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Frisch geduscht, voll verschwitzt

Schweiss, lass nach! Die wichtigsten Fragen und Antworten zum lästigen Phänomen des Nachschwitzens.

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Getty images
09. September 2019

Wenn man nach dem Sport und der anschliessenden Dusche wieder übermässig schwitzt, ist das zwar extrem lästig, aber kein Grund zur Sorge.

Wer Sport treibt, kennt die Situation: Nach anstrengenden Trainingseinheiten gönnt man sich eine wohltuende Dusche. Schliesslich hat man währenddessen ordentlich Flüssigkeit abgegeben und will den Schweiss loswerden. Doch kaum hat man sich abgetrocknet und seine Kleider angezogen, kommt der feuchte Schrecken: Ein Schweissausbruch folgt dem nächsten – und man ist samt frischen Klamotten wieder pflotschnass. Was kann man gegen das Nachschwitzen tun? Und wie entsteht es?

Was passiert beim Nachschwitzen im Körper?

«Schwitzen ist eine ganz natürliche Funktion», erklärt Severin Läuchli, Oberarzt an der Dermatologischen Klinik am Universitätsspital Zürich und ärztlicher Leiter des Dermatologischen Zentrums in Zürich. «Sobald wir uns über eine längere Zeit anstrengen, heizt sich unser Körper um etwa ein bis zwei Grad auf.» Der Körper versucht, die Überhitzung auszugleichen. «Er legt einen Flüssigkeitsfilm, also Schweiss, auf die Haut. Verdunstet dieser, kühlt sich der Körper wieder ab», so Läuchli. «Bei langen und heftigen Anstrengungen dauert dieser Prozess länger und das Schwitzen hält auch länger an.»

Neigen manche Menschen eher zum Nachschwitzen?

«Das liegt an der genetischen Veran­lagung: Grundsätzlich gibt es Leute, die schneller und stärker schwitzen», so der Experte. Diese reagieren empfindlicher auf Auslöser psychischer oder körperlicher Natur – und schwitzen auch stärker nach. «Andererseits gibt es aber Menschen, die kaum schwitzen.»

Schwitzen Sportler weniger nach als nichttrainierte Menschen?

«Dieses Vorurteil hält sich hartnäckig; es ist aber genau anders herum», sagt Severin Läuchli, der von 2006 bis 2018 die Sprechstunde für vermehrtes Schwitzen am Universitätsspital Zürich leitete. «Sportler fangen schneller an zu schwitzen. Ihre Schweissdrüsen sind es gewohnt, rasch Feuchtigkeit zu produzieren, um den Körper herunterzukühlen.»

Kann man das Nachschwitzen vermeiden, indem man weniger trinkt?

Das Schwitzen während des Trainings ist wichtig. «Steht dem Körper zu wenig Flüssigkeit zur Verfügung, um Schweiss zu produzieren und sich abzukühlen, kann das fatale Folgen haben», warnt Läuchli.

Was begünstigt das Nachschwitzen?

«Vermeiden Sie besonders scharf ­gewürzte Speisen oder Kaffee mit ­seinem Koffein!», rät er. Diese sind ­generell für verstärktes Schwitzen ­verantwortlich.

Was kann man gegen das Nachschwitzen tun?

Der Zeitfaktor spielt nach Angaben des Fach- und Oberarztes eine entscheidende Rolle. So empfiehlt er: «Hetzen Sie nicht sofort nach dem Training zum nächsten Termin, sondern gönnen Sie Ihrem Körper genügend Zeit zum Abkühlen.» Nach dem Training sollte man also eine genügend lange Cool-Down-Phase einbauen. Die Dauer des Nach- schwitzens ist individuell unterschiedlich und hängt auch von der Länge und der Intensität der Anstrengung ab – manche brauchen fünf Minuten, andere eine halbe Stunde. Am besten beobachtet man das Phänomen bei sich selbst und lernt daraus, wie viel Zeit der Körper zur Abkühlung beansprucht. Ausserdem sollte man nach dem Training nicht kalt duschen. «Das verwirrt den Körper», so der Experte. «Denn er will dann die Kälte, die von aussen kommt, kompensieren und heizt sich wieder auf.» Er rät zu einer lauwarmen Dusche.

Gibt es Hausmittel?

Salbeitropfen oder Salbeitee über eine längere Zeit eingenommen, sollen laut Volksmund übermässiges Schwitzen mildern. Dem widerspricht Läuchli: «Mir ist keine Behandlung bekannt, bei der Salbei wirklich geholfen hat.» Für starke Schwitzer empfiehlt er Antitranspirationsmittel, die Aluminiumsalze enthalten. «Diese können das Schwitzen im Allgemeinen und ein wenig auch das Nachschwitzen reduzieren.» Bei übermässigem und ständigem Schwitzen ohne adäquate Auslöser wie Sport, rät er, einen Dermatologen zu konsultieren.