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Sandiger Weg nach Tokio

Die Beachvolleyballerinnen Tanja Hüberli und Nina Betschart wollen an die Olympischen Spiele 2020. Die Coop Beachtour bringt den Vize-Europameisterinnen dafür nicht viele Punkte ein – ist aber eine Herzensangelegenheit.

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Heiner H. Schmitt
10. Juni 2019

Zwei in ihrem Element: Tanja Hüberli (links) und Nina Betschart.

Teamkolleginnen. Partnerinnen. Freundinnen? Auf Profi-Niveau zählt vor allem die sportliche Qualität und Kompatibilität bei der Zusammensetzung eines Beachvolleyball-Duos. «Es gibt Teams, die sehr erfolgreich sind, sich aber privat nicht ausstehen können», verrät Nina Betschart (23). «Uns beiden aber ist wichtig, dass wir uns gegenseitig respektieren.» Ihre Partnerin Tanja Hüberli (27) ergänzt: «Es fällt uns einfacher, Leistung zu bringen, wenn wir uns gut verstehen und zusammen Spass haben.» Und nur mit Top-Leistungen erreichen sie das grosse Ziel, die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

Denken in Olympia-Zyklen

Dass es das Team Hüberli/Betschart überhaupt gibt, ist, wie so oft in dieser Sportart, einem Rücktritt geschuldet. Tanja Hüberli stand Ende 2015 plötzlich ohne Partnerin da und fragte die junge und international unerfahrene Nina Betschart an, die sie bereits aus den Regionalkader-Trainings in Kloten ZH kannte.

So eine Beach-Partnerschaft ist vergleichbar mit einer Beziehung: Solange man nicht zusammenlebt, weiss man nicht, ob sie funktioniert. Und so gaben sich die erfahrene Schwyzerin Hüberli und die junge Zugerin Betschart eine Saison Zeit, um herauszufinden, ob sie zueinander passen. Für Nina Betschart war das Leben im nationalen Leistungszentrum in Bern und auf der Tour ganz neu. «Nina musste herausfinden, ob ihr das überhaupt gefällt», erzählt Hüberli. «Ich wollte den Spass am Beachvolleyball zurückgewinnen, ohne grosse Ziele und Erwartungen.» Weil die Saison 2016 aber so gut lief, entschlossen sich die beiden, gleich für den ganzen Olympia-Zyklus zusammenzubleiben. So, wie das üblich ist im Beachvolleyball.

Je kleiner das Team, desto mehr kommt es auf die Einzelne an. Was, wenn eine der beiden in einem Formtief steckt? «Das Wichtigste ist, dass man offen und ehrlich ist und ständig mitei- nander redet», sagt Defensivspezialistin Nina Betschart. Denn schlechte Phasen haben Hüberli/Betschart schon erlebt. «Wir haben uns zusammengesetzt, die Situation analysiert und darüber gesprochen, wie wir auf unseren Weg zurückkommen», meint Blockspielerin Hüberli. Ja, die beiden Vize-Europameisterinnen von 2018 in Den Haag (NL) ergänzen sich auch im Interview.

«Road to Tokyo» nennt sich die Qualifikationsphase für Olympia 2020: Die besten zwölf Resultate von September 2018 bis Juni 2020 kommen in die Wertung. «Eine lange Phase», betont Nina Betschart. So lange, dass man nicht bei jedem Turnier daran denkt, wie weit man auf diesem Weg nach Tokio schon vorangeschritten ist. «Wir würden uns nur unnötig unter Druck setzen», meint Betschart. Vielmehr wollen sie von einem Turnier zum nächsten schauen.

Am liebsten vor Heimpublikum

Das nächste ist eines, auf das sie wegen der Weltmeisterschaft in Hamburg Ende Juni schweren Herzens kurzfristig verzichten müssen: das zur Coop Beachtour gehörende Turnier von Olten SO vom 20. bis 23. Juni. Denn bei all den aufregenden, internationalen Austragungsorten in Brasilien, China, Portugal oder Russland freuen sich die Schweizer Meisterinnen von 2018 jeweils sehr auf die Auftritte vor dem Heimpublikum. «Es ist schon cool, vor Freunden und der Familie zu spielen», erklärt Betschart.

So toll dieses Leben als Beachvolleyball-Profi auch ist: Ein Selbstläufer ist es nicht. Und man verdient auch nicht so gut, dass man nach dem Karriereende für den Rest des Lebens ausgesorgt hat. So stemmen die beiden neben den täglichen Trainings und den Turnieren – letzte Woche waren Hüberli/Betschart in Tschechien, diese Woche sind sie in Polen – auch noch je ein Studium. «Es braucht schon Organisation, um alles unter einen Hut zu bringen», räumt die angehende Primarlehrerin Tanja Hüberli ein. «Wenn man zu Hause ist, muss man die Zeit gut einteilen.»

Eine Frage der Organisation

Aber auch für eine Partnerschaft ist bei beiden noch Platz. «Wir spielen ja nicht noch zwanzig Jahre», sagt Nina Betschart, die an der «FernUni Schweiz» Psychologie studiert. «Aber das Verständnis des Partners braucht es schon.» In ihrem Fall ist das Verständnis ohnehin gegeben, denn sie ist mit dem Eishockey-Profi Damien Brunner (33) liiert. Die Frage nach dem Lieblingsturnier von Hüberli/Betschart ist schnell beantwortet: Gstaad. Der Event im Berner Oberland vom 9. bis 14. Juli gehört zusammen mit Fort Lauderdale (USA), Wien und der WM zur exklusiven «Major Series».

Dieses Jahr würden Hüberli und Betschart am liebsten mit Edelmetall im Gepäck nach Gstaad reisen, denn unmittelbar davor findet die WM statt. Nicht nur, weil «Medaillen immer etwas Unglaubliches sind», wie Hüberli sagt. Ein Top-Resultat in Hamburg würde ihnen wohl auch den Weg nach Tokio ebnen.

Gratis-Eintritt und Wettbewerb

Nach Gastspielen in Genf und Locarno TI beginnt die Coop Beachtour nächste Woche auch für die Deutschschweiz. Nach dem Turnier von Olten (20.–23. Juni) sind die Beachvolleyball-Cracks am Züri Fäscht in Zürich (4.–7. Juli), in Basel (27.–30. Juli) und in Rorschach SG (22.–25. August) zu Gast, bevor die Schweizer Meisterschaften auf dem Berner Bundesplatz die Tour abschliessen. Dank Titelsponsor Coop ist der Eintritt bei allen Turnieren kostenlos. Hüberli/Betschart treten diese Saison wohl nur zur Titelverteidigung in Bern an. Vorher bestreiten sie noch ihr Lieblingsturnier: das Major Series Turnier von Gstaad (9.–14. Juli), eines von weltweit nur vier Turnieren der höchsten Kategorie.


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Mehr Infos zur Coop Beachtour: www.coopbeachtour.ch