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Das Gold der Frauen

Im Norden von Ghana verarbeiten Frauen der Tungteiya-Kooperative die Nüsse des Sheabaumes manuell zu Sheabutter. Der Handel damit sichert ihren Lebensunterhalt und verhilft ihnen zur Emanzipation. Ein Besuch in Westafrika.

FOTOS
Alexander Beer/Body Shop, Jessica Sarkodie, zvg
18. Februar 2019

Die Landschaft ist karg, der Boden rot, das Klima heiss und trocken. Für die Menschen in dieser ländlichen, von Armut geprägten Region im Norden von Ghana ist das Leben hart – und ursprünglich. Im Dorf Mbanaayili bewegen sich Hühner und Ziegen frei zwischen den traditionellen Häusern, die aus getrocknetem Schlamm und Strohdächern gebaut und an das tropische Klima angepasst sind.

Mbanaayili ist umgeben von trockenem Buschland, in dem die Umrisse der Sheabäume (auch Afrikanischer Butter- oder Karitébaum genannt) zu erkennen sind. Aus den fetthaltigen Nüssen des Baumes wird Sheabutter hergestellt, die man hier auch das «Gold der Frauen» nennt. Es sind nämlich seit jeher die Frauen, die die Früchte einsammeln und zu einer pflegenden Creme verarbeiten. Die Sheabutter, auch Karité genannt, ist reich an Fettsäuren und die afrikanischen Frauen verwenden sie zur Haut- und Haarpflege und als Schutz vor den heissen Wüstenwinden. Die Britin Anita Roddick (1942–2007), Gründerin von The Body Shop, entdeckte Anfang der 90er-Jahre auf ihrer ersten Reise nach Ghana in Westafrika die Sheanüsse und war von der hautpflegenden Wirkung der Butter begeistert.

Shea ist Frauensache

Vor unserem Besuch in Mbanaayili bedarf es der Erlaubnis des Dorfchefs und der Dorfältesten, um die Kommune zu betreten und mit den Produzentinnen der Sheabutter zu sprechen. Dieses Vorgehen ist Teil der Tradition, genauso wie die darauf folgende Begrüssungszeremonie mit Tanz und Musik. Eine Gruppe von Kindern beobachtet uns neugierig und die mutigsten unter ihnen trauen sich, uns zuzuwinken. Frauen in bunten Gewändern lächeln uns an – ihnen scheint die unerträgliche Hitze im Gegensatz zu uns nichts auszumachen.

Bis die Nuss zur Butter wird, braucht es viel Handarbeit. 

 Bewusst wird an der manuellen Herstellung festgehalten, um die Lebensbedingungen weiterhin zu verbessern.

Dank Fairtrade mit The Body Shop konnte die Kooperative ein Gesundheitszentrum finanzieren. 

Nach der feierlichen Zeremonie weihen uns dann die Frauen ins Geheimnis der Sheabutter-Herstellung ein. «Zwischen den Nüssen und der cremigen Butter liegen 18 Arbeitsschritte», erklärt Madam Fati Paul. Die 78-jährige Frau begleitete Anita Roddick bei ihrem ersten Besuch in Ghana vor 27 Jahren. «Die Nüsse werden heute zwar maschinell gestampft, aber traditionell noch von Hand zu Butter verarbeitet. Dazu müssen die zerstampften Nüsse etwa 30 Minuten kraftvoll und gleichmässig gerührt werden», schildert Madam Fati den Vorgang.

Die Substanz ähnelt einer Schoggimousse und duftet leicht nussig. Das Rühren ist aber gar nicht so einfach, wie wir bei einem Selbstversuch feststellen. Es muss nämlich immer in die gleiche Richtung gerührt und zwischendurch dem Teig mit gezielten Schlägen Luft zugeführt werden.

Kooperative wächst und wächst

Madam Fati ist eine Respektsperson. Sie setzt sich für die Frauenrechte und die Bildung der Kinder ein. Sie war es, die den Sheabutter-Produzentinnen half, sich zu organisieren. Und sie war es auch, die gemeinsam mit Anita Roddick die «Tungteiya Women’s Shea Butter Association» ins Leben rief. «Fast 99 Prozent dieser Frauen sind nie zur Schule gegangen», erzählt die ehemalige Schulleiterin. «1994, zu Beginn des Community-Trade-Programms von The Body Shop, produzierten 50 Frauen Sheabutter. Heute sind es 650 Frauen in elf Dörfern, die rund 390 Tonnen Sheabutter im Jahr von Hand herstellen», sagt sie nicht ohne Stolz.

Sheabutter wird das ganze Jahr produziert und sichert den Frauen ein regelmässiges Einkommen. 90 Prozent der Butter wird in Ghana selbst verwendet, in der traditionellen Küche ist sie als Bratfett allgegenwärtig. Bevor den Frauen der Zugang zum Fairtrade-Handel ermöglicht wurde, mussten sie die Butter an Märkten verkaufen, die oft weit entfernt von ihrem Dorf waren – und das erst noch ohne Erfolgsgarantie.

Bonus für Gemeinwohlprojekte

The Body Shop bezieht seit nunmehr 25 Jahren im Rahmen ihres Community-Trade-Programms den Rohstoff für das Shea-Sortiment direkt von den Tungteiya-Frauen. «Unser Ziel ist es, den benachteiligten Gemeinschaften Arbeit zu einem Lohn anzubieten, mit dem sie ihre Produktionskosten decken, ihre Familie miternähren und auch in Projekte investieren können», erklärt Francesca Brkic, bei The Body Shop International verantwortlich für nachhaltige Beschaffung. So erhalten die Arbeitnehmerinnen zusätzlich zum Lohn einen Bonus. Dieser wird in einen Fond einbezahlt und die Frauen entscheiden dann demokratisch, wie das Geld eingesetzt wird. In Mbanaayili konnten so unter anderem eine Schule, ein kleines Gesundheits- und ein Ernährungszentrum sowie Wasserstellen und Toiletten gebaut werden.

 

«Zu Beginn waren es 50 Frauen, heute bereits 650, die vom Shea-Handel leben.»

Madam Fati Paul, Tungteiya-Mitbegründerin

Eigenes Geld, mehr Respekt

Der Shea-Handel hat die Sozialstruktur des Dorfes, in dem Katholiken und Muslime zusammenleben, verändert. Vor zehn Jahren durften die Frauen in Anwesenheit von Männern nicht sprechen. Sie arbeiteten nur, um ihre Ehemänner bei der Arbeit auf dem Feld zu unterstützen. Und für die Finanzen waren ausschliesslich die Ehemänner zuständig. Heute verwalten die Frauen ihr Einkommen selbst. Etwas schüchtern, aber mit aufmerksamem Blick, erzählt Afishetu Yakubu (48) von diesen Veränderungen. «Wir haben Selbstvertrauen gewonnen,» sagt sie in Dagbani, einer von etwa 80 in Ghana gesprochenen Dialekten. «Die gemeinsame Arbeit rund um die Sheabutter bietet uns die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und Ideen auszutauschen», ergänzt Awabu Abdul Rahman (38) und Sanatu Mahamadu (56) fügt an: «Früher kümmerten wir uns nur um das Haus und die Kinder oder arbeiteten auf den Feldern unserer Männer. Aber wir haben bewiesen, dass wir uns organisieren können und haben uns so den Respekt der Männer verdient.» Ihre Gesichter strahlen vor Stolz.

Zukunft ihrer Kinder sichern

Die Tungteiya-Frauen sind dankbar, ihre Kinder nun in die Schule schicken zu können. Das war ihr innigster Wunsch, damit «die Kinder im Leben etwas erreichen». Das durch den fairen Handel finanzierte Gesundheitszentrum ermöglicht 28 umliegenden Dörfern den Zugang zur medizinischen Grundversorgung und die Versorgung durch eine Hebamme. Mit bescheidenen Mitteln konnte so die Sterblichkeitsrate gesenkt werden. Darüber hinaus informiert das Ernährungszentrum über Malaria-Prävention und Hygieneregeln. Es ist offensichtlich, dass der Fairtrade-Handel das Leben der afrikanischen Frauen, die der Kooperative angehören, zum Guten verändert hat. Darum erhoffen sie sich eine steigende Nachfrage, um die «Tungteiya Women’s Shea Butter Association» auf weitere Dörfer auszuweiten und neue Mitglieder zu gewinnen.

Es ist Zeit, sich aus Mbanaayili und von seinen Bewohnern zu verabschieden. Bei der Abschiedszeremonie singen die Tungteiya-Frauen ein traditionelles Lied. Beim Anblick der tanzenden Frauen in ihren bunten Gewändern bekommen wir Gänsehaut – trotz praller Sonne.

Afrikanische Nuss

Spendet Feuchtigkeit

Die Shea-Pflegelinie von The Body Shop enthält Community- Trade-Sheabutter aus Ghana. Das Sheabutter-Shampoo sorgt für intensiv befeuchtetes Haar, Fr. 9.95 (250 ml), 100 Prozent vegan.

Inspiriert von den Schönheitsritualen der Frauen in Ghana gibt es neu die 100 Prozent reine Sheabutter, hergestellt aus 192 Nüssen. Die Textur einfach in den Händen erwärmen und auftragen. Geeignet für die Pflege von Haut, Haar und Lippen. Fr. 28.95 (150 g).