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Soziale Netzwerke als elektronische Nabelschnur

Via Facebook, Twitter & Co. hält man mit Freunden und Verwandten Kontakt. Dabei sollte man die eigene Reputation im Auge behalten. Zukunftsforscherin Karin Frick über Lust und Last der Netzwerke sowie deren Zukunft.

FOTOS
Christoph Kaminski, zVg
19. November 2012

Soziale Netzwerke: Segen oder Fluch? Expertin Karin Frick gibt Auskunft, wie man sich mit der nötigen Vorsicht im Netzwerk-Dschungel bewegt.


Interview

Coopzeitung:Soziale Netzwerke erlebten in den letzten Jahren einen regelrechten Boom. Was macht sie so beliebt?
Karin Frick: Soziale Netzwerke sind gewissermas-sen eine elektronische Nabelschnur, die uns immer und überall mit Familie und Freunden verbindet. Wir nutzen Social Media hauptsächlich, um Zuwendung zu zeigen oder zu erhalten der Harvard-Professor und Anthropologe Lionel Tiger nennt dies soziales Fellkraulen (social grooming).

Facebook laufen derzeit die Mitglieder davon, vor allem die jungen. Was steckt dahinter?
Wer eine coole Facebook-Site und viele Freunde haben will, muss dafür einigen Aufwand betreiben. Die Pflege von vielen Freundschaften braucht Zeit. Mit der Lust an sozialen Medien und dem Kreis der Freunde hat auch die Last des Unterhalts zugenommen. Die Zahl der Menschen, die unter Informations- und Interaktionsüberlastung leiden, wächst stetig. Wir suchen darum einfachere Kommunikationsformen und konzentrieren uns wieder mehr auf den engeren Kreis von Freunden und Bekannten, die uns wirklich wichtig sind. Die Leute steigen aber nicht ganz aus den sozialen Medien aus, sie suchen einfach andere Kanäle, um sich mit den Leuten zu verbinden, die ihnen wichtig sind.

Haben Smartphones die Nutzung der sozialen Netzwerke verändert?
Die wachsende Verbreitung von Smartphones hat dazu geführt, dass wir Social Media noch intensiver nutzen, weil wir nicht mehr an den Schreibtisch gebunden sind. Und vor allem auch dazu, dass wir sie immer mehr standortgebunden nutzen. So fragen wir im Laden vor dem Weinregal oder der Käsetheke stehend zuerst unsere Freunde um Rat und nicht den Verkäufer. Wir navigieren mit dem Smartphone zunehmend durch den Alltag wie durchs Internet und erwarten, dass es für jedes Problem eine App gibt, die uns weiter hilft. Wir fotografieren alles, was wir haben wollen, und bestellen es direkt beim Anbieter mit dem besten Preis.


Was sollte man beachten, wenn man soziale Netzwerke nutzt? Wo stecken die Chancen und Risiken?
Social Media machen unser Leben sehr transparent. Informationen, von denen Sie nicht wollen, dass Ihr Chef oder Ihre Mutter sie bekommen, teilen Sie besser nicht in sozialen Netzwerken. Wer die Kontrolle über sein Leben behalten will, sollte sich aktiv dafür interessieren, was mit seinen Daten geschieht, und lernen, wie man sie zum eigenen Vorteil einsetzen kann.

Beruflichen Netzwerken wie Xing und LinkedIn werden künftig eine zentrale Rolle für die Jobsuche eingeräumt. Was halten Sie davon?
Soziale Netzwerke und gute Beziehungen waren im Berufsleben immer schon sehr wichtig früher nannte man dies Vitamin B. Und in Zukunft werden sie noch viel wichtiger, da viele Menschen keine feste Stelle mehr haben werden, sondern auf Zeit arbeiten oder als freie Mitarbeiter in vielen unterschiedlichen Projekten. Berufliche Netzwerke wie Xing und LinkedIn machen den Arbeitsmarkt flexibler, weil die Profile von fast allen Berufstätigen immer einsehbar sind, weil soziale Empfehlungen bei der Besetzung einer Stelle immer wichtiger werden und weil der Netzwert auch für Arbeitgeber wertvoll ist. Das soziale Netz eines Bewerbers ist bereits heute entscheidend, wenn eine Firma einen Marketingspezialisten sucht.

Wo sehen Sie die Zukunft der sozialen Netzwerke? Wie wird es in fünf Jahren aussehen?
Die Vernetzung zwischen Menschen, Informationen und zunehmend auch Dingen nimmt weiter zu. Dies führt dazu, dass die sozialen Netze, die alles mit allem verbinden, immer komplexer werden. Soziale Netzwerke werden tendenziell wichtiger werden, ohne sie geht in Zukunft nichts welches Netzwerk in fünf Jahren dominiert und über welches Gerät wir hauptsächlich kommunizieren werden, bleibt offen.

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