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Erwachsen, aber abhängig

Der Sohn bittet Mutter und Vater regelmässig um Geld. Die Eltern wissen nicht mehr weiter.

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Illustration: Jens Bonnke
27. August 2018

Unser Sohn ist 40 Jahre alt, Privatbankier und wohnt mit seiner Familie an der Goldküste. Immer wieder bittet er uns um Geld, ohne die Gründe zu nennen. Seine Frau schneidet uns und unsere Enkel dürfen wir nur heimlich sehen. Ich habe unseren Sohn schon oft ermahnt, seine Finanzprobleme zu lösen. Wir leiden unter der Situation und wissen nicht, wie wir uns verhalten sollen? Sind wir moralisch verpflichtet, unser Konto weiterhin zu belasten?

RUDOLF R. AUS ZÜRICH

Anikó Donáth

Die Multitaskerin ist Schauspielerin, Autorin, Single Mom und berufliche Exfreundin.

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Guten Tag Herr R.

Herzlichen Dank für Ihr Vertrauen. Sie kennen das Video im Flugzeug, in dem die Sauerstoffmasken runterfallen und Sie aufgefordert werden, die Maske zuerst sich selber aufzusetzen, und erst danach Ihrem Kind? Das haben Sie eben symbolisch getan. Sie haben Hilfe für sich selber gesucht. Das ist der erste Schritt aus dem Schlamassel. Ihr 40-jähriges Kind ist seit 22 Jahren erwachsen und hat schon Tausende von Entscheidungen für sein eigenes Leben getroffen. Lassen Sie ihn dies auch weiter tun.

Ich bin weder Psychologin, Hellseherin noch Moralintante, aber wenn ich Goldküste, Privatbankier und Finanzprobleme höre, riecht das für mich nach Drogenkonsum oder Spielsucht. Dagegen sind Sie als Eltern leider meistens machtlos. Dass Sie als Grosseltern zudem Ihre Enkeltreffen vor seiner Frau verheimlichen müssen, sodass er seine Familie nicht verliere, klingt nach Manipulation.

Drehen Sie bitte ab sofort den Geldhahn zu. Wagen Sie es, Ihren Sohn zu konfrontieren. Bieten Sie ihm an, mit ihm zu einer Sucht- und Schuldenberatungsstelle zu gehen. Dort finden Sie Topleute, für die seine schwierige Situation alltäglich ist. Stellen Sie sich drauf ein, eine Zeit lang auf Ihre kleinen Verwandten zu verzichten. Sehr geehrter Herr R., lassen Sie sich weiter unterstützen: Kontaktieren Sie unabhängig von Ihrem Sohn die Suchtberatungsstelle. Dort wird nicht nur Betroffenen, sondern auch ihren Angehörigen geholfen.

Lassen Sie Ihren Sohn niemals fallen und lieben Sie ihn trotz allem! Das ist Ihre einzige moralische Elternpflicht.

Suchtberatungsstelle:

Tel. 043 444 77 00

E-Mail: info@suchtberatung-zh.ch

Schuldenberatung:

Tel. 043 333 36 86

E-Mail: info@schulden-zh.ch

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