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Jede Sekunde zählt

Eine 20 Gramm schwere Blutprobe kann mit einem zwei Tonnen schweren Auto in 40 Minuten durch die Stadt gefahren oder per 10 Kilogramm leichter Drohne in 3 Minuten ans Ziel geflogen werden.

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POST/Alessandro Della Bella (Archiv), zvg
18. März 2019

Von einem Startpad aus fliegt die Drohne zu ihrem Ziel.

Es ist 18 Uhr, als sich eine ältere Dame auf der Notfallstation des «Ospedale Italiano» in Lugano TI meldet. Die Ärztin untersucht sie und nimmt eine Blutprobe. Da das hauseigene Labor schon geschlossen ist, muss die Blutprobe zur Analyse ins «Ospedale Civico», dessen Labor rund um die Uhr besetzt ist.

Bis vor zwei Jahren wurden Blutproben, in einer Box sicher verstaut, einem Taxichauffeur anvertraut, der ins Labor fuhr. In der Luftlinie ist dieses nur einen Kilometer entfernt, doch bei hohem Verkehrsaufkommen dauerte die Fahrt bis zu 40 Minuten. Als Luca Jelmoni (51), Leiter der beiden Spitäler, erfuhr, dass die Post Tests mit dem Drohnentransport macht, war er sofort begeistert. So kam es, dass während der letzten eineinhalb Jahre die Post-Drohnen die Strecke zwischen den beiden Spitälern im Rahmen eines Pilotprojektes über 2500 Mal ohne einen Zwischenfall zurücklegten. Der vollautomatische, GPS-gesteuerte Flug dauert nur 2,5 Minuten. «Die Zeit ist ein zentraler Faktor für die Ärzte und Patienten», erklärt Luca Jelmoni.

Auf alles vorbereitet

Für andere Luftfahrzeuge ist die Drohne dank eines Geräts namens Flarm erkennbar, das der Flugkörper mitführt. «Sollte doch einmal etwas Ungeplantes eintreten, ist die Drohne mit Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet: Ihre Rotoren werden ausgeschaltet, der mitgeführte Fallschirm öffnet sich und sie gleitet zu Boden», erklärt Alexander Norman (27), Projekt-Manager des Drohnenherstellers Matternet. «Damit sie am Boden frühzeitig bemerkt wird, macht sie mit Blinklichtern und einem lauten Piepston auf sich aufmerksam.» So geschehen bei der kontrollierten Notlandung einer Drohne im Zürichsee Ende Januar. «Wir wollen genau wissen, wieso die Notlandung ausgelöst wurde. Die Sicherheit steht für uns an oberster Stelle, deshalb bleiben alle Drohnen zurzeit am Boden», sagt Léa Wertheimer (43), Mediensprecherin der Post.

Christian Schubert (46), Sprecher des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl), sieht die Flugvorbereitung als entscheidenden Schritt, damit die Drohne niemanden stört oder gefährdet und der Pilot nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommt: «Wo fliege ich? Gibt es einen Flughafen oder allenfalls Menschen in der Nähe? Benötige ich dafür eine Bewilligung? Das sind wichtige Fragen, die man sich vor dem Start stellen muss.» Das Bazl, das sämtliche Drohnenaktivitäten regelt, arbeitet nicht nur eng mit Firmen wie der Post zusammen. Es bietet auch Merkblätter für Hobby-Piloten zum Download an.

Dank der Kurierdrohnen verfügt die Ärztin des «Ospedale Italiano» schon Minuten nach der Blutentnahme über die Analyseergebnisse. Und: «Die Patienten müssen nicht lange warten», ergänzt Luca Jelmoni. Das Projekt werde auch von der Bevölkerung Luganos mit Interesse verfolgt. Viele Patienten fragen interessiert: «Wird meine Blutprobe jetzt auch per Drohne transportiert?»