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Energie im Fluss

Die Traditionelle Chinesische Medizin geht sanfte Wege, welche die westliche Medizin ergänzen. Zu ihren ganzheitlichen Methoden gehören auch Qigong und Taiji, die beide durch gezielte und langsame Bewegungen zu Gesundheit und Ausgeglichenheit verhelfen können.

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Getty Images
22. April 2019

Die asiatische Version von Frühsport sieht einfacher aus, als sie ist.

Im Zentrum steht das Qi. Ausgesprochen wird es «Tschi» und steht für Lebens- energie. Ohne sie läuft in der Vorstellung der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) im wahrsten Sinne des Wortes nichts. Das Qi muss ungehindert durch alle Meridiane – die Energiebahnen – im Körper fliessen können, damit sich der Mensch entspannen kann und gesund ist. Um dies zu erreichen, bedient sich die TCM verschiedener Methoden. Zwei davon sind die Bewegungstechniken Qigong und Taiji. Die deutlich ältere Technik ist Qigong, dessen Ursprung wohl bis ins dritte Jahrtausend vor Christus zurückreicht. «Qi» hat in der chinesischen Sprache viele Bedeutungen: Luft, Atem, Lebenskraft, Energie. «Gong» steht für das Pflegen, Kultivieren und Verfeinern der eigenen Vitalität durch beständiges Üben. In der Bewegungskunst Qigong sollen mittels genau definierter Übungen die Abwehrkräfte und die Lebensenergie mobilisiert und gestärkt werden. Es gibt eine Vielzahl solcher Übungen, die zum Teil Tiernamen tragen und Schrittfolge oder Körperhaltung etwa von Affe, Tiger oder Kranich nachempfinden. Dabei werden Kraft, Geschmeidigkeit und Gleichgewicht trainiert.

«Die mit Achtsamkeit ausgeführten bewegten oder stillen Qigong-Formen stärken die Gesundheit ganz allgemein, fördern und regulieren einen gleichmässigen Energiefluss in den Meridianen», erklärt Beatrice Gemperli-Link (54) von der Schweizerischen Gesellschaft für Qigong und Taijiquan (SGQT). «Das morgendliche Üben weckt die Lebenskraft, stärkt den Kreislauf und die Nerven, während das abendliche Üben vor dem Schlafen beruhigt.» Eine besondere Qualität bekomme das Training, wenn man mit dem Yi übe, also mit gezielter Vorstellung und bewusster Wahrnehmung. «Die Schülerinnen und Schüler schätzen dabei die Wärme, die sich im Körper ausbreitet, das Wohlbefinden und die innere Ruhe.»

Aus Kampf wird sanftes Training

Quasi der jüngere Bruder des Qigong ist Taiji. Entwickelt hat es sich angeblich im 17. Jahrhundert aus bestehenden chinesischen Kampfkünsten. Im Laufe der Jahrhunderte sind verschiedene Taiji-Stile entstanden, in denen die Aspekte der Gesundheitsförderung, Meditation und Kampfkunst unterschiedlich stark gewichtet werden. «Die Bewegungen im Taiji gleichen einem Wasserlauf», erklärt Beatrice Gemperli-Link. «Je nach Stil können diese dynamisch und spritzig wie ein Wildbach sein oder aber eher an einen gemächlich vorbeiziehenden, breiten Fluss erinnern. Beides fliesst geschmeidig und kraftvoll.»

Das Zusammenspiel von achtsam entspannter Bewegung sowie bewusster Atmung hat zahlreiche gesundheitliche Effekte. Regelmässiges Training von Qigong und Taiji fördert Entspannung und Beweglichkeit und wirkt sich positiv auf Nervensystem, Atmung, Kreislauf, Verdauung sowie Stoffwechsel aus. In einer Publikation der berühmten Harvard Medical School in Boston (USA) steht denn auch: «Taiji wird oft als ‹Meditation in Bewegung› beschrieben, man könnte es aber auch ‹Medikation in Bewegung› nennen.»

Wissenschaftlich bestätigt

Taiji und Qigong kann man in jeder Lebensphase betreiben. Gerade im Hinblick auf ein gesundes Alter lohnt es sich, bereits in jüngeren Jahren damit anzufangen. Denn laut einer Studie der Uni Zürich sind Männer zwischen 40 und 75 Jahren, die mindestens viermal pro Woche Taiji, Qigong oder Kung Fu ausüben, deutlich fitter als jene, die dies nicht tun. Zudem war ihre Stimmung besser und sie fühlten sich ausgeglichener. Für Frauen gilt dies natürlich ebenfalls. Beide Methoden sind also eine hervorragende Gesundheitsvorsorge. 

Welttag des Taiji und Qigong

Seit gut 20 Jahren wird jeweils am letzten Samstag im April der Welttag des Taiji und Qigong begangen. An diesem Tag – dieses Jahr ist es der 27. April – finden in vielen Städten auf der ganzen Welt Taiji- und Qigong-Workshops und -Vorführungen statt.

Mitglieder der SGQT organisieren folgende öffentliche Events:

  • Aarau: Gemeinsames Üben von Taiji und Qigong, Vorführungen, Infostand (10-14 Uhr; Kantonsspital Aarau, Wiese zwischen Haus 6 und dem Kinderspielplatz)
  • Ascona TI: Taiji und Qigong (10-12 Uhr; Parco parsifal)
  • Bern: Qigong Schnupperstunde (10-11 Uhr; Kleine Schanze, Weltpostdenkmal; nur bei trockenem Wetter)
  • Birrwil AG: Frühlings-Qigong amSee (8.30-10 Uhr; Treffpunkt ist die Badi Birrwil)
  • Brig VS: Qigong-Schnupperstunde (9.30-11 Uhr; Stockalperpark; bei Regen unter den Arkaden)
  • Interlaken BE: Offenes Üben von Taiji (10-11 Uhr; Kursaal-Garten, bei Regen im Hapimag Resort)
  • Küsnacht ZH: Qigong und Taiji zum Kennenlernen (10-11 Uhr; Wiese beim Rumensee, Zumikerstrasse; nur bei trockenem Wetter)
  • Romanshorn TG: Qigong-Schnupperstunde (8.30-9.30 Uhr; Treffpunkt ist der Parkplatz vor der Minigolfanlage; nur bei trockenem Wetter)
  • Schaffhausen: Qigong und Taiji – offenes Üben auf der Wiese beim Munot (10-11 Uhr; bei Regen siehe www.qispace.ch
  • St. Gallen: Qigong für Interessierte (9.30-11.30 Uhr; im Quartiert Sömmerli/Lachen, auf der Wiese bei der Valida, bei Regen in der Turnhalle)
  • Wald ZH: Offenes Taiji-Training (9-10 Uhr und 10.30-11.30 Uhr; Neumühleweg 3 in Wald)
  • Wil SG: Offenes Üben von Taiji und Qigong (10-11.30 Uhr; im Park am Stadtweiher; bei Regen in der Klosterwegturnhalle 3, Klosterweg 15, Wil)
  • Zürich: Taiji beim Chinagarten (10-12 Uhr, Treffpunkt ist der Kieselsteinplatz vor dem Chinagarten; nur bei trockenem Wetter)
Weitere Informationen hier: http://www.sgqt.ch/