Grünes Kraftwerk | Coopzeitung
X

Beliebte Themen

Fit & Happy

Grünes Kraftwerk

Die Aloe Vera hat als Heilpflanze eine lange Tradition; heute ist sie gut im Geschäft. Man findet sie in Creme, Jogurt, Saft, Shampoo – und auf der Fensterbank.

TEXT
FOTOS
Alamy, Fotolia
17. September 2018
Stachelige Aloe: Der «Kaiserin der Heilpflanzen» werden viele förderlichen Eigenschaften zugeschrieben.

Stachelige Aloe: Der «Kaiserin der Heilpflanzen» werden viele förderlichen Eigenschaften zugeschrieben.

Mit ihren ledrigen dickfleischigen Blättern und den stacheligen Zähnen an den Blatträndern wirkt die Aloe Vera eher abweisend. Es scheint, als wolle die Pflanze ihre besonderen Kräfte schützen, die im Innern ihrer spitz zulaufenden Blätter stecken. Die rund 160 darin enthaltenen Nähr- und Vitalstoffe machen sie zur «Kaiserin der Heilpflanzen». In der Naturheilkunde gilt die Aloe Vera schon lange als Allrounderin und ist eine der wichtigsten Pflanzen. Dem Gel, das aus dem Innern der Blätter gewonnen wird, werden kühlende, feuchtigkeitsspendende, entzündungshemmende und antibakterielle Eigen- schaften zugeschrieben. Es soll äusserlich bei trockener Haut, Insektenstichen, leichten Verbrennungen, Haut- irritationen oder Sonnenbrand nützlich sein. Zudem soll der Latex-Saft abführend wirken; dieser bitter schmeckende Saft wird aus den äusseren Blattteilen gewonnen.

Schon die alten Ägypter …

In vielen Kulturen gilt die Pflanze als Symbol für ewige Jugend und Unsterblichkeit. Schon die alten Ägypter verwendeten sie für Balsamierungssalben. Kleopatra (um 50. v. Chr.), Königin des ägyptischen Reichs und für ihre Schönheit bekannt, soll nicht nur in Eselsmilch gebadet, sondern ihre Haut auch mit Aloe-Vera-Gel gepflegt haben, um ihre Jugendlichkeit zu bewahren. Den früheren Seefahrern und Welt-Entdeckern diente die Aloe Vera als Heilsalbe. Christoph Kolumbus (1451–1506) soll, so die Überlieferung, die Pflanze in Töpfen als Allheilmittel auf seinen Schiffen mitgeführt haben.

Überlebenskünstler: Die Pflanze kann in ihren Blättern viel Wasser speichern.

Es gibt viele verschiedene Aloe-Arten. Aber nur der Aloe Vera – botanisch «Aloe barbadensis Mill» – sagt man heilende Wirkung nach. Der Name «Vera» bedeutet im Lateinischen «echt» oder «wahr». Darum spricht man auch von der «Echten Aloe». Die Herkunft der Pflanze vermutet man im Sudan und der Arabischen Halbinsel. Heute begegnet uns die anspruchslose Wüstenpflanze in tropischen und subtropischen Regionen, wo es heiss und trocken ist, insbesondere im südlichen Mittelmeerraum, Nordafrika, auf den Kanarischen Inseln, Madagaskar, im Nahen Osten, aber auch in Indien und Mexiko. Die kakteenähnliche Sukkulente aus der Familie der Liliengewächse kann in ihren Blättern viel Wasser speichern und meistert so lange Durststrecken. In Trockenperioden schrumpfen die Blätter zwar, beim nächsten Regen saugen sie sich aber wieder voll wie ein Schwamm.

Boomendes Geschäft

Wegen ihrer feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften taucht Aloe Vera besonders oft in Hautpflege- und Kosmetikprodukten auf. Der Markt hat den verkaufsfördernden Wert der Pflanze entdeckt: Mittlerweile gibt es Allzweckreiniger, Handspülmittel, Jogurt, Slipeinlagen, Socken, Waschmittel oder Wellness-Drinks mit der Bezeichnung Aloe Vera. Oftmals ist aber die darin enthaltene Menge an Aloe Vera verschwindend klein. Daher lohnt sich ein Blick auf die auf der Verpackung deklarierten Inhaltsstoffe. Wer 100 Prozent Aloe Vera will, sollte eine Pflanze an einen sonnigen Standort in der Wohnung stellen – dann ist sicher nur Aloe im Topf.


Aloe-Gel selber Gewinnen

Das Aloe-Gel gewinnt man aus den untersten und grössten Blättern der Aloe Vera: Ein Blatt ab Boden mit einem scharfen Messer abschneiden und in ein hohes Gefäss stellen, damit der gelb- liche Saft abfliessen kann. Dann die austretende Flüssigkeit wegwischen und das Blatt gut waschen. Die äussere Wachsschicht der Pflanze entfernen, das Gel herausschneiden und – beispielsweise bei einem Insektenstich – auf die betroffene Stelle auftragen. Es wirkt reizmildernd und kühlt.