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Symbol der Hoffnung

Der Ginkgobaum – er steht symbolisch für ein langes Leben, auch Heilkräfte werden ihm nachgesagt. Goethe verfasste gar ein Gedicht über sein zweiteiliges Blattwerk.

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Getty Images
04. März 2019

In der chinesischen Philosophie steht die zweiteilige Blattform für Yin (Sanftheit) und Yang (Lebenskraft).

Der Ginkgo (lateinisch: Ginkgo biloba) ist ein Baum voller Besonderheiten und botanisch eine Rarität: Er sieht zwar aus wie ein Laubbaum, gehört jedoch zu den Nadelhölzern. Seine Wurzeln reichen weit in die Naturgeschichte zurück. Die Wissenschaft schätzt, dass Urahnen des Ginkgos schon vor mehr als 200 Millionen Jahren – bevor die Saurier lebten – grossflächig die Erde bedeckten. Er gilt daher als «lebendes Fossil» und als eine der ältesten Baumarten der Welt.

Eine weitere Eigenheit des Baumes, der bis zu 2000 Jahre alt werden kann und ursprünglich aus China stammt: Er ist zweigeschlechtlich. Das heisst, es gibt männliche und weibliche Bäume. Solange der Ginkgo aber noch nicht geschlechtsreif ist – es dauert Jahrzehnte, bis es so weit ist – lässt sich nicht feststellen, ob es sich um eine männliche oder weibliche Pflanze handelt.

Hiroshima überlebt

Der Baum, der bis zu 40 Meter hoch werden kann, ist extrem robust. Angeblich trotzte er sogar der Atombombe, die 1945 in Hiroshima (Japan) alles dem Erdboden gleichgemacht hatte. Nach der Katastrophe wollte nichts mehr gedeihen. Doch das erste Grün, das im Folgejahr wieder austrieb, soll von einem Ginkgo gewesen sein. Die Ginkgobäume schienen als Einzige die radioaktive Kontamination überstanden zu haben. Den Japanern erschien dies wie ein Wunder und Zeichen der Wiedergeburt.

Japaner und Chinesen verehren den Baum wegen seiner Wunderverheissung und erbitten unter ihm die Erfüllung ihrer Wünsche. Der Ginkgo ist Symbol für Hoffnung, Fruchtbarkeit, Unbesiegbarkeit und langes Leben. Er wird auch als Tempelbaum (häufig steht er in der Nähe solcher Heiligtümer) bezeichnet, als Elefantenohr- oder Entenfussbaum (in Anspielung auf seine Blattform) und als Glücksbaum. Sogar als Goethebaum kennt man ihn: Der Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) hatte 1815 für seine späte Liebe Marianne von Willemer das Gedicht «Ginkgo biloba» geschrieben, in dem er das fächerartige Blatt als Sinnbild für Liebe und Freundschaft darstellt: «Ist es ein lebendig Wesen, das sich in sich selbst getrennt? Sind es zwei, die sich erlesen, dass man sie als eines kennt?».

Eine lange Tradition hat der Ginkgo in der chinesischen Volksmedizin als Heilmittel. Seit Jahrhunderten werden die ledrigen Blätter, die Samen ebenso wie die Rinde als brauchbare Mittel zur Stärkung von Herz und Lunge verwendet sowie zur Behandlung von Asthma, Blasen- und Nierenproblemen, Schleimhautentzündungen oder Kopfschmerzen eingesetzt. Seit einigen Jahrzehnten nutzt man die Inhaltsstoffe der Blätter auch in Europa für Heilzwecke. Der durchblutungsfördernd und vitalisierend wirkende Ginkgo-Extrakt soll bei Konzentrationsstörungen und Gedächtnisschwäche ebenso helfen wie gegen Akne und Entzündungen. Auch Tinnitus und Schwindelgefühle sollen mit den Wirkstoffen des Ginkgos gemildert werden. Die Blätter enthalten zudem eine hohe Konzentration an antioxidativen Aktivstoffen, die als Anti-Aging-Waffe gegen freie Radikale schützen sollen.

Ginkgo gibt es in Form von Dragees, Pulver, Tropfen oder Cremes. Wichtig: Vor der Einnahme von Tabletten und Co. unbedingt Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker halten, um allfällige Nebenwirkungen auszuschliessen.