X

Beliebte Themen

Fit & Happy

Ein Öl für (fast) alles

Es ist nicht nur ein ausgezeichnetes «Schmiermittel» für die Haut, sondern pflegt auch Präzisionsinstrumente. Und sogar als Bio-Diesel könnte das Jojoba-Öl zum Einsatz kommen.

FOTOS
Fotolia
19. November 2018

Wo es sehr heiss und trocken ist, fühlt sich der immergrüne Jojoba-Strauch so richtig wohl. Seine Blätter sind verdickt und ledrig, damit sie mehr Wasser speichern können. Auch mit ihrer Pfahlwurzel, die sich bis zu zehn Meter in die Erde gräbt, ist die Pflanze perfekt an die Trockenheit angepasst. Denn so erreicht sie auch Grundwasser in grosser Tiefe. Der Jojoba-Strauch stammt aus der Sonora-Wüste in Mexiko, wächst jedoch inzwischen auch in anderen eher unwirtlichen Gebieten und wird bis zu zehn Meter hoch. Weil er robust und genügsam ist, kann er in Trockengebieten die Bodenerosion und die Versandung verhindern helfen.

Öl ist eigentlich nicht richtig

Und auch bei Trockenheit der Haut kann Jojoba nützlich sein. Der ausgefallene Name stammt von den Ureinwohnern rund um das Herkunftsgebiet der Pflanze. Sie nannten sie «Ho-ho-wi». Daraus machten die spanischen Eroberer «Ho-ho-ba», was schliesslich zu Jojoba wurde. Die Tohono-O’Odham-Indianer nutzten das Öl aus der Nuss der Pflanze als Haarwuchsmittel, bei Wunden und zur Hautpflege sowie gegen Kopfschmerzen.

Wobei, Öl ist ja die falsche Bezeichnung. Denn es handelt sich um ein Wachs, das bei Temperaturen über sieben Grad flüssig ist, das einzige natürliche Wachs mit dieser Eigenschaft. Aus- serdem ähnelt es in der Zusammensetzung dem menschlichen Talg, also dem natürlichen Hautfett, weshalb es sich ebenfalls gut für die Hautpflege eignet. Es fühlt sich deshalb nach dem Auftragen nicht ölig an und duftet dezent- fruchtig. Dank seiner Zusammensetzung kann es auch nicht ranzig werden und ist sehr lange haltbar. Die Früchte des Strauches erntet man nach etwa drei bis sechs Monaten, anschliessend werden die Samen daraus gepresst. Das Wachs enthält die Vitamine A, B und E sowie mehrere ungesättigte Fettsäuren.

Weil es so viele positive Eigenschaften hat, wird Jojoba-Öl in vielen Kosmetika verwendet, sowohl in Hautpflegemitteln als auch in Shampoos und Spülungen. Es bietet einen schwachen UV-Schutz und Mikroorganismen mögen es nicht besonders, weshalb es auch konservierende Eigenschaften entfaltet. Viele nutzen das Jojoba auch pur, entweder als Hautpflegemittel oder auch als Haaröl.

Doch es kann noch viel mehr als «nur» pflegen. Als Schmiermittel von Präzisionsinstrumenten kommt es ebenfalls zum Einsatz sowie als Grundlage für Möbelpolituren. Ausserdem gab es im Jahr 2003 erfolgreiche Experimente, bei denen Jojoba-Öl als natürlicherweise schwefelfreier Diesel verwendet wurde. Da die Pflanze in Gegenden wächst, die normalerweise nicht für die Landwirtschaft genutzt werden, würde ihr Anbau keine Nahrungspflanzen verdrängen. Doch diese Idee hat sich nicht durchsetzen können. Es gab auch schon Pläne, die Wüsten mit dieser Pflanze aufzuforsten, die jedoch ebenfalls im Sande verlaufen sind. Das Potenzial und der Nutzen des Jojoba-Strauches sind trotzdem gross. Nur zum Essen eignet sich das Gewächs ganz und gar nicht. Die Pflanze und die Samen enthalten Simmondsin, das ungeniessbar ist, auch das Öl ist unverdaulich.