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Die Zukunft: Wie werden wir wohnen?

Viele träumen vom idyllischen Haus auf dem Land, wo man sich noch kennt und grüsst. Doch auch die Stadt muss nicht kalt und anonym sein.

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FOTOS
Davide Caenaro, Keystone, Vincent Callebaut Architectures
10. November 2014

Organisch: ein Entwurf von Vincent Callebaut für Shenzhen in China. Quelle: BFS 2007, Eidgenössische Volkszählung, Schätzung ARE


Interview

Senem Wicki, Kuratorin der Ausstellung Die Zukunft ist unser.

Wir müssen aufpassen, dass unser Leben nicht zur Kartonkulisse wird.»

Senem Wicki

Die Wohnung der Zukunft in der Ausstellung ist eng, sehr voll und für Selbstversorger konzipiert. Weshalb?
Wir haben sie zusammen mit den Elektrizitätswerken Zürich und dem Designbüro Oupas! aus Portugal entwickelt. Dabei hatten wir alle das Gefühl, dass das Thema Autarkie, also das Selbstversorgertum, zu wenig kritisch hinterfragt wird. Der Trend zum Selbermachen wird aktuell rundum positiv bewertet. Wir wollten anhand einer Wohnung einmal konsequent durchspielen, wohin es führt, wenn das Ideal des Selbermachens auf die Spitze getrieben wird. Welche Dinge des täglichen Bedarfs müsste man unterbringen, um wirklich autark leben zu können? Angesichts der Tatsache, dass wir künftig tendenziell weniger Fläche pro Person zur Verfügung haben werden, hat sich dann unsere Beispielwohnung der Zukunft gefüllt und ist immer enger geworden.

Was würde man denn alles selber machen?
Um autark leben zu können, müsste man selbst Energie erzeugen, Rohstoffe sammeln und Nahrungsmittel anpflanzen, Dinge des täglichen Bedarfs im 3-D-Drucker herstellen und wieder reparieren, man müsste sich selbst medizinisch versorgen und so weiter.

Das klingt anstrengend!
Der Bewohner unserer Zukunftswohnung wäre wohl relativ einsam, denn er hätte gar keine Zeit, um mit jemandem in Kontakt zu treten vor lauter Selbstversorgung. Und auch wenn er stattdessen einen Roboter hätte, der ihm noch ein bisschen Nähe gibt am Abend ein wirklich erfülltes Leben findet in dieser Wohnung wohl eher nicht statt. Zudem stellt sich die Frage, ob das Leben darin nicht auch von einer sinkenden Qualität geprägt würde. Das selbst gebackene Brot mag emotional befriedigen. Ob es tatsächlich besser schmeckt und nahrhafter ist als dasjenige vom Profibäcker, bezweifle ich.

Aber man kann die eigenen Fähigkeiten laufend verbessern.
Die grösste Schwierigkeit, welche sich in Bezug auf die autarke Zukunftsvision stellt, ist Zeit. Denn wer gleichzeitig Landwirt, Arzt, Roboterexperte, Elektriker und Energie-Experte sein möchte, kann sich das Wissen theoretisch vielleicht sogar über das Internet oder Fern-Unis aneignen. Aber eine einzige Lebenszeit reicht dafür schlicht nicht aus.

Und warum ist die Wohnung aus Karton?
Rezyklierbarer Karton ist leicht aufbaubar und eignet sich gut für eine temporäre Ausstellung. Zudem ist Karton auch Symbol für den mobilen, flexiblen Lebensstil, den wir heute pflegen. Und vielleicht liesse noch eine weitere Metapher daraus ableiten: Wir sollten aufpassen, dass unser Leben nicht zur Kartonkulisse wird, in welcher der schöne Schein, zusammenkopiert aus Wohnzeitschriften, wichtiger wird als die ganz persönliche Vision davon, wie und mit wem man leben und wohnen möchte.

Pro Person in der Schweiz in Quadratmeter


Utopien

Höher, grüner, dichter

Schon immer hat man versucht, mit der Architektur Menschen und Gesellschaften zu formen. Nicht immer mit dem gewünschten Erfolg. Denn um sich wohlzufühlen, müssen die Bewohner ihre Lebensumgebung auch mitgestalten können. Die deutsche Stadt Jülich etwa wurde im 16.Jahrhundert nach einem Brand als Idealstadt wieder aufgebaut.

Le Corbusier: Die Ideen des Schweizer Architekten wurden gehasst und geliebt.

Im 20.Jahrhundert wollte der berühmte Architekt Le Corbusier mit seinem Plan Voisin Teile des historischen Zentrums von Paris abreissen und durch 18 Hochhäuser ersetzen. Statt lärmigen, dreckigen Strassen sollte die Stadt damit Licht, Luft und Grünflächen bekommen. Doch sein Entwurf wurde als unmenschlich und kalt abgelehnt.

Grüner Wohnturm von Vincent Callebaut in Taipei, Taiwan.

Eine andere Wohn-Utopie mit dem originellen Namen bolobolo richtet sich gegen Geld, Grossindustrie und den Staat. Autonome Kommunen sollten demnach weltweit Grosshaushalte bilden, mit vielen geteilten Strukturen und Räumen, sogar einer eigenen Plansprache. Auch daraus ist nichts geworden. Obwohl zum Beispiel die Siedlung Kalkbreite in Zürich mit Erfolg an solche Ideen anknüpft. Ein neuer Trend ist die biotechnologische Architektur, die Hochhäuser mit viel Grün verbindet. Einer ihrer Vertreter ist der belgische Architekt Vincent Callebaut.

Die Ausstellung

Die Zukunft ist unser

Unsere Zukunft selbst erfinden? Die Ausstellung Die Zukunft ist unser des Think Tanks W.I.R.E. zeigt, wie das gehen könnte. Sie entführt die Besucher ins Übermorgen, inszeniert in sieben Lebenswelten. Eine davon ist die Wohnung der Zukunft. Die Ausstellung ist nur durch eine Führung zugänglich (donnerstags und samstags), für die man sich anmelden muss, und dauert bis zum 19.Dezember.

Hier erfahren Sie mehr Info zum W.I.R.E Profil Mehr zum Think Thank W.I.R.E Weitere Informationen zur Ausstellung Anmeldung für eine Führung durch die Ausstellung

Träumen Sie auch vom Haus auf dem Land? Oder von mehr Urbanität?»

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