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RATGEBER ERZIEHUNG

Schlachtfeld statt Familienglück

Kinder begegnen neuen Partnern der Eltern oft mit Ablehnung. Darunter kann die frische Beziehung leiden.

26. August 2019

Die Söhne (9 und 12) meiner Partnerin lehnen mich ab. Beide zeigen mir klar, dass ich nicht erwünscht bin. Dies führt zu Streit mit meiner Partnerin, obwohl wir uns sehr lieben. Wir sind seit einem Jahr zusammen und würden gerne zusammenziehen. Ich habe alles versucht, doch die Kinder und ich werden nicht warm miteinander. Der Vater der beiden ist sehr präsent und engagiert. Ich selbst habe keine Kinder und weiss mir keinen Rat. rolf K., Bern

Lieber Herr K.

Kinder halten natürlich an ihren leiblichen Eltern fest und stehen neuen Beziehungen oft skeptisch gegenüber. Der Patchwork-Grossfamilie haftet etwas Putziges an, sie ist aber eine Herausforderung. Da Ihre Liebe frisch ist, rate ich Ihnen, sich in Geduld zu üben, nicht zu drängen und Ihre Erwartungen tief zu halten. Sonst lösen Sie unabsichtlich Druck aus und machen sich unglücklich. Der Grund für die Trennung und wie sie vollzogen wurde und das heutige Verhältnis der Eltern sind ausschlaggebend, wie die Kinder neuen Partnern gegenübertreten. Auch, wie lange die Trennung her ist, wie nah sich Mutter und Kinder sind und wie der Vater der Kinder dem neuen Partner begegnet.

Sie sollten langsam und behutsam in den Familienalltag integriert werden. Ist das Verhältnis Ihrer Partnerin zu ihrem Ex-Mann gut, dann könnte er in diesen Prozess miteinbezogen werden. Vielleicht kann er mit den Jungs ein Gespräch führen, ihnen versichern, dass er als Vater immer da sein wird und dass Sie als neuer Partner keinen Einfluss auf das gute Verhältnis haben werden. Zudem ist es für die Buben wichtig zu wissen, dass sie auch bei ihrer Mutter stets an erster Stelle kommen. Dies sollte von der Mutter klar vermittelt werden.

In einem nächsten Schritt können Sie die Jungs, oder erst mal auch nur einen, mal ins Kino einladen oder sonstwohin, sodass Sie langsam eine Beziehung aufbauen können. Bieten Sie attraktive Optionen an, fragen Sie, wer Lust hat mitzukommen oder schlagen Sie einen Spieleabend vor. Versuchen Sie, gemeinsame Zeit mit den Kindern zu verbringen.

Seien Sie aber nicht beleidigt, wenn anfangs niemand darauf eingeht, denn damit müssen Sie rechnen. Zeigen Sie Interesse und lassen Sie den Kindern Zeit, sich an Sie zu gewöhnen. Natürlich kann es auch hilfreich sein, mit den Kindern zu reden, ihnen Ihre Sicht der Dinge darzulegen, zu schildern, was Sie sich wünschen und Sie zu fragen, was Sie selbst tun könnten, damit das Zusammenleben angenehmer wird. Bitten Sie die Kinder um Vorschläge und Ideen, vielleicht sprechen sie Punkte an, die Sie noch gar nicht bedacht hatten.