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Nur ein Mal verreisen

Gemeinsame Ferien schweissen zusammen. Viele Familien können sich das jedoch nicht leisten auch die Meyers nicht. Wäre da nicht die Reka-Ferienhilfe.

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Heiner H. Schmitt
12. März 2018

Angelina, Martina, Jana, Michael und Tim Meyer konnten erst ein Mal gemeinsam in die Ferien fahren.


Langsam taut Jana auf. Bis eben noch sass die Fünfjährige schüchtern auf dem Schoss ihres Papas, das Gesicht in seine Brust vergraben. Aber dann erzählt sie doch noch ein bisschen von ihren ersten Ferien überhaupt, von den Geissli im Kleintierstall im Reka-Feriendorf in Urnäsch AR und vom Pferdereiten. Der achtjährige Tim ist zu vertieft in sein Comic-Buch, um viel zu berichten. Nur ab und zu ergänzt er seine Schwester, erzählt von den Hasen im Feriendorf oder vom Abend, als die Kinder Pommes frites essen durften. Und schwimmen waren wir jeden Abend, wisst ihr noch?, fragt Papa Michael Meyer (33).

Ferien für 200 Franken

Ein Schnappschuss aus dem Familienalbum: Tim, Angelina und Jana beim Spielen in Urnäsch.

Auch für ihn sind die Erinnerungen an Urnäsch speziell. Denn es ist Jahre her, dass seine Familie das letzte Mal gemeinsam in den Ferien war. Das Budget der fünf Entlebucher reicht nämlich nicht für Ferien. Als es erst Tim und die heute zwölfjährige Angelina gab, hatten Michaels Eltern die Meyers zweimal in die Ferien eingeladen. Seither liess das Portemonnaie keine Reise mehr zu.

Dass es letzten Sommer trotzdem klappte, haben die Meyers dem Tipp eines Nachbarn zu verdanken. Er hat selber fünf Kinder, erzählt Mama Martina Meyer (33). Er erklärte uns, dass er, als die Kinder noch klein waren, nur dank der Reka-Ferienhilfe verreisen konnte. Seit Mitte der 1950er-Jahre unterstützt die Schweizer Reisekasse (Reka) Familien mit kleinem Budget bei der Verwirklichung ihrer Ferienträume. Unser Nachbar riet uns mehrmals, auch eine Bewerbung einzuschicken. Das haben wir letztes Jahr endlich getan.

So konnten die Meyers vergangenen Sommer für einen kleinen Unkostenbeitrag von 200 Franken nach Urnäsch fahren. Ohne die Unterstützung der Reka hätten wir das nicht machen können, sagt Vater Michael. Wir haben uns auch dieses Jahr hingesetzt und gerechnet, ob Ferien drin liegen keine Chance. Nächstes Jahr möchte sich die fünfköpfige Familie aus Wolhusen LU deshalb wieder bei der Reka-Ferienhilfe bewerben, wie der Gartenbauer erzählt. Denn der gemeinsame Urlaub hat gut- getan und alle zwei Jahre darf man ein Gesuch einreichen.

2017 gingen 1600 solche Gesuche bei der Reka ein, doch nicht alle erfüllten die Bedingungen (siehe Kasten rechts). Schliesslich kamen 1002 Familien mit geringem Einkommen in den Genuss einer Ferienwoche für 200 Franken. Heuer stehen wieder 1000 Plätze zur Verfügung. Verena Buschle (59), Leiterin der Reka-Ferienhilfe, hat einen Rat für interessierte Familien: Die Gesuche werden nach Eingang kontrolliert, die Ferien fortlaufend zugeteilt. Eine frühzeitige Anmeldung ist darum wichtig.

Finanziert wird die Reka-Ferienhilfe, die vergangenes Jahr rund 2,1 Millionen kostete, zu etwa einem Viertel aus Spenden. Der Rest stammt aus Gewinnen der Reka. Wer die Coop-Supercard hat, kann in allen grösseren Coop-Supermärkten Reka-Checks mit drei Prozent Rabatt kaufen und so nicht nur selber profitieren, sondern auch die Aktion Ferien für 200 Franken und somit Familien wie die Meyers unterstützen.

Diese hatten zwar etwas Pech mit ihrem ursprünglich als Wanderferien angedachten Aufenthalt. Es hat die ganze Woche praktisch ununterbrochen geregnet ausser am Tag unserer Abreise, erinnert sich Martina, die als Leiterin des Muki-Turnens und Tagesmutter arbeitet sowie manchmal auf Auftrag Näharbeiten erledigt. Und trotzdem ist sich die fünfköpfige Familie einig: Die Ferien haben gutgetan.

Reka-Ferienhilfe

Das sind die Voraussetzungen im Jahr 2018

  • Familien und Alleinerziehende mit mindestens einem Kind bis 16 Jahre;
  • Familien, die im Jahr 2017 keine Reka-Ferienhilfe erhalten haben;
  • Schweizer Bürger oder Ausländer mit Ausweis C (Niederlassung);
  • maximales Jahreseinkommen (Nettolohn) 60000 Franken (Zweielternfamilien, 50000 Franken (Alleinerziehende); ab dem zweiten Kind erhöht sich der Betrag um 5000 Franken pro Kind.
  • Vermögenswerte werden mitberücksichtigt.
  • Das Angebot gilt nicht für Studierende;
  • Familien, die die Bedingungen erfüllen, bewerben sich mit dem Talon auf Seite 111. Wer eine Familie kennt, die sich keine Ferien leisten kann, darf das Angebot weiterempfehlen.
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