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Kilt-Kult: Kleidungsstück mit Aussage

Beim Basel Tattoo gehören die rocktragenden Schotten zu den grossen Attraktionen. Hierzulande einen Kilt zu tragen, braucht aber etwas Mut. Und Geschick beim Anziehen.

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Christoph Kaminski
10. Juli 2017



Joachim Morgenthaler in voller Kilt-Montur, inklusive Kniestrümpfe, Tasche (genannt Sporran) und hochglanzpolierte Halbschuhe.

Highlandish

Sicher ist sicher: Der Sgian Dubh gehört traditionell zum Kilt. 

Ob am sommerlich warmen Rhein, im Pub, am Open Air oder natürlich am allsommerlich stattfindenden Basel Tattoo: Immer wieder werden hierzulande Träger des schottischen Kilts gesichtet. Sean Connery hat es vorgemacht: Mann zeigt Mut und Bein, oder besser: Wade. Denn länger als bis zum Knie darf ein Kilt nicht reichen.
Bis heute ist der gefaltete Rock ein Symbol von Freiheit und Unabhängigkeit. Das liegt an seiner Geschichte: 1746 verloren die Hochland-Schotten die Schlacht von Culloden gegen die Engländer, die Schottland in der Folge grausam unterwarfen und den Kilt als Zeichen schottischer Identität fast 40 Jahre lang verboten.

Kleidung für jedes Wetter

Der Original-Kilt ist eine lange Stoffbahn, great belted plaid genannt. Joachim Morgenthaler legt sie am Boden aus und beginnt sie in saubere Falten zu legen.

Der Schweizer Kiltmacher Joachim Morgenthaler (51) sieht den Schottenrock eher unpolitisch. Ein Kilt ist einfach ein sehr bequemes Kleidungsstück für fast jedes Wetter, findet er. Kilt tragen könne man fast immer und überall. Wähle man den passenden Stoff, sei er weder zu warm noch zu kalt.
Morgenthaler trägt täglich Kilt, auch bei der Arbeit. Der Logistik-Sachbearbeiter verliebte sich früh in den schottischen Männerrock und brachte sich die Kunst des Fältelns selbst bei. Später schaute er den schottischen Kiltschneidern über die Schulter. Etwa 200 Kilts hat er schon gefertigt, jeder ein handgenähtes Einzelstück. Aussergewöhnliche Männer können Aussergewöhnliches tragen, findet er.

Aussergewöhnliche Männer können Aussergewöhnliches tragen.»

Joachim Morgenthaler (51), Kiltmaker

Die Urform des Kilts ist nichts weiter als eine lange Stoffbahn. Um die great belted plaid anzulegen, muss sich Morgenthaler auf den Boden legen. Zwei Ledergürtel platziert er in Reichweite, die Decke unter sich. Ein paar Handbreiten vom Rand entfernt fängt er an, den Stoff in saubere Falten zu legen. Das braucht Übung und Geduld. Nach zwei Dritteln der Stoffbreite schnallt er die gefaltete Bahn mit dem ersten Gürtel fest. Jetzt kann Morgenthaler wieder aufstehen, einen guten Teil der fünf Meter langen Decke um sich drapiert. Nun schlägt er die Stoffbahn mehrere Male um, steckt den Zipfel fest, fixiert das Ganze mit dem zweiten Gürtel, wirft den Reststoff über die Schulter und angezogen ist er. Ein Kilt, echt highlandish aber auch aufwendig anzuziehen.

Kurz-Kilt in zehn Sekunden

In einer zweiten Phase rollt sich Morgenthaler in die Stoffbahn ein und schnallt sie sich mit einem ersten Gürtel am Körper fest.

Einen grossen Kilt tragen heute nur noch wenige. Die moderne Form des Rocks ist der kleine Kilt, an dem die Falten bereits eingenäht sind. Das etwa rechteckige Stück Stoff wird mit zwei Schnallen an der Seite geschlossen, ähnlich wie ein Jupe. Das Anziehen dauert zehn Sekunden.
Erfunden hat die moderne Ready-to-wear-Version des Kilts ein englischer Unternehmer ausgerechnet, die Schotten ärgert dies bis heute.
Was hierzulande ungewöhnlich daherkommt, hat im Ursprungsland die gleiche Wirkung wie hier ein Anzug. Auch wenn junge Schotten den Kilt als Lifestyle-Klamotte jüngst wiederentdeckt haben: In seiner Heimat ist der Kilt heute vor allem Festtagskleidung. Bei formellen Anlässen trägt ein Schotte meist einen Kilt mit dem Karomuster, schottisch Tartan, seines Clans.

Gross und klein kariert oder uni

Wieder auf den Beinen, schlägt er den Stoff mehrfach um und fixiert das Ganze mit einem zweiten Gürtel. Fertig. 

Etwa 8000 verschiedene Muster gibt es, jährlich kommen etwa 250 dazu. Auch einen Schweizer Tartan gibt es: Swiss Red ist ein rot-weisses Karo mit schmalen blauen Bändern. Wer sich nicht entscheiden kann, verzichtet auf Karos. Modische Kilts kommen unifarben oder in Leder daher. Wem der Kilt zu wenige Taschen hat, dem kann auch geholfen werden. Die Cargo-Hose unter den Kilts, der Worker Kilt, hat so viele Aussentaschen, dass sich mindestens ein Tagesgepäck darin unterbringen lässt.
Etwas weniger geräumig, dafür stilecht, ist der Sporran, eine Tasche, die sich der Kiltträger mit einem Gürtel um die Hüften schnallt. Und damit zur Frage: Was trägt man dazu? Eigentlich alles, lautet Morgenthalers Auskunft: Tweed-Jackett, Hemd oder Weste, Wollpulli oder T-Shirt. Und wer Halbschuhe oder Schnürstiefel wählt, macht auf jeden Fall nichts falsch. Weitere Accessoires sind die Kilt Pin, eine Nadel, die den Kilt am unteren Ende zusammenhält, damit er nicht auffliegt, Kniestrümpfe und eine Schärpe im gleichen Tartan. Zum traditionellen Outfit gehört auch ein kleiner Dolch, der Sgian Dubh. Rechtshänder tragen ihn in der rechten Socke.

Das Drunter ist Privatsache

Was ich drunter anziehe, geht niemanden etwas an!, sagt Morgenthaler, der sich schon mal über zudringliche Nachgucker ärgert. Und er gibt Neulingen gleich noch einen Tipp: Im Kilt mit gespreizten Beinen rumzusitzen sieht auch mit Unterwäsche blöde aus.

Basel Tattoo

10 Shows in neun Tagen

Das 12.Basel Tattoo bietet wie seine Vorgänger ein Weltklasse-Programm. 1000 Mitwirkende steigen vom Freitag, 21.Juli, bis Samstag, 29.Juli, zehn Mal in die Arena auf dem Kasernen-Areal. Die Shows beginnen jeweils um 21.30 Uhr, am Samstag, 22.Juli, zusätzlich um 17.30 Uhr. In Aktion zu sehen sein werden Bläser, Pfeifer, Tambouren, Sänger und Tänzer unter anderem aus den USA, Australien, Italien, Norwegen, Russland, Grossbritannien, Neuseeland, Frankreich, Kanada und natürlich der Schweiz.

Neben den Shows stehen zwei kostenlose Events auf dem Programm: am Samstag, 22.Juli, ab 14 Uhr die Parade in der Innenstadt und am Samstag, 29.Juli, von 14 bis 16 Uhr der Kindertag auf dem Kasernen-Areal. Coop ist auch dieses Jahr als Hauptsponsor mit dabei.
Tickets für die Shows gibts zum Preis von 49 bis 160 Franken (Kinderermässigungen) im Basel Tattoo Shop an der Schneidergasse 27 unter Tel. 0612661000, per Mail bei shop@baseltattoo.ch oder im Internet unter: www.baseltattoo.ch