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Ratgeber: Kaputt gereinigt wer erhält recht?

Das teure Kleidungsstück ist dahin. Es hätte sich gelohnt, das Kleid vor der Reinigung genau anzuschauen.

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Illustration: Jens Bonnke
02. April 2018

Sehr geehrter Herr Walder

Letzte Woche holte ich in der Reinigung mein teures Seidenkleid ab und stellte fest, dass es plötzlich ein Loch hat. Der Geschäftsführer behauptet, dass das vorher schon da war. Was kann ich tun?

Ricarda B., Basel

Daniel U. Walder, Rechtsanwalt

Liebe Frau B.

Ich kann Ihren Ärger sehr gut verstehen. Wenn Ihnen ein Kleidungsstück am Herzen liegt oder es besonders teuer war, sollten Sie darauf bestehen, dass es bei der Annahme in der Reinigung genau angeschaut wird. Bei heiklen oder wertvollen Teilen sollte die Reinigungsfirma im eigenen Interesse eine sorgfältige Prüfung vornehmen. Damit liessen sich nämlich solcherlei Diskussionen vermeiden.

Nun ist es aber einmal passiert und Sie lassen sich ungerne unterstellen, extra ein beschädigtes Kleid in die Reinigung gebracht zu haben, um nachher kassieren zu können.

Ist die Reinigung versichert?
Allerdings dürfte es ein Beweisproblem geben. Sie können wahrscheinlich nicht belegen, dass das Loch vorher nicht da war und es folglich im Rahmen des Reinigungsprozesses entstanden sein muss. Immerhin können Sie aber anführen, dass die Reinigungsfirma das exklusive Kleid bei der Einlieferung genauer hätte prüfen müssen. Dabei wäre das Loch entdeckt worden, hätte es dieses schon gegeben.

Mit dieser Argumentation ist allenfalls etwas zu erreichen. Vielleicht ist die Reinigung auch gegen solche Fälle versichert. Diese Frage sollten Sie übrigens bei der Abgabe teurer Stücke im eigenen Interesse stets vorgängig klären. Ein Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, in denen solche Fragen oft beantwortet werden, schadet jedenfalls nicht.

Und wenn auf diesem Weg keine Lösung gefunden werden kann? Der Gang an ein Gericht lohnt sich in den meisten Fällen kaum. Sie können aber versuchen, über die Ombudsstelle Textil PSE, die paritätische Schadenerledigungsstelle des Verbands Textilpflege Schweiz (www.textilpflege.ch) etwas zu erreichen. Gemäss der Ombudsstelle lässt sich immerhin ein Drittel der von ihr untersuchten Schadensfälle auf eine unsachgemässe Behandlung durch den Textilpflegebetrieb zurückführen. Mit dem Gang an die staatlichen Gerichte wären Sie angesichts der Beweisrisiken wohl kaum erfolgreicher, sicherlich aber teurer unterwegs.

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