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Erfindergeist: Produkte entwickeln

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Nicolas de Neve, zVg
01. Februar 2016
Heute Student, morgen Designer: An der ECAL (Ecole Cantonale d'art de Lausanne) werden junge Menschen aus aller Welt unterrichtet.

Heute Student, morgen Designer: An der ECAL (Ecole Cantonale d'art de Lausanne) werden junge Menschen aus aller Welt unterrichtet.


Kreatives Schaffen

Das 20. Jahrhundert kann als Jahrhundert der Formen und des Designs bezeichnet werden. Es brachte bedeutende Gestalter wie Arne Jacobsen, Marcel Breuer, Verner Panton oder Le Corbusier hervor, die in Form und Funktion viele Neuschöpfungen kreierten und insbesondere die Welt des Wohnens veränderten: Ästhetik ergriff Besitz vom Alltag. Heute ist Design ein sehr dehnbarer Begriff und findet sich überall, sei dies in Form eines ergonomischen Stuhls, als innovativer Küchenhelfer oder als hochtechnologisches Multimedia-Gerät.

Meine Aufgabe ist es, den Stuhl von A bis Z zu überdenken.»

Aurélie Vial (23), im dritten Jahr des Bachelor-Studiengangs Industriedesign an der ECAL.

Studierende aus aller Welt

Bevor mit der Gestaltung eines Objektes begonnen werden kann, müssen viele Fragen diskutiert werden. Es bedarf intensiver Forschung, eines regen Erfahrungsaustauschs und viel Inspiration. Das erfahren wir beim Besuch der Kantonalen Hochschule für Kunst und Design (Ecole Cantonale d'art de Lausanne, kurz ECAL) in Lausanne. Die 1821 gegründete Hochschule bietet Bachelor- und Masterstudiengänge in den Bereichen Visuelle Kommunikation, Kunst und Design an. Die ECAL zählt zu den zehn weltweit führenden Universitäten in dieser Fachrichtung. Rund 600 Studierende aus aller Welt absolvieren an der Schule ihre Ausbildung. Design als Ausbildung bietet das überhaupt berufliche Perspektiven? Aber sicher: Rund 85 Prozent der Absolventinnen und Absolventen der ECAL gelingt der Einstieg in die Berufswelt innerhalb eines Jahres nach Erhalt des Diploms. Was versteht man eigentlich unter Design? Etwas Schlichtes, etwas Teures? Weder noch, meint Aurélie Vial, Studentin im dritten Jahr des Bachelor-Studiengangs Industriedesign. Design ist die Suche nach Lösungen. Um ihre Worte zu verdeutlichen, zeigt sie den Museumsstuhl, an dem die 23-jährige Neuenburgerin gerade arbeitet. Die Idee besteht darin, das Bestehende zu dekonstruieren, um mit einem Minimum an produktionstechnischen Einschränkungen etwas Funktionelleres, Ästhetischeres und Günstigeres zu schaffen. Der derzeit auf dem Markt angebotene Stuhl ist mit zwei Kilo zu schwer, wenn man bedenkt, dass der Besucher den Stuhl beim Museumsbesuch mi ragen muss. Mit einem Einzelpreis von 140 Euro ist der Stuhl für Galerien und Museen auch zu kostspielig in der Anschaffung. Aber für die Ausstellungsräume werden solche Stühle benötigt. Meine Aufgabe ist es jetzt, den Stuhl von A bis Z zu überdenken.

Der Erfahrungsaustausch unter den Studierenden ist wichtig für ihr kreatives Schaffen: (v. l. n. r.) Lionel Dalmazzini, Arthur Monnereau und Aurélie Vial. 

Design ist oft da, wo man es nicht erwartet.»

Arthur Monnereau (23) arbeitet am liebsten mit dem Material Holz.

Honig vom Bienenstock zapfen

Mit Design in einer ganz anderen Form ist Arthur Monnereau beschäftigt. Er entwickelt einen Bienenstock mit neuer Erntehilfe, die für Tier und Mensch weniger Stress bedeutet. Die Idee des Bienenstocks, der wie ein Bierfass funktioniert und bei dem der Honig vom Zapfhahn direkt ins Glas fliesst, ist ursprünglich eine Erfindung von zwei australischen Imkern. In einer Zeit, in der die Stadt das Landleben entdecke, habe ihn dieses Projekt auf Anhieb begeistert, sagt Arthur. Der Bienenstock besitzt ein geniales Honigernte-System, indem man durch Bedienen des Zapfhahns die Waben längs teilt, sodass der Honig abfliessen kann. Der aus Reims bei Paris stammende Monnereau sein bevorzugtes Arbeitsmaterial ist Holz will den Bienenstock so gestalten, dass man ihn zu einem erschwinglichen Preis von rund 250 Franken auf den Markt bringen kann. Vielleicht sogar in verschiedenen Grössen und Farben. Monnereau, der im dritten Jahr des Bachelor-Studiengangs Industriedesign steckt, ist überzeugt, dass es potenzielle Kunden gibt Privatpersonen, Kindergärten, Quartiervereine bis hin zu Unternehmen mit grossen Gebäudedächern. Mit seiner Entwicklung will der angehende Productdesigner seinen Teil zum Umweltschutz beitragen und allen, einschliesslich Kindern, einen Zugang zur urbanen Bienenzucht ermöglichen.

Ein Objekt muss genau durchdacht sein.»

Lionel Dalmazzini (23), sein Lieblingsdesigner ist Konstantin Grcic.

Lionel Dalmazzini kommt ebenfalls aus Frankreich und absolviert den gleichen Studiengang wie Aurélie Vial und Arthur Monnereau. Es sei wichtig, dass es eine Schule wie die ECAL gebe, die in Zusammenarbeit mit Unternehmen und Handwerkern an konkreten Objekten arbeite. Der junge Franzose (23) aus St. Tropez zeigt sich begeistert vom Ausbildungskonzept und der Unterrichtsqualität der Kantonalen Hochschule für Kunst und Design. Im Gegensatz zu seinen Studienkollegen arbeitet Lionel gern mit Stahl. Mit der sogenannten Tiefziehtechnik hat er eine Brille entworfen, die im Spannungsbogen zwischen Industriedesign und Mode liegt. Für Lionel ist ein Designer ein Objektarchitekt im kleinen Massstab und das Bindeglied zwischen einer Idee, einem Anwendungsszenario und der Industrie. Design stehe gleichermassen für technologischen Fortschritt unserer Gesellschaft und für Alltagskomfort.

Schweizer in den USA

Christophe Guberan (30), geboren in waadtländischen La Praz, arbeitet als Industriedesigner in der Schweiz und in den USA.

Schildern Sie uns kurz Ihren Werdegang zum Designer?
Ich bin Industriedesigner und arbeite in der Schweiz und in den USA. Ich habe ursprünglich Architektur studiert und das Studium 2006 abgeschlossen. Durch diese Ausbildung hatte ich schon ein Gespür für Formen und Räume. 2008 habe ich entschieden, mich für die Konzeption und Realisierung von Objekten in kleinerem Massstab entschieden, mich umorientiert 2012 den Bachelor in Industriedesign an der ECAL (Ecole cantonale dart de Lausanne) gemacht.

Weshalb haben Sie sich für Design entschieden?
Objekte, die das Resultat vom Experimentieren mit einfachen Materialien und von Beobachtungen sind. Ich habe diese Formel immer kultiviert. Ich liebe Materialien, Formen und Objekte. Es hat mich immer fasziniert, zu sehen, wie Menschen mit Objekten interagieren, wie sie diese nutzen und mit ihnen leben. Die Aufgabe des Designers ist es, über diese Aspekte nachzudenken und Innovationen zu schaffen.

Wie zeigt sich Design anderswo?
Der Bezug zu Design hängt von der entsprechenden Kultur ab. Es war für mich deshalb immer selbstverständlich, zu beobachten, was in anderen Ländern passiert. Während meines Studiums an der ECAL konnte ich an einem Workshop in Indien teilnehmen. Dort habe ich festgestellt, wie unterschiedlich die Aufgaben und die Visionen eines Designers sein können.

Worin besteht Ihre Arbeit?
Ein Teil meiner Arbeit besteht darin, Objekte für verschiedene Unternehmen und Start-ups zu gestalten. Der andere Teil ist mehr auf die Forschung in Zusammenarbeit mit einem Labor am MIT (Massachussets Institute of Technology) in Boston ausgerichtet. Wir arbeiten selbständig und auch im Auftrag zusammen mit Unternehmen an der Entwicklung neuer Produktionsprozesse und Materialien. Wir nutzen das Potenzial neuer Technologien wie beispielsweise des Drei-D-Drucks für die Herstellung von Objekten, die uns morgen umgeben werden.

Können Sie uns ein Beispiel nennen?
Wir arbeiten mit einer amerikanischen Sportbekleidungsfirma an der Entwicklung eines aktiven Textils, das sich die verschiedenen Nutzer anpasst. Wir arbeiten auch mit einer Schuhmarke an der Herstellung eines Modells, das sich den unterschiedlichen Fussformen anpasst. Der Ansatz besteht darin, mit hitzeempfindlichen Materialien massgeschneiderte Modelle zu kreieren. Auch für eine Möbelfirma sind wir tätig. Dabei geht es darum, den Vertrieb von zusammengeklappten Produkten, die sich beim Kunden automatisch entfalten, zu vereinfachen.

Mehr zu Christophe Guberan auf seiner Internetseite

ECAL

Designhochschule in Lausanne

Tag der offenen Tür

Die ECAL (Kunst- und Designhochschule in Lausanne) führt am Samstag, 6. Februar, einen Tag der offenen Tür durch. Dabei kann die Öffentlichkeit die Kunst- und Designhochschule von 8.30 bis 18.30 Uhr besuchen.

Mehr zum Programm auf der Internetseite der ECAL

Toptip

Jetzt sind die 60er ein Thema

Isabelle Schwalbe, Leiterin Möbeleinkauf bei Toptip

Welche Wohnobjekte kommen bei den Kunden gut an?
Da wäre zum Beispiel das Programm Flora, das über die Bereiche Essen, Wohnen, Entree und Büro erhältlich ist. Dieses wurde gemeinsam mit dem Produzenten entwickelt und orientiert sich einerseits am leichten nordischen Design, andererseits an der Formgebung der 60er-Jahre. O sind es auch Stühle, die an berühmte Designs angelehnt sind, wie etwa der Stuhl Cardinal oder der allseits bekannte Stuhl Miami.

Stuhl Miami: nach einem Original von Arne Jacobsen, bei Toptip für Fr. 19.90 statt Fr. 49.90 (bis 8. Februar 2016). 

Was sind die Trends bei Formen und Materialien?
Momentan sind sicher die 60er-Jahre ein Thema, wobei es für uns wichtig ist, dass die Interpretation nicht extrem ist. Für unsere Kunden müssen wir die Designs etwas reduzieren. Bei der Flora-Linie beispielsweise dürfen die Füsse nicht zu hoch sein, wie diese in den 60ern waren. Wichtig ist auch, dass die Funktionalität eines Möbels gegeben ist und dieses einen guten Preis hat. Bei den Materialien ist nach wie vor Massivholz ein starkes Thema, bei Stühlen und Polstergruppen natürlich Leder, aber auch gewobene Stoffe. Dadurch, dass bei Toptip sehr viele Möbel personalisierbar sind, das heisst, es gibt diese in vielen Ausführungen, Farben und Materialien, können wir fast jeden Kundenwunsch erfüllen.

Wie entscheidet man, was als Vintage-Version neu aufgelegt wird?
Wie erwähnt, müssen die Preise stimmen, Qualität und Funktionalität gegeben und die Materialien auf heutige Kundenansprüche angepasst sein. Es ist natürlich auch jahrelange Erfahrung des Einkaufs, was funktionieren kann und was nicht. Wir gehen mit offenen Augen durch die Welt, orientieren uns an Messen, in Lifestyle-Magazinen und auch in der Mode. Meist nimmt die Einrichtung einen Trend etwas zeitverzögert zur Mode auf.