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Seitenwechsel

Einige tun es aus Neugier, andere aus Platzmangel oder um Überlastung vorzubeugen. Aber bringt es tatsächlich etwas, die Computermaus mit der linken Hand zu bedienen?

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Getty Images, zvg
15. Oktober 2018
 Rechtshändern fällt es schwer, die Maus mit der linken Hand zu bedienen.

 Rechtshändern fällt es schwer, die Maus mit der linken Hand zu bedienen.

Haben Sie – falls Sie Rechtshänder sind – schon mal versucht, die PC-Maus mit der linken Hand zu bedienen? Für die meisten Menschen ist das mühsam. Sie verwechseln ständig die Tasten und der Cursor macht nicht, was er soll. Unter Umständen zuckt die rechte Hand mit, obwohl sie die Maus gar nicht hält. Doch der Wechsel ist nicht nur anstrengend, sondern auch sinnvoll. «Das Gehirn lernt etwas Neues», sagt Theodor Landis (73), Neurologe und Spezialist für Händigkeit. «Das ist auf jeden Fall gesund.»

Dass wir eine Hand bevorzugen, liegt an der Struktur des Gehirns. Die Hirnhälften teilen sich die Arbeit auf: Die linke bearbeitet strukturierte, analytische Aufgaben wie Schreiben, Lesen und Rechnen. Rechts werden Gestik, räumliches Denken und schöpferische Aufgaben verarbeitet. Da die meisten Dinge, die wir tun, Anteile beider Hirnhälften enthalten, müssen sich diese unterhalten. Das tun sie über eine starke Nervenverbindung. Auch die Steuerung der Hände hängt von den Hemisphären ab – und zwar gegengleich. Die rechte Hand wird aus der linken, die linke Hand aus der rechten Hemisphäre gesteuert.

Falls Sie nach dieser Erklärung nicht mehr wissen, wo rechts und links ist, geht es Ihnen wie Ihrem Gehirn, wenn Sie die Maus in die linke Hand nehmen. Die gewohnten Wege der Informationsverarbeitung funktionieren nicht mehr. Das Gehirn muss sich neue suchen oder bauen. Erwiesen ist, dass beim Benutzen der nicht-dominanten Hand die Verbindungen zwischen den Hirnhälften stärker werden. Wenn die rechte Hand beim Üben zuckt, zeigt das, dass die Verschaltung noch nicht richtig funktioniert.

Da sich das Gehirn am liebsten den kürzesten Weg sucht, sind verschiedene Aufgaben beim Seitenwechsel unterschiedlich schwierig. «Mit der linken Hand zeichnen oder räumliche Aufgaben lösen wäre eventuell sogar leichter», sagt Landis. Diese Fähigkeiten werden gesteuert von der rechten Hirnseite, die auch die linke Hand steuert.

Linkshänder im Vorteil

Wer durchhält, ist nach etwa einem Monat mit der linken Hand fast genauso schnell wie mit der rechten. Ganz so gut wie mit der rechten Hand werden Links-Mauser aber nie. Bei Linkshändern ist das anders. Deshalb ging es bisher nur um Rechtshänder. Linkshänder haben es bei der Umstellung von links nach rechts nicht nur leichter, sondern werden durch Übung mit der rechten Hand sogar schneller als mit der linken.

Auch das liegt am Gehirn. «Linkshänder ist nicht gleich Linkshänder», erklärt Landis. «Bei mehr als 70 Prozent aller Linkshänder wird Sprache wie bei Rechtshändern in der linken Hemisphäre verarbeitet.» Ein Hinweis darauf, dass die Gehirnfunktionen bei vielen Linkshändern gleich verteilt sind wie bei Rechtshändern, auch wenn sie unterschiedliche Hände bevorzugen.

Andersrum mausen lohnt sich auch, weil Arbeit mit der Maus den Körper sehr einseitig belastet. Es kann zu Überlastungsbeschwerden wie Mausarm oder Karpaltunnelsyndrom kommen. Bringen spezielle ergonomische Arbeitsgeräte nichts, hilft nur noch Entlastung. Vorbeugen ist natürlich deutlich besser. Ausser dem Gehirn freut sich also auch der Körper über einen Seitenwechsel. 

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