X

Beliebte Themen

Fit & Happy

Wie vermesse ich mich?

Der beliebte Body-Mass-Index signalisiert nur mögliches Übergewicht. Andere Formeln sagen auch, ob es gefährlich ist.

FOTOS
Getty images
14. Oktober 2019

Taille zu Hüfte oder Grösse? Beim Vermessen des Körpers verzettelt sich so manche Person.

Ein Blick in den Spiegel gibt oft nur eine grobe Antwort auf die Frage, ob man ein paar Kilos zu viel auf den Rippen trägt. Formeln, die berechnen, ob man sich mit dem eigenen Gewicht noch im normalen und gesunden Bereich befindet, gibt es einige. Doch nicht alle sind medizinisch wirklich sinnvoll.

Seit langer Zeit das Mass aller Dinge ist der Body-Mass-Index, kurz BMI. Er bewertet das Körpergewicht in Relation zur Körpergrösse: Das Gewicht wird also geteilt durch die Körpergrösse in Metern zum Quadrat. Mit einem BMI unter 25 liegt alles im grünen Bereich. «Ab BMI 30 beginnt der rote Bereich, es steigt das Risiko für Diabetes, Bluthochdruck und manche Krebsarten», sagt David Fäh (47) von der Berner Fachhochschule. Hier sollte man seinen Lebensstil überdenken. «Wenn möglich sollten Betroffene nachhaltig Gewicht reduzieren oder es zumindest stabilisieren, sich beispielsweise mediterran mit viel Gemüse und Obst, gesunden Fetten und wenig Fleisch ernähren und sich mehr bewegen».

BMI ist überholt

Doch der BMI ist medizinisch ungenau und erlaubt nur unkonkrete Aussagen über die gesundheitlichen Risiken. Denn er vernachlässigt die Fettverteilung im Körper, beziehungsweise er erkennt nicht, ob das Übergewicht von Muskeln oder Fett herrührt. Ein durchtrainierter Sportler hat wegen seiner vielen, schweren Muskeln einen hohen BMI, aber fast kein Fett. Untrainierte können wegen fehlender Muskeln auch mit viel Körperfett einen niedrigen BMI haben. Wichtig wäre also zu wissen: Sind Fettdepots vorhanden und wo sind sie?

Mittlerweile misst man daher dem Umfang der Taille die grössere Bedeutung zu. Denn vor allem viel Fett am Bauch gilt als gesundheitlich gefährlich. Es setzt Substanzen frei, die zu Arterienverkalkung und in der Folge zu Herzinfarkt, Hirnschlag und Diabetes führen können. Der Tail- lenumfang sagt daher einiges darüber aus, ob man zu viel Fett an den gesundheitlich bedenklichen Stellen angesammelt hat. Bei Männern geht der grüne Bereich bis 94 cm Taillenumfang, bei Frauen bis 80 cm, während der Risikobereich bei mehr als 102 cm beziehungsweise 88 cm beginnt.

Noch genauer ist das Taille-Hüfte-Verhältnis (WHR), denn es berücksichtigt noch besser die Fettverteilung, also ob man eher ein sogenannter «Apfeltyp» mit viel Fett am Bauch oder eher ein «Birnentyp» mit Fett auch an Beinen und Po ist. Neben der Taille muss zusätzlich der Hüftumfang gemessen werden. Der Taillenumfang wird anschliessend durch den Hüftumfang geteilt. Wenn bei den Männern das Ergebnis nicht grösser als 0,9 ist beziehungsweise bei Frauen unter 0,8 liegt, ist alles im Lot. Ab 1,0 bei Männern und 0,9 bei Frauen steigt das Risiko.

Von Experten derzeit als aussagekräftigste Lösung favorisiert, weil sie zusätzlich kleine und gros- se Personen unterscheidet, ist das Verhältnis der Taille zur Körpergrösse. Dafür teilt man den Taillenumfang durch die Körpergrösse, beides in Zentimetern. Liegt das Ergebnis unter 0,4, ist alles im grünen Bereich, ab 0,6 sollte man sich darum kümmern.

Kontext ist wichtig

Immer mehr Leute besitzen zu Hause eine Waage, die mit einem leichtem Stromfluss durch den Körper auch das Körperfett in Prozent misst. Bei Männern sollte dieses maximal 20 Prozent betragen, Frauen dürfen auch 30 Prozent haben. «Ab 25 beziehungsweise 35 Prozent sollte man aber an seinem Lebensstil schrauben», rät David Fäh. Weil der Fettanteil mit dem Älterwerden automatisch steigt, sollten Senioren diese Grenzwerte nicht so eng sehen. Zudem taugt diese Information nur ergänzend zu den anderen Methoden, denn wo das Fett sitzt, sieht die Waage je nach Modell gar nicht oder nur ungenau.

«Egal mit welcher Formel man ­arbeitet, wichtig ist, das Ergebnis nicht isoliert zu betrachten, sondern im Kontext mit seinem aktuellen ­Lebensstil», sagt Fäh. Wenn jemand mit BMI 29 eigentlich als übergewichtig gilt, seine Laborwerte aber im grünen Bereich liegen, er sich mehr als 30 Minuten am Tag bewegt, sich gesund ernährt, nicht raucht und nur wenig Alkohol trinkt, «dann macht es wenig Sinn, etwas am BMI zu verändern, eine Stabilisierung ­genügt».