind sich dessen gar nicht bewusst. Das ist, wie wenn man eine Fehlhaltung des Körpers hat. Es gibt ja sehr viele Menschen, die ziemlich starke Spannungen im Gesicht haben. Wenn man sich dieser Mechanismen bewusst werde, könne man es ändern. Facies-Übungen sind auch dazu da, das Gesicht zu entspannen. Jeden Tag macht die Visagistin die Übungen aber auch nicht. Etwa drei- bis viermal pro Woche. Manchmal mehr, manchmal weniger. Doch vor einem wichtigen Anlass, geschäftlich oder privat, kann man die Frequenz steigern, um richtig gut auszusehen. Ich sage immer zu meinen Kundinnen: In Hollywood gehen sie vor einem Red-Carpet-Event zum Beauty-Doc, wir machen zwei Wochen vorher intensiv Facies. Grundsätzlich hat Marietta Heldstab aber nichts gegen die Schönheitschirurgie: Es gibt Sachen, die kann man mit Facies nicht lösen. Zum Beispiel, wenn jemand ein ganz stark hängendes Augenlid hat. Bei einer Veranlagung könnte man zwar vorbeugen, doch das hilft nicht immer.

Gesund leben heisst auch Genuss

Zu viel nachdenken über Schönheit und Unschönheiten sollte man trotz allem nicht, ist Marietta Heldstab überzeugt. Denn je weniger Gedanken wir uns machen über unser Alter und unsere Fältchen, desto froher und desto schöner sind wir. Dazu gehört auch, dass man Komplimente annehmen könne. Wenn ich zum Beispiel zu einer Kundin sage, sie hätte schöne Haut, dann höre ich oft: Ja, aber ich habe hier wieder einen Pickel. Sie kennt das auch von sich selbst. Als ich 40 geworden bin, habe ich Fotos von mir angeschaut, wo ich 30 war und dachte: Puah! Da habe ich aber knackig und gut ausgesehen! Doch als ich tatsächlich noch 30 war, gab es tausend Dinge, die mich gestört haben, anstatt dass ich die Zeit genossen hätte. Wir finden uns immer in der Zeit, in der wir sind, nicht richtig. Sie möchte den Frauen das Bewusstsein ans Herz legen, dass sie immer am schönsten sind: Wir sind immer in dem Moment, in dem wir jetzt sind, am schönsten. Und es gibt keinen anderen zum Schönsein als den jetzt. Dabei gehört für Marietta Heldstab nicht nur Disziplin mit den Übungen dazu. Gesund leben heisst für mich auch geniessen. Und Genuss bedeutet auch ein Glas Wein, auch Küssen, einfach das ganze Spektrum, das unser Menschsein froh macht.

Übungen


Übung 1

Rundet die Wangen.Man fasst sich an die Schläfe, damit man den Wangenmuskel spürt.

Fünfmal wiederholen, Muskelspannung jeweils sechs Sekunden halten.


Übung 2

Trainiert den Muskel um die Augen: Auge weit öffnen, auf vier zählen, schliessen.

Fünfmal wiederholen, danach zehnmal blinzeln.


Übung 3

Festigt den Muskel um den Mund: Den Finger leicht auf die Unterlippe legen, mit der Oberlippe einklemmen.

Fünfmalwiederholen, jeweils sechs Sekunden halten.


Übung 4

Glättet die Stirn. Man legt die Finger aufdie Mitte der Augen-brauen und versucht, die Stirn zu runzeln.

Wieder fünfmal sechs Sekunden halten.

Mimik

Zum Online-Facies-Kurs auf der Internetseite vonMarietta Heldstab