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Ratgeber: Einbruch mit Folgen

Die Katze des Nachbarn ruiniert den guten Teppich. Wer haftet für den Schaden?

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Illustration: Jens Bonnke
05. März 2018

Lieber Herr Walder

Ich habe ein delikates Problem: Vergangene Woche ist die Katze unseres Nachbarn bei uns in die Wohnung eingestiegen und hat ein grosses Geschäft auf unserem doch nicht ganz billigen Teppich hinterlassen. Wer haftet für den entstandenen Schaden? Meine Haftpflichtversicherung oder doch der Halter der Katze?

Sandro B., Zürich

Daniel U. Walder, Rechtsanwalt

Lieber Herr B.

Wirklich mühsam. Sie werden alles umherschieben müssen, nur um den Teppich für die Reinigung rauszukriegen. Bevor Sie den Nachbarn mit der juristischen Keule drohen, sollten Sie versuchen, mit ihnen zu reden. Vielleicht haben die ja ein Einsehen und es braucht keine juristischen Argumente. Denn die Erfahrung zeigt: Das formale Pochen auf ein Recht oder die Erwähnung des Rechtsanwaltes kann zu einer Abwehrhaltung oder gar Blockade führen.

Falls trotzdem juristisch argumentiert werden soll, gilt es zuerst zu klären, wie es dazu, also quasi zur Tat, kommen konnte. Denn wenn Ihre Nachbarn als Tierhalter nachweisen können, dass sie ihre notwendige Sorgfalt, hier zum Beispiel bei der Beaufsichtigung der Katze, angewendet haben, haften sie nicht.

Soweit es um ein Büsi geht, das tagsüber üblicherweise draussen unterwegs ist, haben die Nachbarn juristisch gute Chancen, davonzukommen, ohne etwas zu bezahlen. Denn eine solche Katze kann und muss nicht beaufsichtigt werden.

Anders sieht es aus, wenn eine Hauskatze abhauen konnte und etwa über den Balkon zu Ihrem Fenster gelangt ist. Dann hätten Ihre Nachbarn auf ihren Stubentiger wohl nicht genügend aufgepasst.
Sie selbst müssten sich aber ein gewisses Mitverschulden anrechnen lassen, da Ihr Fenster offen stand. Und Mitverschulden bedeutet immer, dass Sie weniger kriegen.

Abschliessend muss ich mich noch mit dem Hinweis auf die notwendige Beweisbarkeit unbeliebt machen: Es nützt Ihnen nichts, wenn Sie einfach wissen, dass es die Katze des Nachbarn war. Wenn das Tierchen nach der Tat nicht mehr raus kann, ist der Fall klar. Prekär wird es aber, wenn es schon weg ist.

Um einen juristisch tauglichen Beweis zu führen, müsste das Geschäft der Katze wissenschaftlich analysiert werden. Das lohnt sich ökonomisch klar nicht. Schlucken Sie also Ihren Ärger runter und versuchen Sie es mit Engelszungen beim Nachbarn. Und schliessen Sie das Fenster.

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