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Die blaue Blume

Ihr Name ist Programm: Die Wegwarte wächst am Wegesrand. In alten Zeiten als Heilkraut genutzt, wird sie heute vor allem als Kaffee-Getränk und als Salat verwendet.

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Getty Images
02. September 2019

Aus der Wurzel der blau blühenden Wegwarte wurde früher Kaffee-Ersatz gebraut.

Diese Pflanze schreckt vor nichts zurück: Sie nimmt es sogar mit den Autobahnen auf und öffnet ihre blauen Blüten trotz der Abgase bei den Leitplanken. Überhaupt schlägt sie neben allen möglichen Autostrassen Wurzeln. Es gibt also offenbar Blumen, die Automobile gerne mögen. Doch die Wegwarte weiss auch Lieblicheres zu schätzen: Man findet sie natürlich genauso neben Feldwegen in schönen Landschaften und auf Brachen oder am Rande von Äckern. Sie mag trockene Standorte. So ist sie auch in Nordafrika und in Vorderasien heimisch. Und die Wegwarte ist kein bescheidenes Pflänzchen, sie kann über einen Meter hoch werden.

Einst war sie eine Prinzessin

Der Sage nach sind diese Blüten alles, was von einer Prinzessin übrig geblieben ist, die am Wegesrand vergeblich auf die Rückkehr ihres Liebsten wartete. Wer die himmelblauen Blumen gerne sehen möchte, darf nicht zu spät unterwegs sein. Die Wegwarte öffnet sie bei Sonnenaufgang und schliesst sie um elf Uhr wieder – aber nur wenn die Sonne scheint. Denn diese Pflanze ist eine Sonnenanbeterin und dreht auch ihre Blüte nach den Strahlen, und zwar von Juli bis Oktober. Es gibt sie auch noch ganz selten mit weissen Blüten, denen man früher Zauberkräfte nachsagte. In dunklen Nächten erzählten sich die Leute, dass die Wegwarte jeden unsichtbar machen würde, der sich mit ihrem Saft einreibt. Und wer eine weisse Wegwarte bei sich trug, war angeblich vor allen Fesseln und Stricken geschützt.

Der Pflanze wurden und werden viele nützliche Eigenschaften zugeschrieben. Zum ersten Mal erwähnt haben sie bereits vor 6000 Jahren die alten Ägypter in ihren Schriften, die sie als Heilpflanze gegen Melancholie und Schwermut nutzten. An ganz andere Wirkungen der Wegwarte glaubten die Römer, nämlich Linderung von Herzbeschwerden und Entzündungen der Augen. In der Volksmedizin wiederum wird die Wegwarte als Mittel zur Förderung der Verdauung beschrieben. Allgemein soll die Pflanze Leber, Galle und Magensäfte positiv beeinflussen. Diese Eigenschaft wird den in ihr enthaltenen Bitterstoffen zugeschrieben. Sie ist ausserdem unter dem Namen «Chicory» Bestandteil der Bachblütentherapie.

Die Wegwarte kann auch Kaffee

Chicory klingt ähnlich wie Zichorie und Chicorée – aus gutem Grund. Denn bestimmte Züchtungen der Wegwarte, die auf Lateinisch Cichorium intybus heisst, werden auch getrunken und gegessen. Zum Beispiel als Kaffee-Ersatz. Die Klassiker «Incarom» oder «Franck-Aroma», die statt reinem Kaffee verwendet werden, beruhen auf der Wurzel von einer engen Verwandten der Wegwarte, nämlich den Zichorien. Diese werden zerkleinert, geröstet und dann pur oder mit weiteren Zutaten gemischt als Kaffee-Ersatz getrunken. Lässt man hingegen die Wurzeln von Salatzichorien im Dunkeln austreiben, kann man den genauso berühmten und beliebten Chicoreé-Salat ernten.

Und als kulinarische Dekoration macht die Wegwarte ebenfalls viel her. Ihre Blüten sind essbar, die getrockneten blauen Blätter verschönern auch optisch jedes Gericht.