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Stimmen im Kopf

Beim Einsatz im Flammen-Inferno kurz den Helm ausziehen und telefonieren – das geht nicht. Eine neue Technologie könnte helfen: Das Mikrofon wird direkt im Mund getragen und sogar die Antworten werden dort empfangen.

FOTOS
Shutterstock, zvg
01. April 2019

Wenn Sie in einigen Jahren Stimmen hören, die niemand sonst hört, sind Sie nicht verrückt geworden. Sie tragen womöglich die neueste Technologie am Zahn. Ein US-Unternehmen hat eine Mikrofon-Lautsprecher-Kombination namens «Supersense» entwickelt, die nur einige Zentimeter lang ist und sich im Mund tragen lässt. Kaufen kann man sie noch nicht, sie zeigt aber, wohin sich die Technik entwickeln könnte.

Das kleine Kommunikationsgerät enthält auch den Akku und wird mittels Schnappverschluss an den Backenzähnen angebracht. Der Trick: Die Stimme wird nicht vor, sondern im Mund aufgenommen, was ziemlich gut funktioniert. Das Mikrofonsignal wird per Induktion an einen Halsanhänger übertragen und von dort per Bluetooth gesendet. Wer damit telefoniert, braucht sich auch um den grössten Umgebungslärm keine Sorgen zu machen. Ein Flüstern genügt, weil alle Störgeräusche draussen bleiben.

Der Mini-Lautsprecher am Zahn nutzt die Tatsache, dass Menschen nicht nur mit dem Ohr hören, sondern auch mit den Knochen. Das Prinzip kennt jeder: Laute Bässe können wir nicht nur hören, sondern auch spüren. Das macht das Ohr sich umgekehrt zunutze. Schallvibrationen, die über die Schädelknochen zum Innenohr gelangen, werden dort in Töne übersetzt. Das ist auch ein Grund, weshalb sich die eigene Stimme auf Aufnahmen so fremd anhört: In der Aufnahme fehlt der Knochenschall.

Zahn und Kiefer hören mit

«Supersense» ist nicht der erste Lautsprecher, der nach diesem Prinzip arbeitet. Aber der erste, der über Backenzahn und Kieferknochen «hört». Das eingehende Gespräch kann ausser dem Nutzer niemand verfolgen. Der Hörer «denkt» es sich nur. Das heisst, es klingelt nicht nur im Kopf, auch die Stimme des Gesprächspartners ertönt dort. Eine zugegeben ungewohnte Vorstellung.

 So funktioniert «Supersense».

Zum System gehört neben Endgerät und Halsband optional noch eine kleine Fernbedienung. Dafür funktioniert es sogar unter Wasser. Der Akku lässt sich kabellos aufladen und hält bis zu zehn Stunden. Auf dem freien Markt ist «Supersense» nicht erhältlich. Getestet wurde das Gerät jedoch bereits von Feuerwehren und der US-Armee. Dort liegt auch die Zielgruppe des Herstellers.

Dass ein unempfindliches Mini-Mikrofon für Menschen, die Helme, Hörschutz oder Gesichtsmasken tragen und dabei ein offenes Ohr haben sollten, ein grosser Vorteil ist, ist schnell ersichtlich. Wenn die US-Armee etwas testet, sollte man allerdings genauer hinsehen. Viele Produkte, die dort entwickelt wurden, haben später den Weg in die Läden gefunden. Anscheinend war die U.S. Army mit «Supersense» zufrieden. Der Hersteller Sonitus Technologies hat zuletzt mehrere Millionen für die Weiterentwicklung seiner Erfindung vom US-Verteidigungsministerium erhalten. Gut möglich also, dass der Zahnlautsprecher sich irgendwann in aller Munde wiederfindet. 

Anderes Produkt, das Knochenhören über ein Armband und den Zeigefinger leitet (der Nutzer steckt sich zum Hören dann den Finger ins Ohr)