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«IT ist toll und tut nicht weh»

Informatikunterricht für Mädchen, Teilzeitmöglichkeiten, Coaching – es wird viel getan, um Frauen in die IT zu bringen.

07. Januar 2019

Coaching ist einer der Bausteine bei der Förderung der Frauen in der Informatik.

In der IT arbeiten noch immer wenige Frauen. Dabei würden sie dort dringend gebraucht. Ansätze, mehr Frauen in IT-Berufe zu bringen, gibt es viele. Patentlösungen aber nicht, sagt Sonja Hof (47). Sie ist IT-Expertin und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Frauenförderung.

Sie bezeichnen sich selbst als «Technikerin mit Leib und Seele». Eine Einstellung, die nicht viele Frauen teilen. Warum finden Frauen den Zugang zum «IT-Zeug» nicht?

Die Neigung zu einem Thema ist unter anderem gesellschaftlich bedingt. Zum einen wird eingefordert, dass sich Frauen vermehrt mit Informatik beschäftigen sollen, zum anderen aber werden noch immer eher vor allem Buben angehalten, sich für technische Dinge zu interessieren. Man muss schon allen Kindern die Informatik nahebringen. Da hat sich in den letzten Jahren viel zum Guten geändert.

Sie haben in Österreich an der Universität Linz studiert. Damals mit zwei Frauen und 100 Männern. Etwas mehr Frauen sind es inzwischen schon geworden, der Frauenanteil in der Schweizer IT liegt jedoch bei mageren 15 Prozent. Unternehmen suchen händeringend Personal. Wie schafft man es, mehr Frauen in den Beruf zu bringen?

Hingehen und sagen «IT ist ganz was Tolles und tut nicht weh». (Lacht.) Viele Bemühungen drehen sich um die Frage, wie man Frauen besser anspricht. Dass IT so ein «hartes» Thema ist, schreckt Frauen eher ab, dabei ist die Berufswelt überaus flexibel und sehr breit gefächert. Während der Laufbahn kann sich die Tätigkeit auch mehrmals ändern. Da müssen Unternehmen Perspektiven kommunizieren.

Sie wollen zeigen, dass die IT kein reiner «Boys Club» ist, sagten Sie vor sechs Jahren in einem Interview. Damals waren Sie Vorsitzende von «donna informatica», der Frauen-Fachgruppe der Schweizer Informatik- gesellschaft. Wie fördert man Informatikerinnen, die schon im Beruf stehen?

Vieles ist ja schon da: Teilzeitmöglichkeiten, Arbeit von zu Hause und so weiter, in der Schweiz gibt es dazu eine gute Kinderbetreuung. Das nützt beiden Geschlechtern. Spezielle Frauenförderung ist individuell sehr verschieden. Das können Mentoring-Programme sein, Coaching, Netzwerke oder die Förderung durch Berufsverbände. Das Gesamtpaket muss für die Person stimmen. Ein Allheilmittel gibt es aber nicht.

Von wirtschaftlichen Gründen abgesehen, warum sollte man Frauen in der IT überhaupt speziell fördern?

Weil Frauen einen anderen Ansatz haben, eine andere Sprache sprechen und anders zur Gesamtsicht beitragen. Wie alle Diversitätsbemühungen stärkt dies das Ergebnis. Wir arbeiten ja nicht mehr am Fliessband, sich einzubringen ist heute erwünscht. Ich selbst muss bei dem, was ich mache, sehr viel kommunizieren und arbeite extrem viel mit Menschen.

«Frauen, traut euch, in die IT reinzuschauen!»

Sonja Hof

Das entspricht jetzt aber gar nicht dem Bild, das viele Leute von einer Informatikerin haben.

Das Bild ist in vielen Köpfen falsch. Man sieht als Erstes den Computer, um den sich alles dreht. Manche Frauen denken, IT sei etwas für Nerds, die nächtelang alleine mit der Pizzabox im Keller sitzen wollen. Die gibt es auch, die meisten arbeiten aber im Team und auch Kundenkontakte gibt es häufig.

Was raten Sie Frauen, die den Weg in die IT in Betracht ziehen?

Traut euch, reinzuschauen, der Zeitpunkt war nie besser als jetzt! Dafür muss man nicht Informatik studiert haben. Viele meiner Kollegen und Kolleginnen kommen aus ganz anderen Berufen.

Ganz ohne Know-how geht es aber nicht. Worauf achten Sie bei Neueinstellungen?

Konzeptionelle Fähigkeiten sollte jemand schon mitbringen. Die fachliche Qualifizierung alleine ist aber nicht ausschlaggebend, auch Alter und Geschlecht sind nicht speziell wichtig. Gute Kandidatinnen oder Kandidaten sind Teamplayer, können gut kommunizieren und sich auch gut in andere hineinversetzen. Und flexibel sollten sie sein.