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«Wir sind ein Bindeglied»

Für Sportkoordinatorin Sonja Kurth gibt es kein Rezept, wie man Menschen zum Sporttreiben motivieren kann. «Aber wir können Angebote schaffen.»

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Alamy Stock Photo
15. April 2019

 Mit ihrer Turnstunde sammelten die Sportlerinnen und Sportler aus Zweisimmen 2018 viele Bewegungsminuten.

Das «Coop Gemeinde Duell von schweiz.bewegt» ist einer der grössten Bewegungsanlässe der Schweiz. Die Idee dabei ist, dass sich möglichst viele Leute gleichzeitig bewegen und neue Sportarten entdecken. Der Spass an der Bewegung steht dabei im Vordergrund. Im letzten Jahr hat die Berner Oberländer Gemeinde Zweisimmen (bei der ersten Teilnahme) in der Kategorie 2001 bis 6000 Einwohner am meisten Bewegungsminuten gesammelt und ist somit Titelverteidiger. Mitverantwortlich dafür war die Gemeinde-Sportkoordinatorin Sonja Kurth (51).

Sportkoordinatorin Gemeinde Zweisimmen

Sonja Kurth (51)

«Es gibt viele Menschen, die Hemmungen haben.»

Sonja Kurth, was macht eine Sportkoordinatorin?
Die Grundidee ist, in den Gemeinden ein lokales Bewegungs- und Sportangebot aufzubauen. Wir sind ein Bindeglied zwischen der Bevölkerung, den Schulen, bestehenden Sportvereinen und den Behörden.

Ist das eine Vollzeitstelle?
Nein! Meine Tätigkeit als Sportkoordinatorin beschränkt sich auf 15 bis 25 Prozent. Bei einer 3000-Seelen-Gemeinde wie Zweisimmen wäre eine 100-Prozent-Stelle total übertrieben. 

Und wie handhaben dies die grösseren Städte?
Dort sind die Sportkoordinatoren den Sportämtern angegliedert und auch verantwortlich für den Unterhalt der ganzen Infrastruktur und deren Koordination, wie zum Beispiel die Einteilung der Belegungspläne der Sporthallen.

Gibt es dafür eine Ausbildung?
Ja, das Bundesamt für Sport in Magglingen bietet einen rund einjährigen Lehrgang an. Dieser beinhaltet vier bis fünf Module und eine Abschlussarbeit.   

Muss man selber eine Sportskanone sein?
Ich sage mal: Sportlich affin, ja! Sportskanone, nein! 90 Prozent meiner Arbeit erledige ich am Bürotisch.

Im letzten Jahr haben Sie mit Zweisimmen zum ersten Mal beim «Coop Gemeindeduell von schweiz.bewegt» mitgemacht und auf Anhieb gewonnen – also in Ihrer Kategorie am meisten Bewegungsminuten gesammelt. Wie haben Sie das geschafft? Sind die Zweisimmer besonders sportlich?
Geholfen hat sicher, dass wir den Turnverein, den Fussballclub und die Bike-Gruppe mit im Organisationskomitee hatten und wir vom Eishockeyclub unterstützt wurden. Also alles grössere Vereine. 

Das kann aber nicht das ganze Geheimnis sein.
Wir hatten Glück, dass zeitgleich die Gewerbeausstellung stattfand. Also hielten wir unsere Turnstunde direkt auf dem Platz daneben ab. Irgendwie zog das die Menschen an – wie bei einem Flashmob. Am Schluss turnte das halbe Dorf mit.

Gibt es ein Rezept, wie man Menschen motiviert, Sport zu treiben?
Leider nein! Wir können lediglich Angebote schaffen. Meine Erfahrung zeigt, dass es viele Menschen gibt, die Hemmungen haben, Sport zu treiben.

Warum?
Weil sie das Gefühl haben, nicht so leistungsfähig wie andere zu sein. Da hilft es, wenn wir Sportveranstaltungen ohne jegliche Ranglisten oder Bewertungskriterien schaffen. Vereinsunabhängige Angebote ohne Zeitmessung. Zum Beispiel eine Wandernacht, einen Loipentreff oder eine Laufserie. 

Welchen Sport treiben Sie selber?
Langlauf, Joggen und Schwimmen.

Infos zum Wettbewerb und zu den Gemeinden finden Sie hier

Ein sportliches Duell

Die Schweiz in Bewegung

Wer beim «Coop Gemeinde Duell von schweiz.bewegt» mitmacht, kann gratis Sportarten ausprobieren und die eigene Gemeinde im Wettbewerb nach vorn bringen. Die Bewegungsminuten aller Aktiven einer Gemeinde werden gesammelt. Seit 2018 geht dies auch per Smartphone-App, unabhängig vom Programm der Gemeinde. So hat jeder eine Chance, beim Bewegungsfest dabei zu sein.