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Fit & Happy

In Gesellschaft lebt es sich länger

Mehr Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen schützt vor Demenz und Krankheit.

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Getty Images
15. August 2019

Fit und gesund bis ins hohe Alter: Wer viele Freunde hat, bleibt auch länger jung.

Der Mensch ist von Natur aus ein soziales Wesen. Das liegt in unseren Genen. Und darauf sind auch Psyche und Körper ausgelegt: unter anderen Menschen aufwachsen und älter werden, andere treffen, mit ihnen zusammen Spass haben, gemeinsam lernen und sich weiterbilden, Sport treiben, Pläne schmieden – das alles hält uns laut Untersuchungen nicht nur gesund und fit bis ins hohe Alter, sondern macht auch glücklich. Wer dagegen einsam ist, der verpasst nicht nur viel im Leben. Einsame sterben früher und bekommen auch häufiger gesundheitliche Probleme.

Die kanadische Psychologin Susan Pinker (62) sieht soziale Kontakte daher wie eine Impfung: «Der direkte Kontakt zu anderen Menschen, das Händeschütteln oder Highfive geben, das setzt eine ganze Reihe von Substanzen im Körper frei», sagt sie. Zum Beispiel Oxytocin, das den Kortisonspiegel im Blut und somit den Stresslevel mindert. Oder Dopamin, das uns ein zwischenzeitliches Hoch beschert und nebenbei wie natürliches Morphin Schmerzen lindert.

Die soziale Auseinandersetzung ist zudem ein wichtiges Hirnleistungstraining. Gerade im Alter. Vergleiche von über 80-Jährigen zum Beispiel auf der griechischen Insel Ikaria oder im japanischen Ogimi zeigen: Auch wenn jeder der dort lebenden Hochbetagten sich anders ernährt und anders lebt, so ergibt sich doch eine Gemeinsamkeit: Wer mehr Freunde hat, ist geistig fitter. Der Grund: Die Interaktion mit anderen trainiert das Gehirn und das Erinnerungsvermögen. Gespräche erweitern das eigene Denken und geben neue Inputs über die Welt.

Krank durch Einsamkeit

Freunde und Bekannte machen uns auf einen ungesunden Lebensstil aufmerksam, geben Ratschläge oder leben vor, wie man seinen Lebensstil durch gesünderes Essen und mehr Bewegung positiv verändern kann. Und sie verabreden sich mit uns. Wer im Verein Sport macht, Karten spielt oder tanzt, der hat verbindliche Spiel- und Trainingszeiten und muss sich nicht immer alleine aufraffen. Auch sich in der Kirche zu engagieren hilft. Hier sind schädliche Substanzen wie Alkohol oder Zigaretten verpönt, Gebete lösen den Stress und freiwillige Helferdienste bringen einen mit Menschen zusammen. Das sorgt für ein gutes Gefühl.

Fehlen hingegen Sozialkontakte, dann führt das meist zu Einsamkeitsgefühlen. «Diese machen auch aus kleinen Gesundheitsschäden ein grosses Leiden», sagt der Zürcher Altersforscher Albert Wettstein (72) und verweist auf die Schweizer Gesundheitsbefragung. Dort gaben in einer Gruppe von 100 Personen, die sich kaum je einsam fühlen, nur 20 an, unter starken Beschwerden zu leiden. In einer Gruppe, die sich oft einsam fühlt, klagten dagegen 80 über starke Beschwerden aller Art.

Erhöhtes Sterberisiko

«Sozialbeziehungen schützen nicht nur deutlich vor Demenz, sondern auch vor vielen anderen potenziell tödlichen Krankheiten wie Herz-Kreislauf- Erkrankungen und Krebs», so Wettstein. Denn zieht sich jemand sozial zurück, dann fehlten oft auch körperliche Aktivitäten und die soziale Kontrolle. Dadurch ist auch das Risiko früher zu sterben erhöht. Das zeigen Beobachtungen bei mehreren Millionen Menschen. Das Risiko sei dabei genauso gross oder sogar grösser, als frühzeitig an krankhaftem Übergewicht oder einer anderen Zivilisationskrankheit wie Diabetes zu sterben.

Allerdings: «Vor Einsamkeit schützen nicht die täglichen beruflichen Kontakte im Büro, sondern nur Sozialkontakte, die verbunden sind mit gemeinsam verbrachter Zeit, ohne dabei eine Aufgabe erledigen zu müssen», sagt Albert Wettstein. Das kann persönlich sein, am Telefon oder über den PC. «Besonders aber der Austausch von Zärtlichkeiten, wie die Hand des Partners zu streicheln oder das Umarmen von Freunden, hilft zusätzlich».