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Das Polo-Shirt ist wieder da!

Comeback eines Klassikers: Man(n) trägt wieder Polo – dabei sind knallige Farben, wilde Muster oder verschiedene Stoffe erlaubt. Doch wer hats erfunden? Und wie trägt man es richtig?

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Tobias Dürring, Getty Images
06. August 2018

Als erster Spieler, der den Grand Slam gewann, war Fred Perry eine Tennis-Legende. Aber der Englän-der hatte auch ein Gefühl für Mode. Denn er schuf einen zeitlosen Polo-Klassiker. Bequem, sportlich und immer gut angezogen: das Polo-Shirt (hier: von Naturaline).


Angestaubt, langweilig, bünzlig – vor ein paar Jahren war das Polo-Shirt für viele modebewusste Männer verpönt. Einige monierten, es wäre nur etwas für Kerle, die sich nicht zwischen Hemd und T-Shirt entscheiden könnten. Andere nervten sich an Typen, die besonders cool wirken wollten und dazu den Kragen ihres Polos nach oben klappten. Auch wenn es «offiziell» aus der Mode kam: Das Polo-Shirt war nie weg. Viele Männer schätzen es als zugleich edles und bequemes Kleidungsstück, das zu Jeans oder Chinos passt. So gehört eines in Schwarz, Navy-Blau und Weiss zur Grundausstattung jedes Mannes, der lässig, aber nicht zu locker daherkommen möchte.

Jetzt taucht das Polo-Shirt wieder auf den Catwalks der Designer auf – nicht nur bei den Männern. Maxi-Polo-Kleider, Polo-Shirts mit Schösschen und Ledereinsätzen,  Polo-Blusen im Batikmuster – auch die Damenwelt ist im Polo-Fieber.  

Aus Indien nach Europa

Als eigentlicher Erfinder des Polo-Shirts gilt René Lacoste (1904–1996). Der Tennis-Spieler, der in den 1920er-Jahren regelmässig Major-Turniere wie Wimbledon, Paris und die US Open gewann, hatte genug von langärmeligen Hemden und unbequemen Sakkos, in denen die Männer damals auf dem Platz stehen mussten. Er schaute sich in anderen Sportarten um und wurde bei den Polo-Spielern fündig. Er adaptierte das dort verwendete Hemd aus festem Baumwollstoff, das britische Soldaten Ende des 19. Jahrhunderts mitsamt dem Polo-Sport aus Indien mitgebracht hatten. Und passte es seinen Vorstellungen an. Der Franzose kürzte die langen Ärmel ein, trennte sich von der durchgehenden Knopfleiste und wählte einen leichteren Piqué-Stoff aus.

Was zuerst für den persönlichen Gebrauch gedacht war, entwickelte sich zum Renner. Die Tennis-Sportler rissen sich um das neue Stück. Und Lacoste witterte seine Chance, gründete 1933 eine Firma und begann, «sein» Polo-Shirt herzustellen. Als Logo prangte ein kleines aufgenähtes Krokodil auf der Brust – das Markenzeichen von René Lacoste, der in der Tennis-Szene nur «Le Crocodil» genannt wurde. Gerüchteweise nach einer verlorenen Wette, bei der ein Koffer aus Krokoleder als Einsatz fungierte. Er erklärte kurzerhand: «Das Krokodil spiegelt meinen Kampfgeist wider: Niemals die Beute hergeben!» Lacoste hatte Erfolg: Bereits 1939 verkaufte er jährlich 300 000 Polo-Shirts, damals eine ungeheure Menge.

Unfreiwillig aus der Sportecke heraus brachte das Polo-Hemd aber eine andere Tennis-Legende: Fred Perry (1909–1995) hatte sich in den 1930er-Jahren aus der britischen Working Class in die Top-Elite des Tennissports gekämpft: Zum ersten Mal gewann «ein dreckiges Arbeiterkind» – wie sich Perry einmal selbst bezeichnet haben soll – die Wimbledon-Championships. Und das gleich dreimal in Folge.


Als Fred Perry seine Karriere als aktiver Sportler aufgab, wurde er erst spät Modeschöpfer. Seine Version des Polo-Shirts kam 1952 auf den Markt – ohne Krokodil, dafür mit eingesticktem Lorbeerkranz, der an die Wimbledonsiege Perrys erinnern sollte. Übrigens war ursprünglich eine Zigarre als Logo geplant.

Weil die farbigen, etwas enger geschnittenen Perry-Polo-Shirts in den gleichen Läden angeboten wurden, in denen sich die «Mods» ihre Hemden und Anzüge besorgten, wurden diese auf sie aufmerksam. Und kauften sie. Die «Mods» waren eine Jugendbewegung, die sich in den 1950er- Jahren in Londoner Jazz- und Soul-Clubs bildete. Da die jungen Leute als Gegenpol zu den «Rockern» Wert auf ein gepflegtes Äusseres und Mode legten, waren Polohemden in der Fashion-Welt angekommen. Denn mit den coolen Shirts konnte man die Nächte durchfeiern und sah am nächsten Morgen trotzdem frisch und unverknittert aus. Als urbritische Stilikone war das Lorbeerkranz-Polo nie ganz aus der Mode – weil es von Reggae-, Ska-, Punk-, Britpop- und Northern Soul-Anhängern, aber auch Fussballfans immer wieder neu entdeckt wurde. Auch rechtsradikale Neonazis in Deutschland bemächtigten sich eine Zeit lang des Fred-Perry-Polos – unwissend, dass Fred Perry im jüdischen Glauben erzogen worden war.

Anfang der 1970er-Jahre brachte dann der Amerikaner Ralph Lauren (78) seine Polo-Kollektion heraus. Vom Fleck weg begeisterten sich seine Landsleute und darauf die ganze Welt für die weiter und länger geschnittenen, knallig-bunten Shirts. Damit war das Polo endgültig als Lifestyle-Kleidungsstück im Mode-Mainstream angekommen.

   

Polo-Shirts bei Coop

Breite Auswahl an coolen MarkenIn grösseren Coop-City-Warenhäusern stehen Polo-Shirts in verschiedenen Ausführungen von Fashion-Labels zur Auswahl wie zum Beispiel von Pierre Cardin, Bugatti, Fynch Hatton, Levi's, Maerz, Naturaline, Basefield, Pepe Jeans, Pierre Cardin, Sergio, S.Oliver und New Zealand Auckland. Speziell im Basler Pfauen gibts Polo-Shirts von Lacoste, Gant, Tommy Hilfiger, Brax, Vanguard, Strellson und J. Lindeberg.

   

Achtung Fashion-Falle: Stylist Clifford Lilley (67) sagt, was geht und was nicht.

Kragen hochklappen oder nicht? Fashion-Experte Clifford Lilley erklärt, was man beim Kauf, aber auch beim Tragen eines Polos beachten sollte.Steckt man das Polo in die Hose oder trägt man es aussen?
Beides ist möglich. Wer es formeller haben möchte, steckt es in die Hose. Wer es casual mag, nicht. Der Casual-Look ist immer angesagter in den letzten Jahren.

Manche Polos haben ein längeres Rückenteil. Warum?
Wenn man es in die Hose steckt, hat man einfach mehr Spiel beim Bücken – das ist alles. Polos mit längerem Rückenteil steckt man immer in die Hose. Polos mit gleich langen Vorder- und Rückseiten trägt man eher lässig und steckt sie nicht in die Hosen.

Wie lang sollte ein Polo sein?
Beim Tragen sollte es vorne ein paar Zentimeter über den Hosenbund reichen, hinten höchstens zur Hälfte den Po bedecken.

Wie lange die Ärmel?
Die dürfen um Gottes Willen nicht bis zum Ellbogen gehen. Idealerweise sollten die Ärmel zur Hälfte den Bizeps bedecken. Der ist auch sexy anzuschauen!

Gehen riesige Logos?
Das ist trendy, trendy, trendy! Aber Achtung: Das kann nur machen, wer ein modisches Statement setzen will. Wer allerdings mit grossen Logos auch grosses Selbstbewusstsein hervorzaubern möchte, ist damit schlecht beraten. Dann lieber bescheidener auftreten.

Einfarbig oder gemustert?
Einfarbige Polos gehen immer, sie sind klassisch und chic. Im Sommer darfs auch bunter zugehen. Vieles ist möglich – ob Camouflage, Blumen, Streifen, Muster. Hier ist genau abzuwägen: Welche Farben und welcher Stil passen zu mir? Zu welchem Anlass bin ich unterwegs? Welche Hose trage ich darunter?

Slimfit oder casual fit?
In den letzten Jahren ist alles körperbetonter geworden. Sofern man Muckis hat, darf man sie auch zeigen – und taillierte Polos tragen. Aber Achtung: Etwas Bewegungsfreiheit sollte man sich bewahren. Wer die Muskeln nicht oder einen kleinen Bauchansatz hat, sollte eher zum klassisch geschnittenen Polo greifen. Aber auch hier darf es nicht wie ein Kartoffelsack aussehen!

Darf man ein Polo unter dem Sakko tragen?
Als Gentleman alter Schule sage ich: Unter ein Sakko gehört ein Langarm-Hemd, dessen Manschetten unter den Sakko-Ärmeln hervorschauen.

Piqué oder Jersey?
Da darf man nach Lust und Laune wählen. Generell gilt: Piqué-Stoff ist klassisch, aber auch sportlicher. Das Polo-Hemd aus Jersey scheint oft einen Tick eleganter.

Darf man ein Polo unter einem Pullover tragen?
Nein – dieser Look sieht nicht schön aus!

Kann man ein T-Shirt unter dem Polo tragen?
Das geht gar nicht! Ein Polo-Shirt trägt man direkt auf der Haut. Ein T-Shirt darunter macht den Look kaputt und ist kompositorisch ungut. Dichter Baumwollstoff unter dichtem Piqué-Stoff – das passt einfach nicht.

Nun die Frage aller Fragen: Darf man den Kragen hochstellen?
Wer das tut, hat für mich das Image eines Hochstaplers (lacht). Ich würde davon abraten und es nicht tun. Allenfalls aus praktischen Gründen, wenn es plötzlich windig ist oder die Sonne auf den Nacken knallt.

Eingerollte Kragen beim Polo sindein No-Go, oder?
Ja, das sieht halt nicht gut aus. Aber was ist eigentlich so schlimm dran? Wer also eingerollte Kragen mit einem gewissen Selbstbewusstsein trägt, dem kann man das verzeihen – schliesslich passiert das Einrollen jedem. Für mich würde ich allerdings Polos mit einem verstärkten Kragen wählen. Oder einfach immer den Kragen gut bügeln.

   

Pflege-Tipps: So bleibt das Polo lange in Form

  • Auf links waschen
  • Waschtemperatur von 30 oder höchstens 40 Grad einstellen
  • Feinwaschmittel verwenden
  • Wenn Sie etwas Weichspüler zufügen, bleibt das Polo geschmeidiger
  • Waschmaschinentrommel am besten nur zur Hälfte füllen, das vermindert zu viel Reibung
  • Möglichst auf Tumbler verzichten. Wenn Sie es trotzdem in den Tumbler stecken möchten, kaufen Sie das Shirt eine Grösse grösser als normal
  • Direkt nach dem Waschen etwas in die Länge ziehen
  • Am besten das Polo zum Trocknen auf den Wäscheständer legen. Beim Hängen besteht die Gefahr des Verziehens
  • Deodorants, die Aluminium enthalten, meiden; sie verfärben weisse Polos unter den Achseln gelb
  • Am besten von links und lauwarm bügeln, dann verliert das Polo nicht ihren Glanz. Auch den Kragen vorsichtig glätten, dann bleibt er besser in Form