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Kunst am Baum

Der Basler Johann Wanner ist der Experte für Weihnachtsdekorationen schlechthin. Weltweit. Wir haben dem Fachmann für Christbaum-Kunst bei der Arbeit über die Schulter geschaut.

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Heiner H. Schmitt, ZVG
18. Dezember 2017

Eine Art Weihnachtsmann: Johann Wanner in seinem Geschäft für Weihnachtsschmuck in Basel.


Dekoration

Von verspielt bis üppig: Geht nicht gibts nicht an Weihnachten.

Das mag er gar nicht, der Johann Wanner (78): Wenn jemand Weihnachtskugeln an den Baum hängt. Nicht dass er sich am Akt stören würde, warum auch? Schliesslich verdient er seit über 50 Jahren mit Weihnachtsschmuck seinen Lebensunterhalt. Und das sehr erfolgreich. Nein, Wanner stört sich an der Formulierung. Wir hängen keine Kugeln an den Tannenbaum, wir schmücken den Baum oder wir dekorieren ihn, präzisiert er. Wanner ist weltweit bekannt als Weihnachtsbaum-Schmücker. Nach seinen Ideen haben schon die Queen von England und der Papst in Rom ihre Weihnachtsbäume mit Kugeln behä also: dekorieren lassen.

An diesem Nachmittag ist Wanner mit dem Weihnachtsbaum im Basler Hotel Teufelhof beschäftigt. Eine grosse grüne Kugel hier, ein Stern dort. Der Baum soll am Schluss harmonisch wirken, erklärt der Fachmann. Wanner dekoriert den Baum mit gleichem Engagement, wie wenn es sich um den Baum des Fürsten von Liechtenstein handeln würde. Das Beispiel ist nicht zufällig gewählt. Auch im Palais Liechtenstein in Wien steht dieses Jahr ein Baum, der nach Wanners Ideen geschmückt ist. Der Baum muss in die Zeit und zum Ort passen, wo er steht. Und zur Person, die ihn betrachten wird, erklärt er. Deshalb sei das Wichtigste am Baumschmücken die Musse. Damit ein Baum schön wird, braucht es in erster Linie Zeit, sagt Wanner. Die erst gibt die nötige Ruhe fürs Schmücken. Immer wieder macht er einen Schritt zurück und beurteilt den Baum aus der Distanz. Und dann kommt er ins Philosophieren: Das lässt sich im Übrigen auf das ganze Leben anwenden. Zwischendurch muss man einen Schritt zurück machen und alles mit etwas Abstand betrachten.

Auch das Licht muss richtig sein

Das tut auch Johann Wanner mit dem Christbaum im Hotel Teufelhof. Und er stellt fest: Der Baum ist perfekt. Die elektrischen Kerzen sind so platziert, dass die Kabel in den Ästen versteckt sind, die Kugeln und Sterne stehen in einem guten Verhältnis, kein Firlefanz, der auch gar nicht zum kunstvollen, modern-urbanen Ambiente des Hotels passen würde. Die Kerzen leuchten dezent mit rund 3000 Kelvin. Das ist die Masseinheit für die Helligkeit des Lichts. 3000 Kelvin würden als warmweiss empfunden und seien dem Licht von Wachskerzen sehr ähnlich, erklärt Wanner. Das Licht des Baums soll leuchten, nicht ins Auge stechen.

Womit wir bei den Kerzen wären, dem wohl wichtigsten Schmuck des heimischen Christbaums. Zentrale Frage hier: Kommen die Kerzen beim Schmücken als Erstes oder als Letztes auf die Äste? Klare Antwort des Meisters: Es kommt drauf an. Elektrische Kerzen muss man laut Wanner als Erstes anbringen. Dann sind die Äste noch frei, an denen man die Kabel festmachen kann, damit sie nicht wirr herumhängen. Wachskerzen hingegen kommen beim Schmücken als Letztes auf den Baum. Die platziert man so, dass sie nicht die Äste weiter oben in Brand stecken können.

Für meinen Baum brauche ich Zeit, ein Glas Wein und Musik.»

Johann Wanner (78), Fachgeschäft für Weihnachtsschmuck

Teurer, aber besser

Und dann ist da noch die Sache mit der Qualität der Kerzen. Wir verwenden nur Stearinkerzen, sagt Wanner. Nun muss man wissen: Stearin ist weder ein neuer Süssstoff noch eine Stadt in Ostdeutschland, sondern ein Wachs. Es wird aus Palmöl oder aus tierischem Fett gewonnen. Stearinkerzen russen nicht, tropfen nicht und brennen laut Wanner rund doppelt so lang wie konventionelle Paraffinkerzen. Und der Preis? Etwa das Dreifache, sagt Wanner. Qualität kostet eben. Man kann auch sagen, sie sind teuer, aber ihren Preis wert.

Historisch lässt sich die Verwendung eines geschmückten Baums nicht datieren. Es gibt ihn in Bräuchen verschiedener Kulturen, zumal der immergrüne Nadelbaum bei den meisten Völkern Lebenskraft symbolisiert. Mit Lichterfesten versuchten die Menschen schon früh, der Sonne um die Wintersonnenwende zu helfen, damit sie wieder wärmer strahlen möge. Die älteste schriftliche Erwähnung eines Weihnachtsbaums datiert aus dem Jahr 1527 in einer Akte der Mainzer Herrscher. So richtig populär wurde er im 18.Jahrhundert. Da Tannenbäume in Mitteleuropa um diese Zeit noch selten waren, konnten sich zunächst nur die wohlhabenden Schichten einen Christbaum leisten. Erst als ab der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts vermehrt Tannen- und Fichtenwälder angelegt wurden, konnten sich auch weniger Wohlhabende einen Weihnachtsbaum kaufen. Seinen endgültigen Siegeszug trat der Christbaum an, als er in evangelischen Kreisen ins Brauchtum übernommen wurde. Die katholische Kirche hatte lange Zeit der Weihnachtskrippe den grösseren Symbolgehalt beigemessen und übernahm den Weihnachtsbaum als Brauch erst mit der Zeit. Auf dem Petersplatz in Rom wurde 1982 erstmals ein Weihnachtsbaum aufgestellt.

Eine Metapher für das Leben

Der Fantasie werden beim Dekorieren auch an Weihnachten keine Grenzen gesetzt.

Auch wenn Johann Wanner an 365 Tagen im Jahr mit Weihnachten zu tun hat, das Besondere, das die Tage vor und am Heiligabend an sich haben, spürt auch er. Das Wichtigste dabei ist ihm der selber geschmückte Baum. Dabei wählt er weder den grössten noch den schönsten Tannenbaum: Ich suche immer den hässlichsten. Diesen zu schmücken, ihm damit eine Ehre erweisen und zu Schönheit verhelfen, das sei seine persönliche Herausforderung und seine Liebesbezeugung dem Baum gegenüber. Das ist vielleicht die soziale Ader in mir, sagt Wanner. Ein hässlicher Baum habe zeit seines Lebens gelitten unter seinen Nachbarn, die ihm nicht genügend Platz für seine Wurzeln liessen. Deswegen sei er klein und hässlich geblieben. Ihm mache ich eine Freude durch das Schmücken, und dann reden wir miteinander über das Leben.

Wanner zelebriert das Dekorieren des Baums, besonders in seinen eigenen vier Wänden: Ich brauche für meinen Baum Zeit, ein Glas Wein und gute Musik. Dann gelingt das Schmücken fast von alleine. Aus seinem Privatfundus holt er dann nicht nur die vertrauten, sorgfältig behandelten Kugeln. Auch Schmuck, den Klein Johann im Kindergarten selber gebastelt hat und der ergo über 70 Jahre alt ist, findet jedes Jahr wieder den Weg an den Christbaum. Ab dem zweiten Glas Wein beginnen die Dinge zu jubilieren, schmunzelt Wanner. Dann geniesse er die Momente der Erinnerung und denke über sein Leben nach. Es sind seltene Momente der Ruhe, die Wanner hierbei findet: Das mache ich ganz allein, da brauche ich niemanden um mich herum.

Termine

Dann feiert die Welt

16.Dezember
Die Philippinen feiern eine der weltweit längsten Weihnachtszeiten: Sie läuten das Fest ab dem 16.Dezember mit abendlichen Messen ein. Die Geschenke öffnen sie am 25.Dezember.

24.Dezember
Die Einwohner der Färöer-Inseln treibens noch üppiger als die Philippinos. Sie beginnen wie vielerorts am 24.Dezember, ziehen die Weihnachtsfeiern aber 21 Tage lang durch. Am 13.Januar tanzen sie zum Weihnachtskehraus.

24.Dezember
Father Christmas kommt in Grossbritannien und in den USA in der Nacht vom 24. auf den 25.Dezember mit dem Schlitten und lässt die Geschenke über den Schornstein in die Wohnzimmer plumpsen. Auspacken darf man sie aber erst am Morgen.

1.Januar
In Griechenland ziehen am 24.Dezember Kinder mit Trommeln und Glocken durch die Strassen, um den Segen für die Häuser zu erwirken. Dafür gibt es Geschenke. Die eigentlichen Weihnachtsgeschenke liegen dann am Morgen des 1.Januar vor ihren Betten.

6.Januar
In Italien und Spanien bringt nicht das Christkind die Geschenke. In Italien ist die Hexe Befana dafür zuständig, in Spanien sind es die Heiligen Drei Könige. Beidenorts aber nicht am 24.Dezember, sondern am 6.Januar. Brave Kinder erhalten Geschenke, die anderen ein Stück Kohle.

7.Januar
Weihnachten ist in Russland am 7.Januar, Heiligabend entsprechend am 6.Januar. Strenggläubige Russen beenden dann ihre 40-tägige Fastenzeit. Die Geschenke bringt Väterchen Frost vorbei. Auch er trägt einen weissen Rauschebart und einen roten oder blauen Mantel.

Dekotipps

In acht Schritten zum Christbaum

  1. Beginnen Sie bei der Spitze des Baumes mit einer klassischen Christbaumspitze oder einem Stern. Alternativ können Sie auch drei Kugeln an die Spitze hängen oder eine schöne Schleife.
  2. Achten Sie darauf: Grosse Bäume werden von oben nach unten geschmückt, kleine umgekehrt. Für beide gilt: den Baum von innen nach aussen schmücken.
  3. Wenn Sie eine Lichterkette verwenden, bringen sie diese als Erstes an. Lämpchen verteilen, Kabel an Ästen festmachen.
  4. Als Nächstes folgen die Kugeln. Die gros-sen Kugeln gehören nach unten, die kleineren nach oben, wobei kleine Ausnahmen die Spannung erhöhen. Die grössten Kugeln sollten Sie möglichst nahe am Stamm anbringen. Aber: Haben Sie Mut zu wirklich grossen Kugeln. 12 oder 14 Zentimeter Durchmesser dürfen es ruhig sein. Eine Wolldecke am Boden rettet die eine oder andere Kugel, die beim Dekorieren herunterfällt.
  5. Die Farbzusammenstellung ist Geschmackssache. Ein kunterbunter Baum ist schön, ein zweifarbiger edel, und ein einfarbiger designt. Eigentlich reichen zwei Farben, verwenden Sie aber nicht mehr als drei. Ein Farbton sollte immer dominieren. Das ideale Verhältnis bei zwei Farben ist 65:35, bei drei Farben 55:30:15.
  6. Die kleineren Objekte am Baum sortieren Sie nach Gewicht. Die schweren kommen nach innen, die leichteren nach aussen. Auf keinen Fall sollen sich die Zweige nach unten biegen.
  7. Nun kommen noch die Schleifen, Lametta oder Engelshaar an den Baum.
  8. Als Letztes werden die Wachskerzen platziert, und zwar so, dass sie keine darüberliegenden Zweige oder Dekorationen entzünden können. Ziehen Sie Stearinkerzen den Paraffinkerzen vor. Bei Bienenwachskerzen achten Sie darauf, dass der Anteil an Bienenwachs hoch ist.

Quelle: Johann Wanner, Der schönste Baum von allen. Die besten Tipps zum Schmücken des Weihnachtsbaums, Herder-Verlag.

Interview

Oft herrscht an Weihnachten ein dichtes Programm. Die Erwartungen sind hoch, und eigene Bedürfnisse muss man zurückstecken, sagt Maya Onken. Das kann nicht jeder gleich gut.

Was kann man tun, um dem Weihnachtsstress vorzubeugen?
Erstens, unternehmen Sie auch in dieser Zeit Sachen, die Ihnen guttun zum Beispiel Sport treiben und lassen Sie sich die Termine nicht zu sehr von aussen diktieren. Mein zweiter Tipp: Haben Sie den Mut, Dinge liegen zu lassen.

Die Seele wärmen»

Maya Onken (49), Germanistin, Coach, Dozentin, Buchautorin

Welche Traditionen soll man einhalten? Geschenke, Kirchgang, Fondue chinoise?
Behalten soll man alles, was einem guttut, was die Seele wärmt. Liebe kann man zeigen in Form von Geschenken, einer Umarmung oder gemeinsamer Zeit. Wenn also in die Kirche gehen oder Schmücken des Baumes in diese Kategorie fällt, dann soll die Tradition erhalten werden, ansonsten lieber etwas zusammen machen, was Freude bereitet.

Überraschungs- oder Wunschgeschenk?
Da rate ich, kundzutun, was man sich wünscht. Es ist ein Irrtum zu glauben, der andere wisse das. Im Übrigen ist es nicht unromantisch, wenn man weiss, was man geschenkt bekommt.

Grüsse per SMS oder WhatsApp?
Heute macht man das offenbar. Das ist die unpersönliche, schnelle Methode. Um Herzen zu berühren, braucht es mehr: eine Bemühung wie eine Karte, eine Stimme oder ein Treffen.

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