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Bei Anruf Coach

Update Fitness hat im Sommer eine Neuheit lanciert: die Fernbetreuung. Um längere Öffnungszeiten bieten zu können, steht in ausgewählten Filialen phasenweise ein Trainer über den Bildschirm zur Verfügung.

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07. Oktober 2019

Redaktor Fabian Kern (44) im Gespräch mit Vivienne Fitze.

Plötzlich ertönt eine Stimme über den Lautsprecher: «Hier spricht Vivienne. Janete ist jetzt gegangen. Bei Fragen und anderen Anliegen, wendet euch einfach an mich.» Es ist Freitag, 13 Uhr. Fitnesstrainerin Janete Dantas (36) verabschiedet sich nach einem kurzen Telefonat mit der Zentrale. Die nächsten drei Stunden wird kein Betreuer im Update-Center Binningen BL anwesend sein.

Wachsendes Netz

Fernbetreute Update-Center in sechs Kantonen

Den Datenschutz nimmt Update Fitness sehr ernst. Einzig der Live Coach verfügt über ein Bild in Echtzeit. Videoaufnahmen werden nicht gespeichert und eine Gesichtserkennungssoftware wird nicht eingesetzt.

In folgenden Update-Filialen kommt die Fernbetreuung zum Einsatz:

Bestehend

  • Weinfelden TG Central
  • Binningen BL
  • Bischofszell TG
  • Altstätten SG
  • Aadorf TG
  • Frauenfeld TG
  • Gossau SG (Zentrale)
  • St. Gallen Central

seit 7. Oktober

  • Bern Marzili (Zentrale)

ab 28. Oktober

  • Grosshöchstetten BE
  • Wettingen AG

bis Ende 2019

  • Thun BE
  • Basel Dreispitz
  • Reinach AG
  • Bern Schönburg

www.update-fitness.ch

Hat ein Kunde aber eine Frage zu einem Gerät, oder das Licht in der Garderobe brennt nicht, dann kann er über das Video-Terminal im Eingangsbereich Kontakt zu Trainerin Vivienne Fitze (21) in der Zentrale in Gossau SG aufnehmen. Ist die Leitung besetzt, erscheint auf dem Bildschirm der Satz: «Lieber Gast, unser Coach ist gerade im Gespräch mit einem anderen Gast.» Ansonsten sieht man den Coach per Live-Kamera an seinem Pult sitzen und kann ihn mit einem Fingertipp auf den Bildschirm anrufen.

Positives Feedback

Weil der Coach die ganze Anlage überwacht, kann der Gast ihm auch eine Frage an einem Gerät stellen, dann allerdings über den Lautsprecher. So könnte er auch eingreifen, wenn er sieht, dass jemand eine Übung völlig falsch umsetzt. «Das tut er aber nur, wenn er sieht, dass es gesundheitsgefährdend ist, indem er den Gast an das Terminal bittet», sagt Michael Ammann (49), Geschäftsführer von Update Fitness.

Dass Update Fitness Pionier in Sachen Fernbetreuung ist, überrascht. Denn der Trend zu unbetreuten Anlagen besteht schon seit Jahren – aber eben: unbetreut. Die Idee kam der Fitness-Kette bei der Übernahme einer trainerlosen Filiale. «Wir haben den Grundsatz, die Gäste nie ohne Betreuung trainieren zu lassen», erklärt Ammann. «Gleichzeitig stellten wir ein wachsendes Bedürfnis nach längeren Öffnungszeiten fest.» Die Fernbetreuung ist nun der Kompromiss aus diesen beiden bisher unvereinbaren Ansprüchen.

«Ich hätte mit mehr kritischen Stimmen gerechnet, da es sich doch um markante Veränderungen handelt», gesteht Ammann, der Update Fitness im Jahr 1997 zusammen mit seinem Bruder Andrej (46) gründete. Doch das Feedback der Mitglieder war durchgehend positiv. Kein Wunder, stellt das Modell doch eine klassische Win-win- Situation dar. Der offensichtlichste Vorteil betrifft die Öffnungszeiten. «Wir können bis zu 30 Stunden länger pro Woche und Anlage offen haben, ohne mehr Personal einzustellen oder an Qualität einzubüssen», sagt Ammann.

Massgeschneiderte Technik

Der Hauptgrund, warum bis jetzt noch kein anderes Fitnesscenter eine Fernbetreuung lancierte, dürfte der nicht zu unterschätzende technische Aufwand sein. Zwei Jahre lang tüftelte Ammann zusammen mit einem Anbieter für Alarmanlagen-Software an einer Lösung, wie sie nun schon in fünf Anlagen zur Anwendung kommt.

Damit wird der Trainer in der Zentrale zum Herr über die fernbetreuten Anlagen. Auf dem Bildschirm hat er die Live-Videoansicht der Center sowie die Liste der jeweils eingecheckten Mitglieder. Er kann das Licht löschen, die Lautsprecher regulieren oder die Türen öffnen und schliessen.

Das Netz der fernbetreuten Anlagen wird seit dem Start im Juni in Aadorf TG laufend ausgebaut. Diese Woche nimmt die zweite Zentrale in Bern Marzili ihren Betrieb auf. Doch die neue Form der Gästebegleitung hat auch ihre Grenzen, denn es kommen nur wenig frequentierte Zeiten für die Fernbetreuung infrage. Um allen Bedürfnissen gerecht zu werden, dürfen nicht zu viele Gäste gleichzeitig am Trainieren sein. «Die persönliche Betreuung steht bei uns immer noch im Vordergrund», betont Ammann. «Deshalb wird eine Anlage nie zu mehr als 50 Prozent fernbetreut.»