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Kulinarische Entdeckungen

Durch eine unbekannte Stadt gehen und den Tipps von Einheimischen folgen. Es gibt wohl keine bessere Art, einen Ort kennenzulernen. Ludmilla Wiederkehr zeigt ihr Lugano.

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Sandro Mahler
19. August 2019

Wo gibt es den besten Aperitif? Wo bekomme ich den feinsten Risotto? Und welches Lokal empfiehlt sich, um einfach mal ein Glas Wein zu trinken und sich etwas auszuruhen? Das sind wichtige Fragen, die man gerne einem Einheimischen stellt, denn das hippe Lokal aus dem Reiseführer, dritte Auflage aus dem Jahr 2014, ist möglicherweise nicht mehr so hip. Oder existiert vielleicht gar nicht mehr.

Von Lokal zu Lokal

Weil Besucher in einer fremden Stadt meist keine Einheimischen kennen, haben Schweizer Tourismus-Orte ein Angebot geschaffen: «Taste my Swiss City» sind kulinarische Spaziergänge durch Schweizer Städte, von Einheimischen empfohlen. Als Gast findet man auf diese Weise Lokale, in denen auch die Einheimischen verkehren. In Lugano TI beginnt der Spaziergang auf der Piazza Cioccaro, an der Talstation der Funicolare (Standseilbahn), die die Altstadt mit dem Bahnhof verbindet. Nach drei Minuten sind wir bereits an der ersten Station des Spaziergangs, der Gastronomia Bernasconi. Im Delikatessenladen werden ein Prosecco und ein üppiger Aperitivo mit Tessiner Spezialitäten serviert – Salami, Käse, Bresaola. Hier treffen wir Ludmilla Wiederkehr (41), die die Tour durch Lugano geplant hat. Was sie als Tippgeberin qualifiziert, ist so einfach wie überzeugend: «Ich bin in Lugano geboren und aufgewachsen, ich koche gerne und ich esse gerne.» 

Wir folgen Ludmilla, die uns nun durch ihr kulinarisches Lugano führt – was sie natürlich nicht mit allen Gästen machen kann; Besucher folgen Ludmillas Tipps eigenständig. Der erste Aperitif ist allerdings so üppig ausgefallen, dass sie nicht gleich das nächste Lokal ansteuert, sondern uns auf einen kleinen Spaziergang durch die Via Nassa bis zum neuen Kunst- und Kulturzentrum Luganos, dem LAC (Lugano Arte e Cultura) mitnimmt. Gleich daneben steht die Kirche Santa Maria degli Angeli, die «schönste Kirche Luganos», meint Ludmilla. Wir werfen einen Blick in die reich mit Fresken bemalte Kirche, ehe wir uns auf den Weg zur nächsten kulinarischen Entdeckung machen: das Bottegone del Vino. Im traditionellen Weinlokal werden – natürlich – ein Glas Rotwein und Bruschette serviert. Unser zweiter Aperitif. Hier drehen die Kellner die Schneidemaschine für die Salami noch mit der Handkurbel. Ludmilla mag das Lokal, weil es das einzige in Lugano ist, in dem man lange Tische findet. «Hier sitzt man manchmal neben Fremden. Ich finde das sehr sympathisch.»

Der kulinarische Rundgang geht weiter. Wir steuern das La Tinèra für den ersten Hauptgang an, eine Tessiner Polenta. Das Kellerlokal ist ein richtiges Grotto, das die Einheimischen, wie Ludmilla erklärt, gerne im Herbst und Winter besuchen. Es gibt auch hier ein Glas, ach nein, hier ist es ein Becher mit Rotwein, ein traditioneller Tessiner Landwein. Die Bedienung ist zuvorkommend, das Essen sehr gut, das Erlebnis fantastisch. Da man die Rundtour im Voraus bezahlt (die sechs von Ludmilla empfohlenen Stationen in Lugano kosten 90 Franken pro Person), bekommt man das das Gefühl, als könnte man überall gratis essen und trinken.

Risotto, wie ihn die Tessiner essen

Als Nächstes geht es ins Soave 10, wo laut Ludmilla der beste Risotto der Stadt serviert wird. Auf ihr Urteil darf man etwas geben, die Hobbyköchin bezeichnet sich selber als ausgesprochene Risotto-Liebhaberin. Der Risotto hält denn auch, was Ludmilla verspricht: cremig in der Konsistenz, aber mit ganz leichtem Biss im Kern. Das sorgt dafür, dass wir auch diesen Teller leer essen. Wer schon reichlich satt ist und trotzdem noch ein Dessert möchte, dem empfiehlt Ludmilla das Grand Café Al Porto, das «stimmungsvollste Kaffeehaus der Stadt». Und das meint nicht nur sie: 2018 setzte das Magazin «Choco Guide» das Al Porto auf Rang zwei der schönsten Kaffeehäuser der Schweiz. Dort gibts Dinge wie den Wunschtraum aus Schokolade (Desiderio al cioccolato) oder ein Pomodoro (eine Erdbeercreme in Form einer Tomate). Und weil es die Alpensüdseite ohne Gelato nicht geben darf, endet die lukullische Tour durch Lugano in der Gelateria Vanini Dolce e Caffè. Station Nummer sechs der Tour und natürlich, so Ludmilla, die beste Gelateria der Stadt.