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Du riechst so gut!

Im Frühling nervt sie mit Allergien, doch die Nase kann uns auch retten. Etwa vor dem falschen Partner oder falschen Freunden. Und Krankheiten erkennt sie auch.

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Getty Images
27. Mai 2019

Wie bitte? Eine Krankenschwester, die eine Diagnose stellt, nachdem sie am T-Shirt eines Patienten geschnuppert hat? Das ist nicht nur vorstellbar, sondern wahr. Joy Milne (68) bemerkte eines Tages, dass ihr Mann anfing, ungewöhnlich zu riechen. Der Grund stellte sich später nach einer genaueren Arzt- untersuchung heraus: Er hatte Parkinson. Inzwischen wurde ihre Fähigkeit, diese Krankheit zu riechen, untersucht und bestätigt.

Die Wissenschaftler haben nun mit ihrer Hilfe drei Substanzen isoliert, die bei diesem Geruch eine wichtige Rolle spielen. Das Ziel ist ein Früherkennungstest für Parkinson. Joy Milne erzählte dem Fernsehsender BBC, dass sie dieser Geruch schon störte. Doch weil sie ihren inzwischen verstorbenen Mann liebte, habe sie versucht, deswegen nicht zu viel zu nörgeln.

Gegensätze ziehen sich an

Die Zu- oder Abneigung gegenüber dem Geruch von Menschen muss aber nicht unbedingt etwas mit einer Krankheit zu tun haben. Es kann auch einfach Liebe sein – oder eben keine. Denn Menschen, die einander nicht gerne riechen, wollen sich wahrscheinlich auch nicht gerne näherkommen. Dagegen entwickeln Männer und Frauen, die sich gut riechen können, wohl eher Gefühle füreinander. Parfums, duftende Cremes oder Deos spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Was die Reaktionen auslöst, ist der Eigengeruch.

Der Duft macht uns nicht willenlos

Und dieser wird offenbar beeinflusst von unserem Immunsystem, genauer von den HLA-Molekülen, die unter anderem bei der Erkennung körperfremder Stoffe eine Rolle spielen. Und es gibt verschiedene HLA-Typen. Dabei ist es jedoch nicht das genetische Ziel, dass gleiche Immuntypen zusammenfinden, sondern solche, die sich unterscheiden. Das ergibt ein schlagkräftigeres Immunsystem beim Nachwuchs.

Je optimaler der Unterschied, desto besser können sich zwei Menschen riechen. Diesen Geruch können auch künstliche Duftwässerchen nicht übertünchen. Ob das Immunsystem eines potenziellen Partners unser eigenes optimal ergänzt oder nicht, riechen wir dank empfindlicher Rezeptoren trotzdem.

Aber natürlich verfällt man nicht einfach willenlos allen Menschen, die man gut riechen kann. Denn es spielen eine Vielzahl von Faktoren eine Rolle, wenn es funkt. Die Nase trifft jedoch offenbar eine Vorauswahl. «Der Boden einer Partnerschaft ruht auf vielen verschiedenen, differenzierten Pfeilern und das HLA- Molekül ist einer davon», schreibt die junge Wissenschaftlerin Jana Kromer. Die 28-Jährige hat in ihrer viel beachteten Doktorarbeit an der Universitätsklinik Carl Gustav Carus Dresden (D) herausgefunden, dass Partner, die bestimmte, unterschiedliche HLA-Moleküle besitzen, sich nicht nur gerne riechen und deshalb zusammengefunden haben. Sie sind allgemein zufriedener mit ihrer Beziehung, auch mit ihrem Sexualleben, und hegen auch öfter den Wunsch nach Kindern.

Gleich und Gleich bei Freunden

Bei Freundschaften spielt der Geruch ebenfalls eine Rolle. Und zwar gibt es hier besonders viele Übereinstimmungen bei Genen, die mit dem Geruchssinn zu tun haben und dem Geschmack. Das haben die beiden Forscher James Fowler (49) von der University of California in San Diego und Nicholas Christakis (57) von der Yale University New Haven (beide USA) herausgefunden. Gemäss ihrer Studie gleichen sich Freunde genetisch so stark, als hätten sie gemeinsame Ur-Ur-Ur-Grosseltern. Die Wissenschaftler sprechen deshalb von «funktionaler Verwandtschaft», Freunde sind also quasi die Verwandtschaft, die man sich aussucht. Was das Immunsystem angeht, lässt sich auch hier ein ähnliches Muster erkennen wie bei Liebespaaren: Freunde unterscheiden sich stärker punkto Immuntyp als Verwandte untereinander.