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Podcast-Boom

Ein Nischenprodukt wird populär immer mehr Leute hören Podcasts. Ein Erklärungsversuch mit Tipps für Einsteiger und Fortgeschrittene.

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Getty Images, Alamy, ZVG
09. Juli 2018

Wer Podcasts hört, hat die anderen Sinne (und Hände) frei fürs Putzen oder Spazieren.


Podcast

Podcasts eignen sich besser zum Entspannen als die schrille YouTube-Welt.

Angefangen hat angeblich alles mit dem US-Podcast Serial, in dem es seit 2014 um Real-Crime-Fälle geht. Zwei Jahre später, als Jan Böhmermann (37) und Olli Schulz (44) ihre Radiosendung Sanft& Sorgfältig als Podcast Fest und Flauschig auf Spotify fortsetzten, gaben sie dem in Deutschland gerade beginnenden Trend einen Schub. In den USA sind Podcasts Massenmedium, jeder dritte Deutsche hört regelmässig welche, 2017 ist der Trend in Österreich angekommen. In der Schweiz beginnen Podcasts gerade, sich auszubreiten.

Warum wohl gerade jetzt? Womöglich weil sie praktisch sind. Sie sind über Kanäle wie Spotify, Deezer oder iTunes einfach zu bekommen und wie gemacht für Mobilgeräte. Fast alle Podcasts sind reine Audiodateien: Man klebt nicht am Display und hat andere Sinne frei. Ob putzen, pendeln oder spazieren, vieles lässt sich beim Hören erledigen. Und da wäre der Entspannungsfaktor: Podcasts sind das Gegenmodell zur bunten, schnellen You-Tube-Welt. Zu hören sind Leute, die einfach nur reden. Es geht um Information und Unterhaltung ohne Bling-Bling.

Geduldige und treue Hörer

Eine Podcast-Folge ist durchschnittlich 30 Minuten lang. 80 bis 90 Prozent aller Folgen werden angespielt, wobei mindestens die Hälfte der Abonnenten die ganze Folge hört. Die Hörer sind geduldig: Die beiden bisherigen Staffeln von Serial erzählten ihre Geschichte in elf und zwölf Folgen über mehrere Monate.

Wer ein Apple-Gerät besitzt, kann Podcasts über iTunes oder die vorinstallierte Podcast-App abonnieren, Android-Nutzer müssen eine geeignete App installieren. Diese zeigt an, wenn es eine neue Folge gibt, lädt diese auf Wunsch herunter oder streamt sie. Einige Podcasts stellen täglich oder wöchentlich eine neue Folge online, andere unregelmässig. Streaming-Kanäle wie Spotify bieten ebenfalls Podcasts an. Es gibt Podcasts zu fast jedem Thema: Fussball, Feminismus, Geschichte, Technik, Reisen. Es gibt Achtsamkeits- und E-Learning-Podcasts. Die beliebtesten Podcasts beschäftigen sich mit News, Wissen, Alltäglichem, Politik und Sex.

Hörenswert - Tipps für Podcast-Neulinge und Inspirations-Suchende

Beliebt: Wissenspodcasts

Der Podcast der Radiosendung SWR2 Wissen ist in Deutschland einer der meistgehörten. Ein tolles Häppchen ist dafür der SRF-Podcast 100 Sekunden Wissen. Es muss auch nicht immer gehobene Unterhaltung sein: Der Video-Podcast der Sendung mit der Maus landete in einem Podcast-Ranking des Hamburger Marktforschungsinstituts Splendid Research auf Platz drei.

Die Nützlichen: News

Viele Online-Newskanäle und Radiosender produzieren einen Podcast mit den Neuigkeiten des Tages. Einer der bekanntesten ist The Daily der New York Times, der fünfmal die Woche erscheint und etwa 20 Minuten lang ist.

Blick zurück: Geschichtspodcast

Hardcore History des ehemaligen Journalisten Dan Carlin ist in den USA bereits Kult. Eine der unregelmässig erscheinenden Folgen kann schon mal mehr als vier Stunden dauern. Ein guter deutschsprachiger Geschichts-Podcast ist Eine Stunde History vom Deutschlandfunk.

Die Authentischen: Herrengedeck und Fest und Flauschig

Hier wird gelabert, aber richtig: Die Radiomoderatorinnen Ariana Baborie und Laura Larsson reden in ihrem Podcast Herrengedeck bei einem Schnaps und einem Bierchen über alles, was ansteht. Brechreiz bei der Podcast-Preis-Verleihung ist genauso ein Thema wie die Tatsache, dass die Podcast-Könige Jan Böhmerman und Olli Schulz (Podcast: Fest und Flauschig) ihren Podcast nicht kennen, ansonsten geht es beispielsweise um Höhenangst, Donald Trump, Barrierefreiheit und bescheuerte Friseurnamen.

Gegen Fake-News: Hoaxilla

Richtig ernst ist es den beiden Machern von Hoaxilla, dem Hamburger Podcast des Ehepaars Alexa und Alexander Waschkau, die sich mit Hoaxes und Verschwörungstheorien beschäftigen und versuchen, dem täglichen Unsinn im Netz etwas entgegenzuhalten.

Sieht ja keiner: Sexpodcasts

Das Thema zieht und es sieht ja keiner, was man da gerade hört: Sexpodcasts gibt es eine ganze Menge. Einer der bekanntesten ist Besser als Sex. Die Journalistin Ines Anioli und das Erotikmodel Leila Lowfire reden darin offen über Liebe, Sex und Schmutzigkeiten. Pro Folge sollen etwa 150'000 Hörer zuhören.

Frauenpower: Feministische Podcasts

Nicht nur Sex geht ins Ohr, auch für feministische HörerInnen gibt es eine grosse Auswahl. Neben dem Klassiker Lila Podcast gibt es zum Beispiel den englischsprachigen Women oft he Hour von Lena Dunham oder den Kleinercast des feministischen Online-Magazins Kleinerdrei.

Querbeet: Weitere spannende Podcasts

Hrishikesh Hirway, der selbst Musiker ist, fragt im Podcast Song Exploder bekannte Bands und Musiker, wie ihre Songs entstanden sind. Bands wie Nine Inch Nails erzählen, woher sie ihre Ideen haben, welche Instrumente sie beim Zusammenstellen eingesetzt haben und wie am Ende alles zusammenging.

Die Blaue Stunde ist eine Aufzeichnung der gleichnamigen Radiosendung von Radioeins aus Potsdam. Serdar Somuncu widmet sich in den rund zwei Stunden langen Folgen grossen Themen wie Wut und Sucht, interviewt Studiogäste oder spricht über Tagespolitik.

Im Podcast Servus. Grüezi. Hallo. von Zeit online besprechen Lenz Jacobsen, Politikredakteur in Berlin, Matthias Daum aus Zürich und Florian Gasser aus Wien aktuelle politische Themen aus allen drei Ländern.

Nützliche Links:

App-Tipp

Bibliothek für die Ohren

Etwa eine Million Podcast- und Audiokanäle und noch mehr Radio- und Hörbuchdownloads lassen sich mit der App CastBox abonnieren oder downloaden. CastBox zeigt an, wenn neue Folgen zum Download bereitstehen und lädt sie auf Wunsch auch gleich auf das Handy. Auf Grundlage des Gehörten gibt die App Empfehlungen ab.

CastBox, kostenlos für iOs und Android (In-App-Käufe).