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Das Kraut der Unsterblichkeit

Salbei macht unsterblich. Das glaubte man in der Antike. Obwohl die alten Griechen nicht ganz richtig lagen: Bis heute freuen sich die Mediziner, aber auch die Köche über die vielseitige Pflanze.

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Getty Images
15. April 2019

Salbei hilft bei vielen Beschwerden. Man sollte es aber nicht über längere Zeit verzehren, bei grossen Mengen kann es schädlich wirken. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Steckbrief: Salbei auf einen Blick

Botanischer Name: 
Echter Salbei (lat.: Salvia officinalis).
Weitere Namen: Tugend-, Kreuz-, Dalmatiner-, Edel- oder Königssalbei, Fischsalbei, Muskateller- oder Scharlachkraut, Altweiberschmecken, Gschmack- oder Zupfblatteln, Salfat. 
Aussaat-/Pflanzzeit: Februar bis Mai.
Blüte: Mai bis Juli.
Ernte: April bis September.
Merkmale: Etwa 70 cm hohe, mehrjährige und winterharte Staude, verholzt gerne von unten. Die silbergrau-grünen Blätter und Stängel sind behaart. Blüht hellblau bis blauviolett. 
Standort: sonnig, sandige Böden, wenig Dünger.
Verwendung als Heilkraut: etwa bei Mundgeruch, grippalen Infekten, Rachenentzündung, Zahnfleischerkrankung, Schwitzen, MagenDarm-Grippe, Durchfall, starkem Speichelfluss, 
hilft beim Abstillen, balanciert den weiblichen Hormonhaushalt.
Verwendung in der Küche: Pasta, Suppen, Fleischgerichte (Saltimbocca), Salate.

Wer einmal ein Blatt Salbei in der Hand gehalten hat, erinnert sich an das eigentümliche pelzig-samtige Gefühl. Denn die eiförmigen Blätter sind auf ihrer Ober- und Unterseite stark behaart. Durch die ätherischen Öle, die die Pflanze über winzige Drüsen auf der Blattoberseite abgibt, strömt sie einen starken Duft aus. Mit diesem ätherischen Aroma machte das strauchartige Gewächs die alten Ägypter auf sich aufmerksam. Vor einigen Tausend Jahren fanden sie heraus, dass die Pflanze heilende Wirkung besitzt: So sollen die Pharaonen und ihre Untertanen sie gegen Bauchkrankheiten, Asthma und Zahnschmerzen eingesetzt haben. 

Salbei heisst «heilen»

Auch bei den Griechen stand die Pflanze hoch im Kurs: Sie versprachen sich von ihr gar ewiges Leben – Salbei sollte Alter und Krankheiten «vertreiben». Um Weisheit und Erkenntnis zu erreichen, kauten Philosophie-Schüler zur Erfrischung des Geistes Salbeiblätter. Ihren betörenden  Duft soll die Pflanze übrigens Aphrodite, der Göttin der Liebe und Schönheit, zu verdanken haben. Diese versteckte sich unter einem Salbeistrauch, als Gottvater Zeus einmal nach ihr suchte. Als dieser davon Wind bekam, liess er erzürnt gleissende Sonnenstrahlen aufs Kraut niederfahren. Doch Aphrodite war schneller: Sie versah die Pflanze im Handumdrehen mit dicken, pelzigen Blättern, die die Sonne aushielten. Zum ersten Mal taucht der Name «salvia» (lat. salvare = heilen) dann im 1. Jahrhundert nach Christus in den Werken der römischen Gelehrten Plinius, Dioskurides und Galen auf. Sie waren sich damals schon der vielfältigen Wirkung des Heilkrauts bewusst: So empfahlen sie es bei Husten, Heiserkeit, zur Wehenförderung und gegen Geschwüre. Durch die Römer kam Salbei auf die nördliche Seite der Alpen – und blieb dort bis heute. Karl der Grosse (747/748–814) ordnete um 790 n. Chr. an, dass Salbei in den kaiserlichen Gärten angepflanzt werden müsse. Der deutsche Botaniker und Arzt Hieronymus Bock (1498–1554) schrieb in einem seiner Bücher: «Salbey  dienet dem Artztet, Koch, Keller, armen und reichen.» Er schreibt weiter, dass in Wein eingelegter Salbei gut sei bei Husten, Gebärmutter- und Leberproblemen sowie Erkältungen, Menstruationsschmerzen, Rheuma und Bauchkrämpfe lindere. Zudem würden in Wasser aufgekochte Salbeiblätter Blutungen stoppen, die Wundheilung beschleunigen und gegen Schorf wirken. Darüber hinaus blieben Zähne und Gebiss sauber und gesund, reibe man sie mit Salbeiblättern ab. Und zu guter Letzt helfe Salbeiwein bei Rachenerkrankungen. Bock hat damit alle Heilwirkungen des Salbeikrauts beschrieben, die bis heute in der Naturheilkunde gelten. Salbei ist ein wahres Multitalent – findet er doch auch als Gewürz vor allem in der mediterranen Küche Verwendung.