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Mut zum Motiv

Auf Instagram und Co. wimmelt es nur so von den ewig gleichen Sujets. Das beeinflusst oft unbewusst auch die eigenen Ferienfotos. Zeit für den Ausbruch aus dem fotografischen Einheitsbrei – so machen Sie originelle Fotos!

04. Februar 2019

Ein ungewöhnliches Sujet, ein kreativer Ansatz  – s o einfach gelingen individuelle Bilder.

Die langhaarige Frau vor dem Sonnenuntergang, der Blick aus dem Zeltausgang: tolle Bilder, trotzdem beschleicht einen immer öfter das Gefühl, sie schon einmal gesehen zu haben. Besonders auffallend ist das jeweils zur Ferienzeit. Eine anonyme Künstlerin aus Alaska hat diesen Vergleich auf die Spitze getrieben. Auf ihrer Instagram-Seite @insta_repeat sind ähnliche Fotos zu Collagen zusammengefasst. Die Bilder ähneln sich wie ein Ei dem anderen.

Das ist weder originell noch individuell, muss aber keine Absicht sein. Gute Motive bleiben in Erinnerung. Wer mit der Kamera vor einer ähnlichen Situation steht, erinnert sich einfach daran. Wer auf ein paar Dinge achtet, tappt nicht mehr so leicht in die Repeat-Falle.

Insta Repeat

Der Instagram-Account @insta_repeat zeigt, wie ähnlich sich online viele Bilder sind. 

Zum Beispiel die Uhrzeit, zu der Sie auf den Auslöser drücken: Es muss ja nicht immer zu Sonnenuntergang sein. Vielleicht sehen Burgruine und Traumstrand unter dem Sternenhimmel ja viel besser aus – dann ist dort auch bestimmt kein Gedränge. Wer sich Zeit nimmt, kann sich einen Überblick verschaffen und ein mögliches Motiv heraussuchen. Meistens gibt es viel mehr davon, als man zunächst denkt. Ein gutes Beispiel sind Bilder von verlassenen Gebäuden, den «Lost Places».

Wer wenig Zeit hat, muss trotzdem nicht denselben Blickwinkel haben wie alle anderen. Wie wirkt der lebhafte Markt beispielsweise von oben? Oder aus der Froschperspektive? Wie würde ihn eine Katze sehen? Eine ungewöhnliche Perspektive gibt sogar überlaufenen Touristenorten ein neues Gesicht.

Spion in Aktion

Stur in die Kamera lächeln muss auch nicht sein. Wer ein Model fotografiert, auch wenn es nur der Partner ist, kann zum Foto eine kurze Geschichte erfinden. Sich vorzustellen, auf dem Eiffelturm nach einem Geheimagenten zu suchen, macht wesentlich mehr Spass und sieht interessanter aus. Viele Influencer arbeiten mit dieser Methode.

Dann gibt es noch die Frage, was wo ist. Ein Bild hat einen Vorder- und einen Hintergrund. Überlegen Sie gerade bei lebhaften Szenen, was auf beidem zu sehen sein soll. Nützlich ist dabei die Drittel-Regel, die die meisten Fotografen kennen: Das Bild wird durch vier Linien in neun gleich grosse Flächen geteilt. Viele Kameras und Foto-Apps können diese Richtlinien einblenden. Was sich an den Schnittstellen befindet, weckt besondere Aufmerksamkeit. Ein Extra-Tipp: Inhaltliche Widersprüche sind für Betrachter meist unwiderstehlich.

Wer keine Lust hat, beim Knipsen viel zu überlegen, dem helfen vielleicht Zufall und Spontaneität. Gute Motive waren in der Regel einmal gute Ideen, manchmal aber bloss Glück. Das Gegenteil aller Regeln ist manchmal genauso wahr. Ein halb abgeschnittenes Gesicht, ein Tier ohne Kopf und ein chaotischer Hintergrund haben schon Preise gewonnen. Wenn nicht, macht es auch nichts. An Ideen gibt es auf der Welt bekanntlich einen unerschöpflichen Vorrat.