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Ring frei

Luftakrobatik ist nicht nur für Zirkusartisten. Die neue Trendsportart Aerial Hoop macht die Welt der Akrobatik nun für ein breites Publikum zugänglich.

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Christoph Kaminski
06. Mai 2019

Daniela Ehrsam unterrichtet Aerial Hoop in Wädenswil ZH.

Daniela Ehrsam stellt sich vor den Ring, umklammert ihn fest mit beiden Händen. In einem Zug zieht sie ihren Körper eng zusammen, dreht sich nach hinten und schwingt ihre Beine in den Ring. «Nun musst du dich nur noch mit den Armen langsam nach oben ziehen und – voilà! – schon sitzt du drin.» Die 35-jährige Artistin zeigt gerade, wie man sich elegant in den Akrobatikring schwingt, in den Aerial Hoop. Allzu schwer sieht es nicht aus. Doch beim Selbstversuch … sagen wirs so: Damit der erste Versuch ge- lingt, braucht es nicht viel. Doch damit dieser ansatzweise elegant aussieht, braucht es dafür umso mehr.

Daniela Ehrsam unterrichtet in ihrer Artistikschule «Luftraum» in Wädenswil ZH seit drei Jahren Aerial Hoop, englisch für Luftreifen. Ursprünglich kommt diese Art von Luftakrobatik aus der französischen Zirkuswelt, war aber lange Zeit kein richtiger Publikumsliebling. Erst als der Cirque du Soleil den Stahlring in den Nullerjahren in seine Shows einbaute, wurde die luftige Aufführung weltberühmt. Mittlerweile ist sie aus einem Zirkusprogramm kaum mehr wegzudenken.

Vom Zirkus in die Tanzstudios

Lange Zeit waren Aerial Hoops nur etwas für waschechte Zirkusartisten. Doch seit einigen Jahren haben sie ihren Weg in Tanzstudios auf der ganzen Welt gefunden. So ist auch Daniela Ehrsam auf die Nischensportart gestossen. Die Trapezkünstlerin und Tänzerin entdeckte in einem Poledance-Studio den aussergewöhnlichen Sport und wusste sofort: «Das bin ich!»

Alles andere als leicht

In Ehrsams Studio baumeln sechs schwarze Stahlringe von der Decke. Unter jedem Reifen liegt eine Turnmatte. Ihre Schülerinnen sind gekleidet in Leggins, Trainingsshirts und Ballerinas. Während des Kurses schwingen sie sich mit ihren Beinen in Sekundenschnelle in den Ring, machen dann in der Luft rasch einen Spagat oder hängen kopfüber am kreisförmigen Stahlgerät. Leicht und locker sieht es aus, doch der Schein trügt. Eine gut ausgebildete Armmuskulatur ist sehr nützlich, ja eigentlich sogar Voraussetzung. Denn mit genügend Kraft sehen auch die Figuren am Ring viel eleganter und leichter aus.

In ihrem Studio beobachtet die Artistin eine Schülerin, die gerade eine neue Übung ausprobiert.

«Aber Muskeln allein reichen nicht aus», betont Daniela Ehrsam. «Genauso wichtig wie Kraft sind Dehnbarkeit und Beweglichkeit.» Dennoch ist der Spagat kein Muss: Er ist höchstens Bestandteil von schwierigen Übungen.

Daniela Ehrsam unterrichtet Kinder, Jugendliche und Erwachsene. «Die Kleinen sind sehr beweglich und voller Tatendrang. Die Grossen hören mir dafür besser zu und können sich die einzelnen Schritte der Übungen schneller merken», erzählt die Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit den Kindern macht die Artistin gerne Bewegungsübungen, bei den Erwachsenen kommen Kraftübungen dazu. Laut Ehrsam eignet sich die luftige Sportart für alle Altersgruppen. Und auch Männer können in den Ring steigen. Ungeeignet sei Aerial Hoop dagegen für Menschen mit chronischen Nacken- und Rückenschmerzen. Die Instruktorin unterrichtet auch keine Kinder unter sechs Jahren. «Bei der Luft- akrobatik muss man die Höhe richtig einschätzen können, und dazu sind kleine Kinder noch nicht in der Lage», sagt sie.

Aerial Hoop stärkt Bauch, Beine sowie Arme. Durch das Training entsteht ein hohes Mass an Körperkontrolle sowie eine zunehmend elegante Haltung. Ebenso verbessert das akrobatische Training die körperliche Balance. Weiter fördert der Sport den Gemeinschaftssinn, da viele Übungen auch zu zweit im Ring möglich sind. So stärkt man im Ring nicht nur seinen Körper, sondern vergrössert gleichzeitig noch sein soziales Umfeld.

In Ehrsams Studio dauert eine Trainingseinheit 60 Minuten. Am Ende dieser Stunde sind die Handflächen ein bisschen rissig. Da haben auch das Magnesium und der spezielle Kleberspray nicht viel genützt. Am nächsten Morgen wacht man auf, die Handflächen sind immer noch rissig, und jetzt fühlen sich auch noch die Arme schwer an. Ein fieser Muskelkater ist da. Aber da muss man durch, wenn man so eine aussergewöhnliche Sportart ausüben will.