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Bloss nicht spielen!

Manche Eltern haben einfach keine Lust, Bauklötze zu stapeln oder Lego zu bauen. Gar nicht schlimm, meint unser Experte.

17. Dezember 2018

Ich liebe unseren Sohn (4) sehr, aber ich kann mich einfach nicht dafür begeistern, mit ihm Lego zu bauen oder mit den Spielzeugautos zu spielen. Ist das schlimm? Viel lieber lese ich ihm vor oder bastle mit ihm. Er ist ein zufriedenes Kind, dennoch habe ich oft ein schlechtes Gewissen.

Caroline Z., Bern

Jérôme Lacourrège

Hello-Family-Blogger und Vater von zwei Kindern.

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Liebe Frau Z.

Ich kann Sie sehr gut verstehen. Nach einer Stunde Kaffeekränzchen mit drei Puppen, zwei Plüschhäsli und einer Hello-Kitty-Wärmeflasche brauche ich auch eine Pause von der Kreativität meiner dreijährigen Tochter. Kleine Kinder haben oft auch ganz genaue Vorstellungen, wie man denn zu spielen hat. «Nein, Papa! Das ist falsch so. Du musst das so machen!» Das kann anstrengend sein.

Aber sollte mit seinen Kindern spielen nicht die schönste Sache der Welt sein? Dürfen Sie Nein sagen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben? Ja, natürlich dürfen Sie!

Ich bin mir sicher, dass Ihr Sohn merkt, dass sie gar nicht so wahnsinnig gerne mit Legos und Autos spielen. Konzentrieren Sie sich also lieber auf das, was Sie lieben. Unterschätzen Sie Kleinkinder nicht. Nur weil Sie klein sind, sind sie ganz sicher nicht doof.

Sie sagen ja selber, dass er zufrieden ist. Also lesen Sie ihm Geschichten vor und basteln Sie mit ihm. Machen Sie die Sachen mit ihm, die auch Ihnen Spass machen. Geniessen Sie die Zeit, die Sie aktiv mit ihm verbringen. Das merkt er und wird sich umso mehr freuen. Quality Time nennt sich das. Diese Zeit ist viel wertvoller als die Zeit, in der Sie lustlos seine Autos herumschieben und nebenbei noch auf Ihr Smartphone schielen.

Auf der anderen Seite ist es Ihre Aufgabe, jemanden zu finden, der sich gerne mit Lego und Spielzeugautos abgibt. Der Papa? Die Grossmutter? Nachbarskinder oder Gspänli aus der Kita? Mit letzteren haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Kinder werden zusammen ins Spiel finden und Sie haben mehr Zeit für sich.

Denn ganz grundsätzlich gilt: Weniger ist mehr. Sie müssen nicht den Animator spielen für Ihren Nachwuchs. Kinder brauchen und wollen keine Dauerbespassung der Eltern. Sie sind durchaus in der Lage, ganz alleine für sich zu spielen. Lassen Sie Ihren Sohn einfach machen. Auch Langeweile auszuhalten gehört dazu.