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Sonnenbrillen sind nicht nur ein cooles Accessoire; sie schützen auch vor übermässiger UV-Strahlung. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu ihrem Gebrauch.

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Kyle Goldie
10. Juni 2019

Bei mir immer mit: Die Sonnenbrille ist nicht nur ein Blendschutz, sondern auch wichtig für die Gesundheit der Augen.

Die Sonnenbrille schützt vor allem vor dem Blenden.

Stimmt nicht. Zwar ist die Sonnenbrille auch ein wichtiger Blendschutz, quasi Entlastung für unseren Reflex, die Augen bei grellem Licht zusammenzukneifen und die Pupillen zu verengen. Aber eben nicht nur. Denn die Sonne schickt auch für uns unsichtbare, ultraviolette Strahlen zur Erde, wegen der zurückgehenden Ozonschicht sogar immer energiereichere und damit schädlichere. Die UV-Strahlen werden zwar teilweise von der Augenlinse absorbiert, jedoch längst nicht alle. Deshalb ist die Sonnenbrille vor allem auch ein UV-Schutz. Der übrigens auch bei bewölktem Himmel nötig ist.

Ich muss im Freien immer eine Sonnenbrille tragen.

Stimmt nicht. «Sonnenlicht, und dazu gehört auch UV-Strahlung, ist bis zu einem gewissen Grad sogar wichtig für unsere Augen, vor allem auch in jungen Jahren für deren Entwicklung», sagt Dominic Ramspeck (56) von Optikschweiz, dem Verband für Optometrie und Optik. Es geht also nicht darum, die Sonnenbrille bei jedem Gang zum Briefkasten zu tragen, sondern das Zuviel abzufedern. Sobald man sich länger im Freien aufhält, gehört eine Sonnenbrille deshalb dazu. Vor allem im Schnee oder am Wasser, wo die Strahlen zusätzlich reflektiert und verstärkt werden, ist ein passender Sonnenschutz sogar ein Muss. Ansonsten kann es nicht nur zu einem zwar vorübergehenden, aber schmerzhaften Sonnenbrand in den Augen kommen. Weil wir immer älter werden, kumulieren sich auch kleinste, irreversible Verletzungen: «Zu viel UV-Strahlung verursacht etwa Schäden im vorderen Augenbereich und fördert die Linsentrübung, den grauen Star. Auch bei einer Makuladegeneration, der häufigsten Ursache für eine Erblindung im höheren Alter, wird ein Zusammenhang mit UV-Strahlung vermutet.»

Jede Sonnenbrille schützt vor UV-Strahlung.

Stimmt fast. Für Sonnenschutz-Gläser ist in der Europäischen Union vorgeschrieben, dass sie Strahlung bis zu einer Wellenlänge von 400 Nanometern zu 100 Prozent herausfiltern müssen, was somit sämtliche UV-Strahlung mit einschliesst. Erkennbar sind diese Gläser am CE-Kennzeichen. Inzwischen sei dies sogar fast weltweit Standard, meint Dominic Ramspeck. Fälschungen seien kaum bekannt. «Bei Markensonnenbrillen zu Ramschpreisen wäre ich jedoch vorsichtig, ob nicht gleich die ganzen Gläser gefälscht sind.» Nebst dem CE-Zeichen ein guter Test, ob hochwertige Gläser eingesetzt sind: Die Brille vor sich hinhalten und einen Gegenstand fixieren. Dreht man die Brille leicht hin und her, sollte sich der Gegenstand nicht verzerren.

Je dunkler die Tönung, desto besser die Sonnenbrille.

Stimmt nicht. Denn der UV-Schutz ist unsichtbar. Mit der Tönung wird einzig vor der Blendung geschützt. Eingeteilt wird dabei in vier Kategorien, wobei Kategorie zwei für den Alltag, drei für Strand und Berge und vier für Extrem-Situationen vorgesehen sind, zum Beispiel zur Gletscherbegehung. Mit einer Tönung von bis zu 97 Prozent ist Kategorie vier zum Autofahren aber sogar verboten! Übrigens können im Verkehr auch Gläser, welche die Farben zu sehr verfälschen, gefährlich sein. Dominic Ramspeck von Optikschweiz: «Immer wieder Thema ist dies etwa bei orange gefärbten Gläsern. Mit diesen kann zusätzlich Blaulicht aus dem Sonnenlicht gefiltert werden, dem teilweise ebenfalls eine schädliche Wirkung nachgesagt wird.

Wird jedoch zu viel Blaulicht herausgefiltert, sind im Extremfall auch Warnlichter der Polizei oder das Grün der Verkehrsampel nicht mehr richtig erkennbar.» Solche Brillen sind mit dem Hinweis «nicht für den Verkehr geeignet» gekennzeichnet. Am wenigsten Farbverfälschung hat man übrigens mit braunen, grauen oder grünen Gläsern.

Die besten Sonnenbrillen haben auch breite Bügel.

Stimmt nur bedingt. Zwar halten breite Bügel oder ein Seitenschutz Streulicht von der Seite ab. Das mag auf der Luftmatratze im Wasser sinnvoll sein. Im Strassenverkehr hingegen ist es wegen der eingeschränkten Sicht höchst gefährlich. Im Gegensatz dazu können Gläser jedoch fast nicht gross genug sein. Als Mindestmass sollten sie zumindest oben bis zu den Augenbrauen reichen und seitlich das ganze Gesicht abdecken. Das sollte bei all jenen, für welche die Sonnenbrille ein modisches Accessoire ist, aber aktuell kein Problem sein.