X

Beliebte Themen

Lifestyle

Teebaum: Hausmittel aus dem australischen Busch

Das ätherische Öl des Teebaums wird zur Hauptpflege verwendet. Doch was hat die Pflanze eigentlich mit Tee zu tun? Und welche Wirkungen hat sie noch?

TEXT
FOTOS
Getty Images, Alamy Stock Photo, Beatrice Thommen-Stöckli
26. März 2018

Ursprünglich liegt die Heimat des Teebaums im Südwesten von Australien. Dort wächst er entlang von Flüssen und Sümpfen.


Stachliges Gestrüpp, undurchdringliches Buschland das fand der englische Seefahrer James Cook im Jahre 1770 vor, als er zum ersten Mal australischen Boden betrat. Dabei beobachtete er nicht nur seltsame Riesenhasen, die durch die Wälder hüpften. Ihm zog auch das Aroma eines Strauches in die Nase, für den er sich brennend interessierte. An Bord seines Segelschiffs Endeavour war nämlich ein Notstand ausgebrochen. Nicht, weil Wasser oder Brot, Seife oder Salz ausgegangen waren. Nein! Nach wochenlanger Fahrt über die Weltmeere gabs an Bord kein einziges Teeblättchen mehr das schlimmste Desaster, das Engländern passieren konnte.

Doch mit dem bis etwa sieben Meter hohen Strauch bahnte sich Besserung an: Cook trocknete die Blätter, braute einen Tee daraus und unterzog sich einem Selbstversuch: Er trank den erfrischenden Aufguss. Der Kapitän überlebte und seine Mannschaft war glücklich. Endlich konnten sie wieder ihrer Tee-Leidenschaft frönen. So nannte James Cook das Gewächs kurz und schlicht Tea Tree Teebaum. Wegen der Pflanzenvielfalt gab er übrigens dem Ort seiner Landung den Namen Botany Bay nur sieben Kilometer weiter nördlich wachsen heute keine Teebäume mehr, dafür die Wolkenkratzer von Sydney in den Himmel.

Die Aborigines schätzten es

Wie Nadeln: Die schmalen Blättchen des Teebaums (Melaleuca alternifolia) haben auf ihren Unterseiten Öldrüsen.

Doch die damaligen Neuankömmlinge bemerkten: Die Aborigines, die Ureinwohner, nutzten den Teebaum auf eine andere Weise. Bei Erkältungen, Grippe, Fieber, aber auch Verstopfung sollen sie die Blätter des Teebaums zerkleinert, in kochendem Wasser aufgekocht und den Dampf des Gebräus inhaliert haben. Oder Sie schlürften bei Problemen im Mund- und Rachenraum gleich den Sud. Kleine Blättchen sollen sie auf entzündete Wunden gelegt haben mit heilender Wirkung. Oder sie gewannen aus zerstampften Blättern eine Paste, die sie ebenfalls auf die Wunden strichen.

Von diesem Wissen profitierten die Siedler aus England. Diese waren hauptsächlich Sträflinge, die ins neue Gebiet abgeschoben wurden und die dort mehr oder weniger sich selbst überlassen waren. Aus Ermangelung an Geld und Medizin waren Naturmethoden willkommen.

Was durch den täglichen Gebrauch bekannt war, bestätigte 1923 der australische Chemiker Arthur de Ramon Penfold dann auch wissenschaftlich: Er bewies in einer Studie, dass das aus Blättern destillierte Teebaumöl 13-mal antiseptischer sei als Karbolsäure (Phenol). Dieses war bis dahin das einzige brauchbare Mittel zur Wunddesinfektion. Damit begann der kurze Aufstieg des Teebaumöls.

Einsatz in der Armee

So wurde das Wundermittel als ungiftige Alternative zu Phenol verwendet, gehörte zum Beispiel zur Standardausrüstung in der australischen Armee. Dort wurde übrigens auch dessen pilzabtötende Wirkung entdeckt. Im Zweiten Weltkrieg suchte ein ekliger Fusspilz Hunderte von Soldaten aus Down Under heim es soll so schlimm gewesen sein, dass die armen Tröpfe kaum mehr gehen konnten. Nichts half, keine modernen Salben, Pasten, Lotionen oder Cremes. Eines Tages besann sich ein Arzt mit Aborigines-Wurzeln des Teebaums. Und beträufelte mit dessen konzentriertem Öl die verunstalteten Soldatenfüsse. Mit Erfolg: Der ungeliebte Pilz soll nach wenigen Tagen verschwunden gewesen sein.

Ob sich all dies tatsächlich so zugetragen hat, wissen wir heute nicht mehr so genau. Fakt ist, dass nach der Entdeckung des Allzweck-Antibiotikums Penizillin das Teebaumöl in Vergessenheit geriet zumindest in Europa. Erst mit den ersten Resistenzen, die sich gegen gängige Antibiotika entwickelten, besannen sich viele wieder auf Mutter Natur.

Heute findet das intensiv riechende Öl eine breite Anwendung. Es ist in Shampoos, Hand- und Körpercremes bei unreiner Haut und Akne , in Deodorants, Badezusätzen, Seifen, Zahnpasta und Mundwassern enthalten. Bei Pilz- und Bakterienbefall der Haut können Zubereitungen mit fünf bis zehn Prozent Teebaumöl zur Anwendung kommen. Dank der antiseptischen und antifungalen Wirkung wird es aber auch bei Herpes, Feigwarzen, Läusen, Hämorrhoiden, Schuppen, Flöhen, Krätze, Hautpilz, Milben, Schuppenflechte, Mundgeruch und Zahnfleischentzündung eingesetzt ein echter Tausendsassa also. Wenn das damals schon James Cook gewusst hätte!

Teebaum Macht schön - Pflegeprogramm für die Haut

Ob Skin Clearing Body Wash (250 ml/Fr. 12.95), Gesichtspeeling Squeaky-Clean Scrub (100 ml/Fr. 17.95) oder Tea Tree Oil (10 ml/Fr. 12.95): Bei The Body Shop bietet die Tea-Tree-Serie eine Auswahl an 25 Pflegeprodukten speziell für Haut, die zu Unreinheiten neigt. Alle Blätter, die mittels behutsamer Wasserdampfdestillation zu Teebaumöl verarbeitet werden, stammen von einer Kooperative aus rund 550 Bio-Kleinbauern, die ganz neu am Mount Kenya National Park Teebäume anbauen.