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Spieglein, Spieglein …

... dich braucht es nicht mehr. Denn spiegellose Kameras erobern den Markt im Sturm. Wir haben für Sie je ein Kit der grossen Hersteller Nikon, Canon und Sony auf Herz und Nieren getestet. 

FOTOS
Shutterstock, zvg
13. Mai 2019

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Das dachte man sich wohl bei Sony und begann Jahre vor Nikon und Canon, spiegellose Fotokameras für Profis und Semiprofis herzustellen. Während die beiden altbekannten Riesen auf dem Kameramarkt weiterhin digitale Spiegel- reflexkameras herstellten, glaubte man bei Sony an die Vorzüge spiegelloser Modelle. Neu daran war, dass im Sucher ein Bildschirm verbaut ist, der das Bild so zeigt, wie es auf den Sensor fällt. Weil der optische Sucher und der Spiegel nicht mehr nötig sind, lassen sich leichtere und kompaktere Kameras bauen. Im digitalen Sucher sieht man schon vor dem Abdrücken, ob das Bild richtig belichtet ist. Nach sechs Jahren, in denen Sony den Mirrorless-Kamera-Markt für sich allein hatte, haben auch Nikon und Canon je zwei spiegellose Fotoapparate vorgestellt.

Komfortable Sache

Beim Vergleich der Kitversionen der Sony a7 III, der Canon EOS RP und der Nikon Z6 fällt auf, dass der Bedienkomfort beim Design wichtig war. Alle drei liegen gut in der Hand und die meisten Bedienelemente befinden sich leicht erreichbar auf der rechten Seite. Die EOS RP wird allerdings über ein Rädchen an der oberen linken Seite gestartet, was einhändig kaum zu bewerkstelligen ist. Auch die Kit-Version der Z6 verlangt am Anfang nach beiden Händen. Nur so lässt sich das Objektiv aus seiner Arretierungsposition ausfahren. Das Objektiv ist nämlich enorm kompakt gebaut und kann für den Transport sehr klein gemacht werden.

Objektive machen den Unterschied

Am meisten unterscheiden sich die Kits in ihren Objektiven. Mit der Canon kommt ein starkes und sehr hochwertig gebautes 24–105-mm-Zoomobjektiv, das nicht nur durch den kontinuierlichen f/4-Stopp punktet, sondern vor dem Fokus- und dem Zoom-Ring noch einen Ring hat, dem man eine beliebige Funktion zuweisen kann. Diesen bedient man wie ein Einstellrad an der Kamera – eine spannende Ergänzung für ein Objektiv.

Das 24–70-mm-Objektiv der Nikon Z6 ist ein guter Allrounder und – wie erwähnt – sehr kompakt. Ein Objektiv, das man immer dabei haben und vielseitig einsetzen kann.

Am schwächsten auf der Brust ist das 28–70-mm-Objektiv aus dem Sony-Kit, das nicht nur den kleinsten Zoombereich hat, sondern auch noch einen variablen f-Stopp von f/3.5-5.6 besitzt.

An alle drei Kameras lassen sich herkömmliche Vollformat-Objektive mittels Adapter anschliessen. Bei Nikon und Canon ist dieser gleich im Kit inbegriffen. Bei Sony fehlt der Adapter, kann aber zu jedem herkömmlichen Objektiv-Mount gekauft werden. Dafür gibt es zum Sony-E-Mount unzählige spezielle Objektive. Bei Canon und Nikon ist die Auswahl an neuen Objektiven noch sehr beschränkt.

Gewöhnungsbedürftig

Genau umgekehrt ist es, wenn es um den Funktionsumfang der Bodys geht. Hier schwingt die a7 III obenaus, die so gut wie jedes Bedürfnis abdeckt. Sehr praktisch ist die nahezu uneingeschränkte Anpassungsmöglichkeit sämtlicher Knöpfe und Menüs. Der Fokusauswahl-Joystick ist ein praktisches Detail, das der EOS RP fehlt. Der grosse Akku hält im normalen Gebrauch mehrere Tage und macht auch beim Filmen nicht schnell schlapp. Das Einzige, was uns an der Nikon Z6 noch besser gefiel, ist das absolut logisch aufgebaute Menü. Im Gegensatz zu dem der EOS RP ist dieses wirklich intuitiv. Die Dinge sind, wo man sie sucht. Bei der a7 III und der EOS RP kann es durchaus vorkommen, dass man ratlos durch mehrere Menüs stöbern muss, bis die gewünschte Einstellung gefunden ist. Allerdings: Gewöhnen kann man sich an alle drei Menüführungen.

Die EOS RP hat am wenigsten Knöpfe und ist auch vom Funktionsumfang her eher minimalistisch ausgestattet. Was sie kann, kann sie gut – dafür sind manche Funktionen einfach nicht integriert. Die Einstellungsmöglichkeiten beim Filmen sind zum Beispiel sehr beschränkt und auch eine Zeitraffer-Funktion sucht man leider vergebens. Zudem ist der Auto-Fokus nicht so schnell wie jener der a7 III. Diese verfügt über einen erstklassigen Auto-Fokus, der auch Iris- und Gesichtserkennung unterstützt. Nur schade, dass das Kitobjektiv nicht besonders schnell fokussiert.

Der Bildschirm der EOS RP lässt sich nach aussen drehen. Die Z6 und die a7 III können ihren nur leicht ausklappen. Was besser ist, ist eine Frage der persönlichen Vorlieben.

Keine einfache Wahl

Beim Umstieg auf spiegellose Kameras bleibt man – aus finanziellen Gründen – wohl am besten bei der eigenen Marke, denn die Unterschiede zwischen den Kameras können den Vorteil der Weiterverwendbarkeit der «alten» Objektive kaum aufwiegen.

Anders sieht es beim Neueinstieg aus: Das Kit rund um die Nikon Z6 ist ein gutes Allround-Starterset, mit dem man in der Fotografie sehr weit kommt und das sich durch weitere Objektive gut verbessern lässt.

Die Canon EOS RP bietet einen guten Einstieg in die Mirrorless-Welt. Allerdings wird man hier aufgrund des sehr vielseitigen Objektivs, das sich auch hervorragend für Nahaufnahmen eignet, eher irgendwann den Body erneuern und das 24–105-mm-Objektiv weiterverwenden.

Wer mit der Kamera auch filmen möchte, greift am besten zur Sony a7 III. Sie bietet verschiedene Bildprofile wie S-Log und Rec709 und der kontinuierliche Auto-Fokus funktioniert auch im Filmmodus erstaunlich gut. Der hervorragende Body macht diese Kamera zu unserer Favoritin im Test. Allerdings kommt dieser erst nach dem Upgrade auf ein entsprechendes Objektiv zur Geltung, wodurch die a7 III zur teuersten Kamera im Test wird.

Der Filmstar - Unser Testsieger

Sony Alpha a7 III

Zahlreiche Bildprofile und der kontinuierliche Auto-Fokus machen die a7 III zur Traumkamera für alle, die gerne Videos drehen. Ausserdem hat sie den besten Body aller Test-Modelle.

Sony Alpha a7 III Kit 28–70 mm black, Fr. 2399.90 bei Interdiscount.

 

Das Adlerauge

Canon EOS RP + RF

Zum Canon-Kit gehört ein hervorragendes Objektiv mit beeindruckendem Zoom, das auch für Nahaufnahmen sehr gut geeignet ist.

Canon EOS RP + RF (26.2 MP), 24–105 mm, Fr. 2499.–, bei microspot.ch

 

Die Allrounderin

Nikon Z6

Das Objektiv in diesem Kit macht in jeder Situation was her und die Kamera ist intuitiv verständlich. Ein Fotoapparat für alle Fälle.

Nikon Z 6 Kit 24–70mm f/4 S + FTZ Objek- tivadapter, Fr. 2599.–, bei microspot.ch