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Frisches Grün

Es grünt und rankt wieder in unseren Wohnungen. Topfpflanzen haben jetzt Style-Faktor. Also her mit dem Gummibaum!

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Getty Images
12. März 2018

Plötzlich sind sie wieder da: Sogar Pflanzenmuffel entwickeln jetzt eine Liebesbeziehung zu Zimmerpflanzen.


Das Bad bietet ideale Bedingungen für Farne. Auch Orchideen mögen das feuchte Klima.

Der Gummibaum bis in die 1970er-Jahre stand er praktisch in jedem Wohnzimmer. Häufig traf man die Pflanze, ein einsames Dasein fristend, auch in trostlosen Treppenhäusern oder als vernachlässigtes Exemplar in Büros. Dann war der Klassiker unter den Zimmerpflanzen plötzlich out. Zum Clean-Chic-Wohnstil mit coolen Designmöbeln passte der grüne Staubfänger mit dem Prädikat spiessig so gar nicht mehr.

Hip statt bünzlig

Mit wucherndem Blattwerk (im Bild die grossblättrige Monstera) wirds dekorativ.

Jetzt ist der Gummibaum zurück aus der Verbannung. Und mit ihm auch andere, fast vergessen geglaubte Klassiker wie die Schwiegermutterzunge mit ihren steil nach oben gerichteten, schwertförmigen Blättern oder die grossblättrige Monstera. Man hat ihre dekorative Ausstrahlung wiederentdeckt. Die neue Liebe zu den Pflanzen schlägt sich in Hochglanz-Interior-Magazinen und auf sozialen Medienplattformen wie Pinterest und Instagram nieder. Dort sind Indoor-Pflanzen die Stars einer hippen Innenraumgestaltung. Die raffinierte Neu-Inszenierung von Gummibaum und Co. verführt sogar Pflanzenmuffel dazu, sich ein Stück Natur in die eigenen vier Wände zu holen.

Zu den meistverkauften Topfpflanzen in der Schweiz zählen die Orchideen. Insbesondere die Phalaenopsis ist sehr beliebt, sagt Marco Bertoli (49), Pflanzenfachman von Coop Bau+Hobby. Aktuell sehr populär sind auch grossblättrige Grünpflanzen und Sukkulenten. Ein kuratierter Dschungel aus unterschiedlichem Grün, kleinere Pflanzen in Grüppchen arrangiert, von der Decke hängende Pflanzentöpfe oder nur eine einzelne Statement-Pflanze eine Regel, wie viel Grün in einem Raum in Szene gesetzt werden soll, gibt es nicht. Grundsätzlich entscheiden der vorhandene Platz und der grüne Daumen des Besitzers, so Marco Bertoli. Kleine Pflanzen machen sich als Tischdekoration gut. Grosse Pflanzen eignen sich für leere Ecken oder als Raumtrenner. Mittelgrosse Pflanzen seien vielfältig einsetzbar. Zimmerpflanzen lassen sich auch gut miteinander kombinieren. Je vielfältiger Grösse, Form und Farbe, desto spannender das Arrangement.

Grüne Filter

Pflanzen wie der Gummibaum

Hauspflanzen sind mehr als nur ein nettes Wohnaccessoire. Sie tun uns richtig gut, denn sie verbessern das Raumklima, indem sie Kohlendioxid aufnehmen und Sauerstoff abgeben. Einige Pflanzen sind sogar in der Lage, die Konzentration von schädlichen Giftstoffen (Formaldehyd, Benzol, Trichlorethylen), die Möbel, Teppiche oder Wände an die Raumluft abgeben, auszufiltern. Die luftreinigende Wirkung belegen diverse Studien wie etwa die vor einigen Jahren durchgeführte Clean Air Study der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Besonders effektive luftreinigende Pflanzen sind beispielsweise Birkenfeige, Bogenhanf, Dieffenbachie, Einblatt, Efeu, Chrysantheme und Kentia-Palme. Die Nasa-Forscher empfehlen dabei mindestens eine Pflanze pro neun Quadratmeter Fläche.

Pflanzen gelten darüber hinaus auch als Stimmungsmacher. So wird der Monstera nachgesagt, dass sie die Kommunikation fördern und harmonisierend wirken soll. Wohl deshalb findet sich die grossblättrige Kletterpflanze häufig in Besprechungsräumen und Krankenhäusern. Efeu wiederum soll positiv stimmen und das Selbstvertrauen stärken. Während die Zimmerlinde als Schmusepflanze die Liebesfähigkeit aktivieren soll.

Sehr populär sind grossblättrige Grünpflanzen.»

Marco Bertoli, Pflanzenfachmann Coop Bau+Hobby

Jedem Raum seine Pflanze

oder die Schwiegermutterzunge können einem Raum eine völlig neue Wirkung geben.

Die meisten Pflanzen kommen zwar mit wenig Zuwendung aus. Trotzdem sollte man sich beim spontanen Kauf Gedanken über den Standort machen. Denn jeder Raum verfügt über andere Licht- und Temperaturverhältnisse. Farne beispielsweise lieben es feucht, daher bietet das Badzimmer meist ohne Fenster und mit einer hohen Luftfeuchtigkeit optimale Bedingungen für exotische Pflanzen wie eben Farne, Bromelien oder Orchideen. Im Wohnzimmer oft der grösste und hellste Raum fühlen sich besonders deckenhohe Pflanzen wie Ficus und Drachenbaum, der palmenähnliche Elefantenfuss sowie Palmengewächse wie die Kentia wohl, weil sie Wärme gut vertragen und lichtdurchflutete Räume lieben. Im Schlafzimmer sollten generell keine Blütenpflanzen platziert werden, da ihr Duft den Schlaf stören und Kopfschmerzen auslösen könnte. Dafür geeignet ist die duftneutrale Schwiegermutterzunge, auch weil sie sich in einer kühleren Umgebung wohlfühlt.

Frische Kräuter finden sich fast in jeder Küche. Da im Kochbereich raschwechselnde Temperaturen und eine erhöhte Luftzirkulation herrschen, sind hier zudem kleine, nicht schnell wachsende und unempfindliche Pflanzen geeignet. Etwa Sukkulenten, die das in der Küche von Töpfen geprägte Gesamtbild auflockern. Und noch ein Tipp für unbegabte Zimmergärtner: Die Zamioculcas (auch Glücksfeder genannt) ist eine pflegeleichte Pflanze, die wenig Licht braucht und lange Durststrecken aushält. Darum kann man sie getrost auch ins Treppenhaus stellen. Als Alternative zum Gummibaum, der jetzt als Trendpflanze in hippe Lofts eingezogen ist.

Eine grosse Auswahl an Grünpflanzen gibt es bei Coop Bau+Hobby.

Buchtipp: Wohnen Sie grüner!

Grüne Raumgestaltung

Pflanzen sind mehr als etwas Grün in den eigenen vier Wänden sie sind die Wohnaccessoires der Stunde.

Ulrike Herzog: Grüner wohnen. Im Handel oder für Fr. 36.40 plus Fr. 5.- Versandkosten hier bestellbar.

Monstera (Fensterblatt)

Blätter: gross, dunkelgrün glänzend mit tiefen Blatteinschneidungen
Grösse: kann mehrere Meter hoch klettern, braucht eine Rankenhilfe
Standort: hell, aber nicht vollsonnig verträgt auch einen dunkleren Standort im Zimmer,
Wasser: mässig giessen, vor allem im Winter eher sparsam
Hinweis: Blätter regelmässig mit einem feuchten Tuch abwischen, Pflegetücher für Zierpflanzen benutzen.

Drachenbaum (Dracaena)

Blätter: zweifarbiges Muster
Grösse: bis 100 cm
Standort: hell bis halbschattig
Wasser: im Winter sparsam und ab Frühling den Topfballen mässig feucht halten
Hinweis: regelmässig umtopfen in grössere Gefässe

Grünlilie (Chlorophytum)

Blätter: lang, grasartig, zum Teil mit weissen oder gelblichen Streifen
Grösse: bis 1,2 Meter lange Triebe
Standort: von hell-sonnig bis halbschattig
Wasser: mässig, wenn die Pflanze ausgetrocknet ist, hilft ein Wasserbad
Hinweis: Braune Blattspitzen sind ein Zeichen für zu trockene Luft

Kentia Palme (Howea)

Blätter: schmal, dunkelgrün gefiederte Wedel auf langen Stielen
Grösse: bis 3 Meter
Standort: halbschattig, keine dauerhafte direkte Sonneneinstrahlung, verträgt einen dunkleren Standort im Zimmer
Wasser: nur so viel, damit die Erde nicht austrocknet
Hinweis: optimal sind grosse hohe Töpfe

Schwiegermutterzunge (Bogenhanf, Sansevieria)

Blätter: dunkelgrün gefärbt, marmoriert, zungenförmig mit einer ausgeprägten Spitze
Grösse: bis 1 Meter
Standort: hell, mit viel Sonne
Wasser: im Winter alle vier Wochen, zu viel Wasser fördert Wurzelfäule
Hinweis: Die Pflanze enthält für Katzen, Hunde und andere Kleintiere giftige Stoffe.

Elefantenfuss (Beaucarnea)

Blätter: lang, dunkelgrün und hart, nach unten gebogen
Grösse: bis 150 Zentimeter
Standort: möglichst volle Sonne
Wasser: von Oktober bis März nahezu trocken halten, vor allem bei Überwinterung mit tiefen Temperaturen
Hinweis: Staunässe unbedingt vermeiden