X

Beliebte Themen

Lifestyle

Maschinen statt (nur) Schokolade

Ein neues Förderprogramm bringt Mädchen technische Berufe näher. Da treten sogar Leckereien wie Schoggi in den Hintergrund.

TEXT
FOTOS
Pino Covino, zvg
18. März 2019

Interessierte Mädchen lernen von erfahrenen Berufsfrauen, wie vielseitig Technik sein kann.

Schokoladenduft liegt in der Luft. Es ist heiss. Die Maschinen rattern. Lebensmitteltechnologin Saskia Imbach (28) nimmt ein Mikrofon zu Hilfe, damit die Gruppe aus 13- bis 16-jährigen Mädchen die Lebensmitteltechnologin versteht. Denn die Teenies sind nicht wegen der Schokolade zu Besuch bei Chocolats Halba – zumindest nicht nur. Wichtiger sind für die Mädchen die modernen Maschinen und vor allem die Frauen, die sich mit ihnen auskennen. Denn die Schülerinnen sind Teil eines neuen Förderprogramms: Unter dem Titel «Swiss TecLadies» fördert es technisch begabte Mädchen.

«Es gibt in der Technik und Informatik einen Fachkräftemangel», weiss Béatrice Miller (62) von der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW). «Und ausgerechnet in diesen Berufen arbeiten kaum Frauen.» Der Anteil betrage 10 bis 15 Prozent. «Dabei zeigen Studien immer wieder, dass auch Mädchen technisch begabt sind, sich solche Berufe und Ausbildungen aber nicht zutrauen. Darum ist es wichtig, sie zu ermutigen.»

Darum hat die SATW das Förderprogramm «Swiss TecLadies» entwickelt. Jeder Teilnehmerin steht dabei eine Mentorin zur Seite, eine Frau mit einem technischen Beruf – Elektroingenieurin etwa, Informatikerin, Materialwissenschaftlerin oder Geomatikerin. Die Mentorinnen sprechen mit den Mädchen über ihren Beruf, nehmen sie mit in ihr Unternehmen oder besuchen mit ihnen Fachveranstaltungen. Zudem gibt es immer wieder freiwillige Workshops und Firmenbesuche in der Gruppe.

«Mädchen trauen sich technische Berufe nicht zu.»

BÉATRICE MILLER

Ein solcher Besuch führte zur Coop- Tochter Chocolats Halba in Pratteln BL. Heidi Lankes (46), Leiterin Technischer Dienst beim Schoggihersteller, hat einige ihrer weiblichen Angestellten – Mechanikerinnen, Lebensmitteltechnologinnen, Verpackungstechnologinnen und Süsswarentechnikerinnen – zusammengetrommelt, um den Schülerinnen einen vertieften Einblick zu geben. Dass deshalb einiges an Arbeit liegen bleibt, sei es ihr wert.

Gegen die Hemmschwelle

Lankes ist überzeugt: Wenn Mädchen einen Einblick in technische Berufe erhalten und Rollenvorbilder kennenlernen, sinkt für sie die Hemmschwelle, selber einen solchen Beruf zu ergreifen. Weil es gerade für Frauen bei der Berufswahl oft relevant ist, ob sich der Job mit einer Familie vereinbaren lässt, erzählt sie den Teenies von ihren beiden Kindern. Um einen Tag ganz mit ihnen verbringen zu können, arbeite sie trotz Führungsposition 80 Prozent. «Das geht!»

Solche Einblicke schätzt die Schülerin Fabienne Fuchs (14) aus Altbüron LU. «Es war spannend, von den Mitarbeiterinnen zu hören, weshalb sie ihren Berufsweg eingeschlagen haben und wie sie arbeiten.» Fabienne ist eines von 44 Mädchen, das sich bei einer Online- Challenge für das Förderprogramm qualifiziert hat. «Ich interessiere mich für Technik», begründet sie ihre Teilnahme. Gerne würde sie später im Webdesign oder in der Informatik arbeiten.

Da ist sie mit ihrer Mentorin Alexandra Gex bestens bedient. Die 33-Jährige ist Leiterin Informatik eines Unternehmens mit rund 150 Mitarbeitenden. «Meine Lehre als Informatikerin habe ich vor 17 Jahren angetreten – der Frauenanteil hat sich seit damals kaum verändert», sagt sie. Deshalb habe sie sich als Mentorin gemeldet. «Es ist doch schade, wenn alle technischen Berufe von Männern dominiert werden.» Das habe viel mit Stereotypen zu tun, ist sie überzeugt. Bei Mädchen heisse es schnell: «Möchtest du nicht lieber das KV machen statt einer Informatiklehre?»

Gex selber sagt, sie habe im Beruf kaum Nachteile erfahren. «Den Informatikern ist es egal, dass ich eine Frau bin. Aber es kommt immer wieder vor, dass jemand anruft und nach dem Leiter der IT fragt. Sie glauben mir dann zuerst nicht, dass ich die Chefin bin, weil sie einen Mann erwartet haben.» Deshalb sei es wertvoll, dass die Teilnehmerinnen des Förderprogramms Einblicke in solche Berufe und Betriebe erhalten. «Dann sehen sie: Mädchen können das.»