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Das grosse Krabbeln

«Crawling» ist kein Kinderspiel. Das Krabbeln für Erwachsene beansprucht den ganzen Körper.

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Gallerystock
24. Juni 2019

Auf allen vieren trainieren:Crawling steigert die Kondition und kräftigt die Muskulatur.

Auf allen vieren auf dem Boden herumzukrabbeln – das ist nicht nur was für Kleinkinder. Krabbeln kann ziemlich anstrengend sein. Den Beweis dafür liefert die neue Trendsportart Crawling. Models wie Gisele Bündchen (38), Alessandra Ambrosio (38) oder Kate Upton (27) haben es schon ausprobiert und veröffentlichten Videos von ihren Krab- belversuchen auf Instagram. Beim Crawling, englisch für Krabbeln, trainieren Erwachsene im Vierfüsslerstand. Der Oberkörper stützt sich auf Arme und Knie und in dieser Position wird dann trainiert. Die Krabbelübungen beanspruchen den ganzen Körper.

Ausdauer fördern

Es gibt verschiedene Arten von Übungen, von leicht bis schwer. Normales Babykrabbeln ist die Basis. Wem das zu simpel ist, der kann die Knie auch leicht vom Boden abheben oder Gewichte benutzen. Eine weitere Möglichkeit nennt sich Crunning, eine Kombination aus Crawling und Running. Dabei rennen die Trainierenden auf allen vieren und steigern so ihre Kondition. Diese Methode ist vor allem in Australien beliebt. Ebenso populär ist Crawling in China. Dort praktizieren bereits seit vielen Jahren Jung und Alt die Trendsportart. Nur auf dem europäischen Kontinent steckt sie noch in den Kinderschuhen. Bislang sind krabbelnde Erwachsene selten im Fitnessstudio oder im Park anzutreffen.

Der Arzt und Chiropraktiker Justin Klein aus Wa- shington DC bescherte dem Crawling vor gut einem Jahr als Erster eine grosse Bekanntheit. Für Klein steht fest: «Crawling ist das neue Planking.» Gemeinsam mit dem Personaltrainer Tim ­Anderson entwickelte der ­Amerikaner ein Krabbel­programm namens Original Strength, ursprüngliche Stärke. Seine Devise: ­zurück. Zurück zu dem Zeitpunkt, an dem der (un)bequeme ­Bürostuhl unseren Rücken noch nicht ruiniert hat. Zurück zu dem Zeitpunkt, an dem wir noch unbeschwert durch das Haus krabbelten. Zurück zu der anfänglichen Stärke, die wir als Baby noch zur Ver­fügung hatten.

Häufiges Sitzen schwächt die Muskulatur der Wirbelsäule. Dagegen hilft das Erwachsenenkrabbeln effektiv. Laut Justin Klein reichen dafür 20 Minuten krabbeln am Tag aus, denn Krabbeln beansprucht gleichzeitig den Ober- und Unterkörper, sodass die Übungen auf dem Boden den ganzen Körper stärken. Es kräftigt Bauch-, Rücken- und Rumpfmuskulatur. Anscheinend wirkt sich der Krabbelsport sogar positiv auf unser Nervensystem aus. So sind viele Crawling-Begeisterte der Überzeugung, dass die Sportart die Koordinationsfähigkeit, Konzentrations- sowie Gedächtnisleistung fördert. Wissenschaftlich bewiesen sind diese Auswirkungen aber nicht.

«Ich will den Menschen ermöglichen, sich wieder besser zu bewegen», sagt Justin Klein und ist überzeugt, dass Crawling die Wirbelsäule entlastet, gegen Rückenschmerzen und verspannte Schultern hilft, die Körperhaltung verbessert und für eine gesunde Gangart sorgt.

Für die Krabbel-Übungen braucht es keine besondere Ausrüstung und auch keinen Besuch im Fitnessstudio. Zu empfehlen sind aber Knieschoner und eine Yoga-Matte, da Crawling die Gelenke ganz schön beanspruchen kann. Bei einem Training im Freien schützen Handschuhe vor möglichem Dreck oder Scherben – jedoch nicht vor verwunderten Blicken von Passanten. Aber solche ernteten vor 30 Jahren auch Nordic Walker, die mit ihren Stöcken durch den Wald huschten. Es geschieht eben nicht häufig, dass ein Erwachsener am helllichten Tag nüchtern durch den Stadtpark krabbelt.

Vorsicht vor Verletzungen

Wie bei vielen Sportarten kann auch beim Crawling eine falsche Anwendung Beschwerden hervorrufen. Ein hohles Kreuz sorgt zum Beispiel für Rückenschmerzen. Bei einer veränderten Knorpelstruktur und Problemen in Hand oder Knie verzichtet man besser aufs Krabbeln. Ausserdem belastet das Training die Gelenke stark – vor allem beim Crunning. Das Rennen im Vierfüsslerstand und das dabei ständige Geradeausschauen beanspruchen die Halswirbel enorm. Wer sich also nicht schon nach kurzer Zeit weh tun möchte, der sollte besser behutsam mit dem Crawling beginnen. Denn wer will schon jemandem erklären müssen, dass er sich beim Krabbeln verletzt hat? Das kann doch jedes Baby.