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Handwerk: Accessoire für kalte Tage

Handschuhe haben in der kalten Saison ihren grossen Auftritt. Wie sich die Handwärmer zum stilvollen Modeobjekt gemausert haben und wann man welches Modell trägt ein kleiner Stilguide.

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FOTOS
Alamy, Getty Images
02. Januar 2017

Handschuhe aus Leder sollten möglichst Hauteng gekauft werden, denn das Material weitet sich.


Schmeichler

Designer Karl Lagerfeld legt sie scheinbar niemals ab, Audrey Hepburn verhalfen sie zu mehr Glamour in Breakfast at Tiffanys, und Friedrich Schiller widmete ihnen sogar eine seiner Balladen. Handschuhe sind, egal, ob aus edlem Leder, Strick oder Funktionsmaterialien, im Winter unsere ständigen Begleiter. Heute aber müssen sie einiges mehr können als nur hübsch aussehen: Atmungsaktivität, wasserabweisende Materialien, Touchscreen-Kompatibilität oder eine eingebaute Heizung sind nur einige der Ansprüche, die wir heute an Handschuhe haben. Doch das bisweilen unterschätzte Accessoire kann auf eine lange Geschichte zurückblicken.

Wussten Sie, dass es zu den ältesten Kleidungsstücken überhaupt gehört? Bereits die Urvölker schützten ihre Hände vor Kälte, Schmutz und Verletzungen mit ledernen sackartigen Fellgebilden, die durch Knochenspangen zusammengehalten wurden. Aber auch im alten Ägypten schützte man bereits seine Hände. Beispielsweise vor heissen Speisen, da der Gebrauch von Besteck noch in ferner Zukunft lag. Aber schon damals war der Handschutz gleichzeitig Statussymbol, das Auskunft darüber gab, wer man war. So fand man im Grab des bedeutenden Pharaos Tutanchamun ganze 27 Paar Handschuhe.

Nackte Hände? Nie!

Ab dem Mittelalter waren die Accessoires als Symbol von Macht und Herkunft bekannt deswegen war das Tragen auch lange Zeit reine Männersache: Bischöfe trugen edle mit Goldfäden durchwirkte Modelle, Könige verschickten ihren rechten Handschuh, um damit ihren Schutz zu bezeugen, während ein vor die Füsse geworfenes Exemplar die Herausforderung zu einem Duell bedeutete. Etwa ab dem 13.Jahrhundert durfte sich dann auch die adlige Damenwelt mit dem hübschen Requisit schmücken, die Modelle waren teils so kunstvoll bestickt, dass sie überaus wertvoll waren. Wurde so ein Bijou einem Ritter überreicht, galt das als Liebesbeweis.

Im 17. Jahrhundert kamen die eleganten Glacehandschuhe aus dünnem Lamm- oder Ziegenleder auf, die bei Damen bis zum Ellbogen reichten, um zu zeigen, dass ihnen körperliche Arbeit fremd war. Der symbolische Charakter, der Handschuhe innewohnte, erreichte im 19.Jahrhundert seinen Höhepunkt, als es sich für Männer und Frauen schickte, mehrmals täglich die Handschuhe zu wechseln, um sie dem Anlass anzupassen. Für Damen war es während dieser Zeit zudem unschicklich, in der Öffentlichkeit nackte Hände zu zeigen.

Vom Schmuck zur Technologie

Als der Franzose Xavier Jouvin 1834 eine Maschine erfand, mit der Handschuhe auch seriell hergestellt werden konnten, kam das also genau zur richtigen Zeit, um die Unmengen verwendeter Handschuhe schneller zu produzieren. Sein Masssystem wird heute noch verwendet. Die Länge der Handwärmer variierte über die Jahre und war auch stets der Mode unterworfen. So gab es mittellange Handschuhe oder überlange, die bis Mitte Oberarm reichten und genauso zum Charleston-Kleid gehörten wie Zigarettenspitze und Perlenkette.

Ab Mitte des 20.Jahrhunderts wurden Handschuhe allerdings immer mehr zum funktionalen Begleiter.

Zudem eroberten diverse Outdoormodelle den Markt. In den letzten Jahren kamen sogar sich selbst beheizende oder Touchscreen bedienungstaugliche Varianten hinzu. Technologiefans können dabei dank sogenannter Smartphone-Finger Bildschirme auch ohne Berührung bedienen.

Die Dos und Don'ts

Vom Symbolwert vergangener Jahrhunderte ist heute wenig geblieben, den althergebrachten Chic allerdings haben Handschuhe keinesfalls eingebüsst. Bei der Wahl des richtigen Modells gibt es aber doch ein paar Dinge zu beachten. Oft bestimmt nämlich der Anlass auch gleich das Material: Während für den Arbeitsweg oder den Stadtbummel gerne zu schickem Leder gegriffen wird, passt Strick eher für den Waldspaziergang. Egal, ob Sie sich für Leder oder Strick entscheiden, Hauptsache, die Farbe passt zu den Schuhen oder zur Tasche und harmoniert im Totallook mit Mantel oder Jacke. Modemutige wählen gerne auch mal ein buntes Modell als Hingucker.

Die Länge ist Geschmackssache der Trägerin. Bei verkürzten Mantelärmeln sind überlange, zusammengeschobene Modelle sehr schön, während auch kurze Kreationen mit allerlei Dekorationen wie Maschen, Flechtmuster oder Nieten hübsch aussehen. Erlaubt ist, was gefällt. Als Material eignet sich feines Schweins- oder Kalbsleder, das sehr strapazierfähig und dehnbar ist. Das exklusive Pekari-Leder vom Nabelschwein weist zudem eine wunderschöne Prägung auf. Auch bei Strickmodellen gibt es luxuriöse Ausführungen mit Kaschmir.

Für echten Audrey-Hepburn-Glamour sorgen hingegen lange Handschuhe aus Seide oder Satin, kombiniert zum Abendkleid. Weniger chic, dafür sehr funktional, sind spezielle Modelle für Sportarten wie Skifahren, Langlauf oder Fahrradfahren, die auf die individuellen Bedürfnisse eingehen. Und auch wenn Fäustlinge oder Klappfäustlinge immer mal wieder in Mode kommen, sollten Sie doch die bewährten Fingerhandschuhe wählen, denn damit liegen Sie immer richtig.

Der stilvolle Herr

Auch Männer sollten ein paar Punkte beachten: Tragen Sie zum klassischen schwarzen Anzug schwarze oder graue Handschuhe, zum blauen Anzug hingegen passen braune Töne besser. Zum Kaschmirmantel, genauso wie zur Abendveranstaltung, trägt man auf jeden Fall Leder. Für beide Geschlechter gilt zudem, dass es sich lohnt, bei Handschuhen auf Qualität zu achten. Falls Ihre Lederhandschuhe nass werden sollten, legen Sie diese nie auf die Heizung, da das Leder so brüchig wird.

Für die richtige Wärmeleistung muss die Grösse passen. Über den Wärmegrad bestimmt aber in erster Linie das Futter: für eisige Temperaturen muss es Wolle, Kaschmir oder sogar Fell sein.

Damit Sie für alle Gelegenheiten stilsicher gerüstet sind, empfehlen wir, eine kleine, aber feine Auswahl im Kleiderschrank zu haben. Wählen Sie lieber langlebige Klassiker, als zu viele ausgefallene Modelle. Denn eines ist klar: Die kalte Saison kommt immer wieder.

In den Coop-City-Warenhäusern finden Sie eine grosse Auswahl von modischen und klassischen Handschuhen aus vielen Materialien. Bei Coop Bau+Hobby gibt es funktionale Handschuhe.

Kleiner Handschuh-Knigge

Ordnungsgemäss

Heutzutage sind die Sitten und Gebräuche nicht mehr so streng wie in früheren Zeiten. Dennoch gibt es für die Handschuhe einige Regeln.

Bei den Herren ist alles klar: Sie ziehen zur Begrüssung nicht nur den Hut, sondern auch ihren rechten Handschuh aus. Bei den Damen ist es etwas komplizierter, sie dürfen die Handschuhe unter Umständen auch anbehalten, nämlich, wenn es sich um festliche Ballhandschuhe handelt. Auch zum Handkuss. Diese werden nur zum Essen ausgezogen, Essen mit Handschuhen ist ein absolutes No-Go. Es hat sich jedoch eingebürgert, dass man sich auch mit Handschuhen begrüssen darf, wenn man sich draussen auf der Strasse trifft und beide Handschuhe tragen. Sobald das Gegenüber jedoch die Handschuhe zur Begrüssung auszieht, sollte man selbst auch keine Handschuhfinger hinstrecken. Denn viele empfinden es trotzdem als höflich und angebracht, zur Begrüssung die Handschuhe auszuziehen.