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Fit & Happy

Weg mit dem Pyjama?

Zugegeben, in einer Tropennacht ist es verlockend, für einmal einfach nackt zu schlafen und die kühlende Luft auf dem Körper zu spüren. Die Idee ist aber mässig gut.

22. Juli 2019

Nackt und doch ein wenig zugedeckt: keine schlechte Wahl.

So bleibt das Schlafzimmer kühler

Wer sich wohl fühl, schläft besser

  • Für «Nicht-Nacktschläfer» ist eine Raumtemperatur im Schlafzimmer von 17 bis 18 Grad ideal. Deshalb:
  • Machen Sie möglichst nicht den gegen Süden ausgerichteten Raum mit riesiger Fensterfront zum Schlafzimmer.
  • Verdunkeln Sie den Raum tagsüber.
  • Öffnen Sie frühmorgens und nach Sonnenuntergang die Fenster zum Durchlüften. Ein Ventilator sorgt für einen schnelleren Luftaustausch. Dieser sollte zum Schlafen jedoch wieder ausgeschaltet oder zumindest nicht auf den Körper gerichtet sein.
  • Entfernen Sie elektronische Geräte aus dem Raum.
  • Textilien wie Teppiche oder Vorhänge speichern die Wärme und verzögern die Auskühlung.

Eigentlich wäre eine Lufttemperatur von 27 Grad ideal für den nackten menschlichen Körper. Dann muss er weder kühlen noch wärmen. Im Schlafzimmer aber heizt nur schon die Matratze von unten. Kommen dann noch Pyjama und Decke hinzu, wird es schwierig, im Sommer diese Wohlfühltemperatur-Limite nicht zu überschreiten. Wieso also nicht einfach alle Textilien weglassen, die Decke zur Seite schieben und dem kühlendem Lüftchen freien Zugang zur Haut verschaffen? Eine schlechte Idee, sagt Jens Acker (47), Chefarzt der Klinik für Schlafmedizin in Bad Zurzach AG. Zwar sind Acker keine Schlafstudien bekannt, welche spezifisch das Pro und Contra des Nacktschlafens untersuchen. Und tatsächlich schlafen wir besser ein, wenn der Körper nicht am natürlichen Prozess gehindert wird, über Nacht die Temperatur um ein halbes bis ganzes Grad zu senken. Was das Schlafen, vor allem das Einschlafen, anbelangt, sind wir jedoch Gewohnheitstiere. «Weil nackt zu schlafen in unserer Kultur nicht die Norm ist, werden wir bereits als Baby eng in Decken und Kleidung gepackt, was uns ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt. Entsprechend kann es später sein, dass wir ohne dieses Geborgenheitsgefühl schlecht einschlafen können, zumindest, wenn wir unsere Gewohnheit nur für einzelne Nächte im Sommer ändern wollen.»

Im Tiefschlaf wehrlos

Anders sieht es aus, wenn man immer nackt schläft. Wieso also nicht per se umgewöhnen? Schliesslich schwören nicht wenige auf das Freiheitsgefühl und im eigenen Zuhause stört sich kaum jemand daran. Einige behaupten sogar, Nacktschlafen sei besonders gesund oder mache schön. Weder das eine noch das andere kann Jens Acker bestätigen. Schädlich sei das Nacktschlafen aber sicher nicht. Sofern man ein paar Sicherheitshinweise beachte.

Das grösste Problem: In der Tiefschlafphase reguliert unser Körper die eigene Temperatur nicht mehr automatisch. Was in tropischen Ländern kaum stört, kann in der Schweiz zum Verhängnis werden. «Denn hierzulande kühlt die Aussentemperatur auch im Sommer meist irgendwann so sehr ab, dass man sich nackt im Durchzug liegend leicht unterkühlt.» Aufgrund der langsameren Reflexe wachen wir auch nicht sofort auf. Es bräuchte also jemanden, der wach bleibt und uns nun zudeckt. Oder aber man schützt sich doch von Beginn an zumindest mit einem leichten Leinentuch. Auch dann aber gilt es, an den hygienischen Aspekt zu denken. So verlieren wir im Bett Haare, Hautschuppen und sehr viel Flüssigkeit. Zwischen einem halben und einem ganzen Liter Schweiss. Im Sommer auch mehr. Ohne bequeme Schlafkleidung, die zumindest ein wenig davon auffängt, geht alles direkt in die Bettwäsche und die Matratze. Häufigeres Wäschewaschen ist dann Pflicht.

Über Umwege hilft es trotzdem

«So kommt, wer nackt nebeneinander liegt, durchaus schneller in Stimmung. Und bei körperlicher Nähe, ob Streicheln oder Sex, wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet.»

Jens Acker, Chefarzt der Klinik für Schlafmedizin

Trotz fehlendem Pyjama könnte der Wäscheberg deshalb also eher zu- statt abnehmen. Wer dies nicht scheut, kann den Versuch des Nacktschlafens durchaus wagen: Und vielleicht auf ganz anderer Ebene profitieren? Denn nicht vergessen werden dürfe die partnerschaftliche Komponente, fügt Jens Acker zum Schluss an. «So kommt, wer nackt nebeneinander liegt, durchaus schneller in Stimmung. Und bei körperlicher Nähe, ob Streicheln oder Sex, wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet.» Tatsächlich soll dieses «Kuschelhormon» die Bindung stärken, glücklich machen, Stress mindern – und beim Einschlafen helfen. So gesehen: Vielleicht ist das Nacktschlafen dann eben doch wieder ideal für die Tropennacht. Und sei es nur für den Zeitvertrieb, weil man nicht schlafen kann.