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Sternschnuppen auf Bestellung

Über London, Singapur und Abu Dhabi könnte in Zukunft künstliches Himmelsfeuerwerk zu sehen sein. Aber das Spektakel hat seinen Preis.

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Anna Om
10. Dezember 2018
 Bleibt die Frage: Darf man sich auch bei künstlichen Sternschnuppen etwas wünschen?

 Bleibt die Frage: Darf man sich auch bei künstlichen Sternschnuppen etwas wünschen?

Wer niemanden hat, der einem die Sterne vom Himmel holt, baut sich selbst welche. Was wie eine abgedroschene Redensart klingt, setzte Lena Okajima (39) um. Die japanische Astronomin gründete im September 2011 das Unternehmen «Astro Live Experiences» (ALE), das in wenigen Jahren Sternschnuppen auf Bestellung regnen lassen will. ALE, sagt sie, sei die Bezeichnung ihrer liebsten Biersorte – die Frau hat Humor.

Weit hergeholt ist Okajimas Idee nicht. Astronomisch gesehen sind Sternschnuppen bloss Wolken kleiner Teilchen, die die Laufbahn der Erde kreuzen und dabei in der Atmosphäre verglühen. Die meisten dieser Weltraumkiesel sind nur einige Zentimeter gross. Wer solche Partikel an den richtigen Ort bringt, etwa durch eine Rakete oder einen Satelliten, produziert einen künstlichen Sternschnuppenregen. Genau das hat das Unternehmen der Astronomin vor. Astronomie, findet sie, habe durchaus Unterhaltungswert.

Der erste Satellit soll im März 2019 mit einer Trägerrakete ins All geschossen werden, beladen mit etwa 400 kleinen Kügelchen, deren Zusammensetzung streng geheim ist. Ein zweiter soll wenige Monate später folgen. Nach einem genauen Plan werden die Kügelchen dann über der Erde «fallen gelassen». Wenn alles klappt, wird es 2020 über der japanischen Stadt Hiroshima den ersten menschengemachten Sternschnuppenregen geben, der im Umkreis von 200 Kilometern sichtbar sein wird. Diese Sternschnuppen sind langsamer als natürliche und deshalb länger zu sehen. Durch die Zusammensetzung der Pellets kann der Hersteller sogar die Farbe bestimmen.

Ganz günstig für die Kunden wird diese Erfahrung jedoch nicht. Die Herstellung eines einzigen Pellets kostet laut ALE etwa 8000 Dollar. Die Beladung eines Satelliten reicht nach Berichten japanischer Medien aus, um 20 bis 30 künstliche Meteorschauer auszulösen. Für Entwicklung, Platzierung und Betrieb des extraterrestrischen Feuerwerksunternehmens sind bisher 20 Millionen Dollar angesetzt.

Okajima will Astronomie zu allen bringen, denn viele Menschen werden Sternschnuppen wegen der steigenden Lichtverschmutzung bald nicht mehr sehen können. Für alle, die hierzulande noch Sterne sehen: Eine der besten Chancen für einen natürlichen Sternschnuppenschauer im 2018 gibt es diese Woche: Der Meteorstrom der Geminiden erreicht in der Nacht vom 14. zum 15. Dezember seinen Höhepunkt. Über Zürich sind dabei etwa 33 Sternschnuppen pro Stunde zu beobachten. 

Geminiden Sternschnuppennacht 2018