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Schwitzkur in der Hütte

Es schnieft und hustet überall: Mit der kalten Jahreszeit machen sich Viren und Bakterien wieder auf Opfersuche. Regelmässige Saunagänge rüsten die Abwehr auf.

04. Februar 2019

Richtige Sauna-Fans gönnen sich das Vergnügen in der Schwitz- kammer das ganze Jahr über.

Für die einen bedeutet Sauna Erholung. Andere können sich nicht vorstellen, was daran gemütlich sein soll: bei schier unerträglicher Hitze nackt mit anderen in einem Raum zu schwitzen? Die Idee hatten nicht die Finnen. Schon die alten Römer schmachteten in ihrem Laconium, einem trockenen Schwitzbad mit Temperaturen um die 60 Grad. Die hierzulande am weitesten verbreitete finnische oder klassische Sauna mit Temperaturen von 80 bis 100 Grad hat ihren Ursprung aber wohl in Ostasien vor über 1500 Jahren. Die Finnen sorgten später für den Feinschliff der Saunakultur. Das Land gilt heute noch als Saunaland schlechthin. Sogar zum Geschäftsmeeting trifft man sich dort im Schwitzraum.

Während im hohen Norden so mancher über seine Privatsauna verfügt, nutzen hierzulande die meisten das öffentliche Angebot. Sauna aber bleibt Sauna: Geheizt wird mit Holz oder – heute häufiger – elektrisch. Der Innenraum ist mit Holz ausgekleidet und verfügt über mehrstufige Sitz- oder Liegeflächen. Je weiter oben, desto wärmer.

Rosige Haut am ganzen Körper

Anfänger stapeln also zuerst besser tief. Und wem die oberste Stufe nicht genug auf die Schweissdrüsen drückt, kann die Temperatur zumindest gefühlt noch mit einem Aufguss erhöhen. Mit wahlweise duftendem Wasser, das über heisse Steine auf dem Ofen gegossen wird. Spätestens jetzt fliesst der Schweiss aus allen Poren.«Eine Frau sieht nie besser aus als nach der Sauna», besagt ein finnisches Sprichwort. Tatsächlich regt die Hitze die Durchblutung an und lässt die Haut rosig und straffer wirken – natürlich auch beim Mann. Die Effekte aber sind noch viel tiefgründiger. Zwischen 8 und 12, maximal 15 Minuten dauert ein Saunagang. Dabei schwitzen wir schon mal bis zu 30 Gramm Flüssigkeit pro Minute heraus. Das Blut wird leicht dickflüssiger, der Organismus kompensiert dies mit Wasser aus Muskeln, Fett- und Bindegewebe, womit auch Abfallstoffe aus dem Gewebe ins Blut und später in den Urin gelangen. Damit dies funktioniert, sollte man auch während den jeweils rund 30 Minuten Pause zwischen den Durchgängen nichts trinken. Erst ganz am Schluss, nach zwei bis drei Durchgängen, gibts Wasser oder ungesüssten Tee, und zwar reichlich.

Muss ich nackt in die Sauna?

«Ein Gesetz dafür gibt es natürlich nicht, aber grundsätzlich ist es in der Schweiz üblich, ohne Badekleid in die Sauna zu gehen», sagt Claude Ammann (51), Vorstandsmitglied des Saunaverbandes Schweiz. Auch, damit kein Hitzestau entstehe und das Schwitzen beziehungsweise Aufwärmen/Abkühlen ungestört funktioniere. Wem die Nacktheit unangenehm ist, dem empfiehlt Claude Ammann, mit getrennter Sauna anzufangen. «Und selbstverständlich können jederzeit zwei Hand- tücher mitgenommen werden. Eines zum Draufsitzen oder -liegen und eines, um sich damit zu bedecken.»

Das Saunieren aktiviert vor allem das körpereigene Immunsystem. Perfekt für die kalte Jahreszeit, wenn überall Viren und Bakterien lauern. Nur halb so oft wie andere sollen Saunafans krank werden, die Finnen bezeichnen die Sauna auch als «Apotheke für Arme». Es ist aber nicht so, dass Bakterien oder Viren herausgeschwitzt werden. Im Gegenteil: Wer schon erkältet ist, hat in der Schwitzkammer nichts zu suchen. Jedoch erwärmt sich in der Sauna die Hautoberfläche um bis zu zehn Grad, die Körpertemperatur steigt um ein bis zwei Grad. Vergleichbar mit Fieber. Der Körper geht in Alarmbereitschaft, aktiviert die Abwehrzellen, der Stoffwechsel wird angeregt, während sich die Blutgefässe erweitern und die Herz- wie auch die Atemfrequenz steigen. Echtes Hochleistungstraining also für das Herz-Kreislauf- wie auch das Abwehrsystem. Dies aber nur, wenn nach dem Saunagang die Abkühlung folgt. Zuerst an der frischen Luft, anschliessend unter der kalten Dusche. Oder im Kaltwasserbecken. Wenn es die Gesundheit zulässt. Allgemein gilt: Personen mit chronischen Erkrankungen, Herz-Kreislauf- oder Gefässerkrankungen, aber auch Lungen- oder Nierenproblemen fragen besser im Voraus den Arzt. Und auch alle anderen sollten nichts erzwingen. Denn schlussendlich soll Saunieren Spass machen. Auch wenn es sich manche nicht vorstellen können.