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Pflicht-Patin oder Schlottergotte?

Bei einer Trennung ergreifen gemeinsame Freunde oft Partei. Darunter leiden bisweilen die Kinder.

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Illustration: Jens Bonnke
15. Juli 2019

Ich bin seit drei Jahren geschieden und habe eine Tochter. Mein Ex-Mann und ich kamen jung zusammen und haben zum Teil einen gemeinsamen Freundeskreis. Die Patin meiner Tochter gehört aber eher zum Kreis meines Ex. Jetzt ist durch das Ehe-Aus die Freundschaft zwischen uns Frauen zu Ende und sie interessiert sich auch nicht mehr für meine Tochter. Ich erwarte aber von einer Patin, dass sie trotz der neuen Umstände ihre Pflichten wahrnimmt. Finden Sie das übertrieben?

Flurina G., Nottwil

Anikó Donáth

Die Multitaskerin ist Schauspielerin, Autorin, Single Mom und berufliche Exfreundin.

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Liebe Frau G.

Wenn eine Ehe auseinandergeht, gerät ja meistens ziemlich alles aus den Fugen.

Bei Ihnen sind ja seitdem zum Glück schon drei Jahre verstrichen. Aus Ihrer Frage heraus würde ich keck behaupten, dass Sie mit Ihrem Ex noch nicht ganz im Reinen sind. Die Patin Ihrer Tochter hat sich anscheinend mit dem «Bad Guy» solidarisiert und nicht mit Ihnen.

Das tut weh, ist aber eine klare Ansage.

Jetzt sind Sie mit Ihrer neuen «Ex-Freundin» aber noch verbandelt: durch die Patenschaft mit Ihrer Tochter. Aber diese Beziehung scheint gemäss Ihren Schilderungen auch nicht das Nonplusultra zu sein.

Es ist Zeit, aufzuräumen, anstatt weiter abzuwarten und sich zu ärgern. Manche Probleme modern grauslig stinkend vor sich hin und wenn man sie nicht aufdeckt, verpesten sie die Zufriedenheit.

Laden Sie die Dame zu einem Kaffee, Prosecco oder Sirup ein und reden Sie ganz ehrlich mit ihr. Zur Vorbereitung auf diese Begegnung: Wenn es Ihnen ums Prinzip geht, was eine Patin zu tun hat, dann lassen Sie diese Prinzipien sausen. Solche Erwartungen, die Sie ja auch als «Pflicht» bezeichnen, können nur zu Enttäuschungen führen. Und fragen Sie Ihre Tochter im Vorfeld, ob sie vielleicht ein neues «Gotti» auswählen mag, eine, die Lust und Zeit für die Kleine hat und ihr näher steht.

In meiner Familie wird eine selbst gewählte Patin «Schlottergotte» genannt. So eine Entscheidung kann vieles entspannen und gibt eine neue Dynamik in den schiefen Familiensegen. Und last, but not least, ist es immer eine Befreiung, mit der Vergangenheit Frieden zu schliessen. Dann ist sogar ein Patch- work-Freundeskreis möglich.