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Wer hats erfunden? Die Schweizer!

Die Schweiz hat schon etliche Daniel Düsentriebs hervorgebracht. Viele Alltagsdinge sind dem helvetischen Erfindergeist zuzuschreiben.

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Dominique Bersier, zVg
20. Juli 2015

Bericht

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Käse, Schokolade, Uhren dafür ist die Schweiz bekannt. Darüber hinaus hat unser Land viele Erfindungen hervorgebracht, die für Furore sorgten und sich weltweit etablierten. Einige sind Gebrauchsgegenstände, die den Alltag vereinfachen und in Form und Funktion unschlagbar sind. Manchmal sind sie nach langer Tüftelei entstanden, manchmal aus Versehen oder Zufall. Dabei rankt sich hinter jeder Erfindung eine kleine Geschichte. Wie beispielsweise beim Klettverschluss, der heute oft bei Jacken, Schuhen, Taschen oder Velohelmen verwendet wird. Bei dieser Erfindung stand eine einheimische Pflanze, die kugelartige Klette mit den vielen winzigen Haken, Pate. Der Legende nach soll der Westschweizer Ingenieur Georges de Mestral (19071990) Anfang der 1940er-Jahre durch Zufall auf die Idee gekommen sein, als er mit seinem Hund auf einem Ausflug zu nah an Sträuchern vorbeilief. An seinen Hosen und im Fell des Hundes klebten die Früchte der Klette. De Mestral fiel auf, wie stark die feinen Stachelspitzen mit den Widerhaken haften blieben und erkannte das Funktionsprinzip, das heute Klettverschluss heisst. Im Jahre 1951 meldete Georges de Mestral den Klettverschluss zum Patent an. Einige weitere Produkte und Gebrauchsgegenstände, von findigen Schweizer Köpfen entwickelt:

Riecht etwas streng, hält aber sehr effektiv die gemeinen Stechmücken fern.

Anti-Brumm

Auf was vertraut die Schweiz an einem schwülen Sommerabend, um Mücken auf Distanz zu halten? Auf das streng riechende Anti-Brumm. Die Erfolgsgeschichte des Insektenschutzmittels im roten Fläschchen beginnt in Herrliberg ZH. Dort gründete der Technikum-Absolvent Eduard Vogt 1957 eine Firma für natürliche Körperpflegemittel. Seine Kenntnisse für die Materie hatte er zuvor als Angestellter in einer Drogerie erworben. Auf einer seiner vielen Reisen, die ihn 1972 nach Senegal/Afrika führte, mixte er ein Mittel aus Diethyltoluamid (DEET) und ätherischen Ölen zum Einreiben, um sich vor den Stechmücken zu schützen. Das Mittel half und seither ist Anti-Brumm*** das Mückenschutzmittel schlechthin mit Gütesiegel vom Schweizer Tropeninstitut geprüft.

Gepresst, nicht mehr geschnitten: die Ur-Knoblauchpresse von 1952.

Knoblauchpresse

Drei legendäre Erfindungen für die Küche kommen aus dem Hause Zyliss: Karl Zysset (19071998), der Gründer der Marke, entwickelte im Jahre 1948 die Knoblauchpresse*. Der Velomechaniker und Inhaber eines Velohauses aus dem bernischen Lyss bereicherte die Welt später auch mit dem Zyliss-Hacker* (erinnern Sie sich an den populären Werbeslogan Zick-zick-Zyliss in den Siebzigerjahren?) und der Salatschleuder*. Zyliss setzt sich aus dem Familiennamen und dem damaligen Firmenstandort Lyss zusammen.

Leicht und praktisch: Die SIGG-Bottle hat es ins Museum of Modern Art geschafft. 

SIGG-Bottle

Es war 1908, als der Metallverarbeitungsspezialist Ferdinand Sigg (18771930) zusammen mit Xaver Küng die Aluminiumwarenfabrik Küng, Sigg& Co. in Biel gründete. Sie sind schon damals überzeugt, dass Aluminium das Material der Zukunft ist. Die Firma stellt Haushaltwaren-, Sport- und Freizeitartikel her und begründet zwei Jahre nach Firmengründung mit dem Entwurf einer einfachen Wanderflasche den späteren Erfolg der Original Swiss Bottle. Die Flasche war zu Beginn wegen ihrer Leichtigkeit insbesondere von Bergsteigern geschätzt und ist eigentlich nicht viel mehr als ein Alurohr mit Schraubgewinde. Im Jahre 1916, Xaver Küng war mittlerweile aus dem Unternehmen ausgeschieden, zog die Firma an den heutigen Sitz in Frauenfeld, wo die SIGG-Bottle* heute noch gefertigt wird. Die Alu-Trinkflasche ist mittlerweile ein Designklassiker, vereint Ökologie, Design und Funktionaliät und ist seit vielen Jahren im Museum of Modern Art (MoMA) in New York ausgestellt.

In jedem Haushalt zu finden: Cellophanfolie.

Cellophan-Verpackungsfolie

Als im Jahre 1908 der Schweizer Chemiker und Textilingenieur Jacques E. Brandenberger (18721954) ein Verfahren zur kontinuierlichen Herstellung transparenter Folien aus Zellulose patentieren liess, hatte kaum jemand die Bedeutung dieser Erfindung erkannt. Mittlerweile ist Cellophane für Millionen von Menschen zu einem Begriff geworden beziehungsweise die Cellophan-Verpackungsfolie wohl in jedem Haushalt zu finden. Der Markenname Cellophane leitet sich von cello, was auf das Basismaterial Cellulose hinweist und diaphane (transparent) ab.

Unverzichtbar: Dieser Schäler hilft beim Sparsamsein.

Rex-Sparschäler

Der Sparschäler mit querliegender beweglicher Klinge* ist aus unserem Haushalt nicht mehr wegzudenken. Dank der einfachen Konstruktion und perfekten Ergonomie geht das Schälen von Früchten und Gemüse ganz einfach von der Hand. Alfred Neweczerzal (18991958) ist der Erfinder dieses praktischen Küchengeräts. Der in Davos geborene Sohn tschechischer Immigranten liess seine Erfindung unter dem Namen Rex 1947 patentieren.

Symbol für Schweizer Qualität und Präzision: das Swiss Army Knife.

Victorinox Swiss Army Knife

1884 machte sich Karl Elsener (18601918), nach Lehrjahren in Paris und im Schwarzwald, mit einer Messerschmied-Werkstatt in Ibach SZ selbstständig. Zeitgleich wurde auf seine Initiative hin der Schweizerische Messerschmiedeverband gegründet mit der Idee, ein Messer für die Schweizer Armee zu entwickeln. 1891 erfolgte die erste Belieferung der Armee mit Soldatenmesser. Ein Konkurrenzbetrieb im deutschen Solingen machte den Schweizer Berufsleuten aber das Leben schwer, Elseners Kollegen gaben auf. Er aber glaubte an das Produkt und entwickelte in der Folge das elegantere Offiziers- und Sportmesser, das 1897 gesetzlich geschützt wurde. Das multifunktionale Modell wurde später als Original Swiss Army Knife* weltbekannt, war aber nie offizieller Rüstungsgegenstand der Armee. Der Firmenname Victorinox leitet sich übrigens vom Vornamen der Mutter von Karl Elsener, Victoria, und Inox, dem rostfreien Stahl, ab.

Genial: Der Stewi-Wäscheständer bietet 60 Meter Trockenlänge und spart Platz.

Stewi-Wäscheschirm

Zu den genialen Schweizer Erfindungen gehört auch der Wäscheständer, bekannt unter dem Namen Stewi**. Körbeweise Wäsche und zig Leintücher kann man auf der Wäschespinne mit einer Trockenlänge von 60 Metern aufhängen. 1947 hat der Zürcher Ingenieur Walter Steiner (19212009) das aufklappbare Gestell zum Aufhängen und Trocknen von feuchter Wäsche entwickelt. Die ersten Ausführungen bestanden damals noch aus Tragarmen aus Holz und Seilen aus Hanf. Stewi leitet sich aus Steiner und Winterthur ab, wo sich noch heute der Sitz des Familienunternehmens befindet.

Ergonomisch: die Serien-Maus von Logitech.

Serien-Computer-Maus

Die Geschichte mit der Maus beginnt mit einem Irrtum: Nicht die waadtländische Firma Logitech ist die Erfinderin der Computermaus, sondern der US-Amerikaner Douglas C. Engelbart. Er hat die Maus 1963 erfunden. Damals nahm jedoch kaum jemand Notiz davon, es gab ja keine Bildschirme mit grafischer Oberfläche, die eine Maus nötig gemacht hätten. Erst der Neuenburger Daniel Borel, der an der ETH Lausanne und im Silicon Valley studierte, erkannte das Potenzial der Erfindung. Sein 1981 ursprünglich als Software-Firma gegründetes Unternehmen übernahm das Patent und entwickelte 1981 die Software für die einfache Nutzung. Die effiziente Software verhalf schliesslich der Maus zum Durchbruch. 1982 entwickelten die Logitech-Jungunternehmer mit einem Team der ETH Lausanne die erste Serienmaus der Welt. Seither läuft das Geschäft mit der Logitech-Maus****.

* Erhältlich in ausgewählten Coop-City-Warenhäusern.
** Erhältlich bei Coop Bau+Hobby.
*** Erhältlich in Coop-Vitality-Apotheken.
**** Erhältlich bei Interdiscount.

Laurastar

Im Forschungszentrum arbeitet man an immer neuen Verbesserungen. 

Dies ist die Geschichte eines Mannes, der Modeschmuck verkaufte und neue Ideen brauchte, um sein Unternehmen weiterzuentwickeln. 1980 besuchte ich eine Messe in Italien auf der Suche nach Kaffeemaschinen, erzählt der heute 63-jährige Jean Monney aus Morges VD. Dort stiess ich auf den Stand eines italienischen Erfinders, der eine neuartige Bügelstation präsentierte. Die Kaffeemaschine war vergessen, der Handel rasch besiegelt und der Unternehmer begann mit dem Verkauf des revolutionären Systems in der Schweiz. Ich bot den Kunden ein Produkt, das ihren Bedürfnissen entsprach. In der ersten Woche verkaufte er sechs Stück, in der zweiten bereits 31 und das, obwohl das Bügelsystem zehnmal mehr kostete als ein normales Bügeleisen. Jean Monney, der früher in der Uhren- und in der Modeindustrie gearbeitet hatte, liebt schöne Dinge und Design. Nach einer Zusammenarbeit mit Laura Biagiotti gab er seinem Unternehmen den Namen Laurastar und sorgte dafür, dass es zum Inbegriff von Technologie und Innovation wurde. Als Julie, die älteste Tochter der Familie Monney, zwei Jahre nach ihrem Bruder Michaël 2011 zum Unternehmen stiess, wurden die Bügeleisen bunt. Die Schweizer Kundinnen und Kunden bevorzugen Schwarz. Aber in China und Malaysia läuft Rosa sehr gut, erzählt Julie. Laurastar ist in rund 40 Ländern vertreten und muss sich an die lokalen Gegebenheiten anpassen. Und vor allem an die Wasserhärte, die je nach Region variiert. Im Forschungs- und Entwicklungszentrum am Firmensitz in Châtel-Saint-Denis FR werden Tests zur Lösung dieses Problems durchgeführt, zum Beispiel mit einem zusätzlichen Kalkschutzfilter.

Beispiellose Markentreue

In der Schweiz gibt man beim Kauf einer neuen Bügelstation oft die alte an seine Kinder weiter und schafft dadurch eine zweite Fan-Generation. Es gibt Kunden, die ihre Bügelstation jedes Mal auswechseln, wenn ein neues Modell auf den Markt kommt, es ist ein bisschen wie bei den Smartphones. Andere benutzen sie während 15 Jahren, erklärt Michaël Monney. In der Schweiz liegt die Markentreue bei 85 Prozent. Dies ist kein Zufall. Laurastar hat ein eigenes Know-how entwickelt, zu dem das Schweizer Qualitätslabel viel an Glaubwürdigkeit beiträgt. Die Produktion erfolgt in Europa; der ganze Rest wird von Châtel-Saint-Denis aus gesteuert.

Die Zukunft ist korallenrot

Die kommenden Jahre versprechen spannend zu werden für Laurastar. Die Marke hat vor Kurzem einen flammhemmenden korallenroten Bügelbezug lanciert. Laurastar arbeitet zudem an der Senkung des Energieverbrauchs und an tragbaren, kabellosen Bügelstationen. Jean Monney zieht sich nach und nach zugunsten seiner Kinder aus dem Geschäft zurück. Der 37-jährige Michaël ist heute kaufmännischer Leiter und die 38-jährige Julie Marketingleiterin. Eine Regel bleibt aber bestehen: Bei den Familienfeiern ist es verboten, über Laurastar zu sprechen, erklären sie einstimmig und schmunzeln.

Eine Frage der Bedürfnisse

Das Bügeleisen ist günstig, praktisch, sofort einsatzbereit und platzsparend. Die Bedienung ist sehr einfach. Ein Bügelsystem liefert ein professionelles Resultat. Es ist schneller und hinterlässt keine Falten. Das Bügeleisen ist leichter, da der Wasserbehälter separat ist, was bei gewissen Modellen das Auffüllen während des Gebrauchs ermöglicht. Das Bügelsystem liefert ultrafeinen Dampf, der sich für empfindlichste Gewebe eignet.

Welche Schweizer Erfindung macht Sie besonders stolz?»

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