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Vorsicht Freund!

Der Umgang des Sohnes bereitet den Eltern Sorgen. Kinder sollten ihre Freunde aber selber wählen dürfen.

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Illustration: Jens Bonnke
17. September 2018

Wir sind nicht begeistert vom besten Freund unseres Sohnes (10) und befürchten, dass er einen schlechten Einfluss hat. Unser Sohn hat sich verändert: Seine Sprache ist gröber geworden, er benutzt viel mehr Schimpfwörter und ist allgemein reizbarer. Auch will er plötzlich nur noch Markenklamotten haben. Wir haben versucht, mit ihm darüber zu reden, aber er verteidigt seinen Freund bis aufs Blut. Was können wir tun?

ANNA-LENA Z., SOLOTHURN

Nadja Zimmermann

Hello-
Family-
Bloggerin und Mutter von zwei Kindern.

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In erster Linie rate ich Ihnen, Ihrem Sohn zu vertrauen. Er wird seine Gründe haben, warum er sich von dieser Freundschaft angezogen fühlt. Vielleicht hat dieser Freund gute Eigenschaften, die Sie übersehen. Für ein Kind kann es aber auch spannend sein, einen Freund zu haben, der anders ist, dessen Herkunftsfamilie anders tickt. Da ist etwas Neues, das man noch erforschen kann. Diese Denkweise hilft, die Angelegenheit erst mal etwas gelassener zu sehen.

Da sich nun aber auch das Verhalten Ihres Sohnes verändert, möchten Sie natürlich eingreifen. Doch je heftiger Sie sich gegen den Freund stellen, desto mehr wird sich Ihr Sohn von Ihnen entfernen. Es ist hilfreich, wenn Sie nicht die Person des Freundes kritisieren, sondern lediglich sein Verhalten. Versuchen Sie herauszufinden, warum Ihr Sohn an seinem Freund hängt. Zeigen Sie Interesse und Verständnis, ohne zu werten. Dies ist ohnehin ganz grundsätzlich das Beste, was Sie in jeder Phase tun können.

Jedes Kind wünscht sich vor allem, wahrgenommen und gesehen zu werden. Wird es das nicht, können Rebellionen und unliebsame Veränderungen eine Folge davon sein. Auch fahren Sie immer besser, wenn Sie Fragen stellen, anstatt dem Kind zu sagen, was es tun soll. Wie möchte das Kind als Mensch wahrgenommen werden, was ist ihm selbst wichtig, worauf legt es im Umgang mit Freunden Wert, wo zieht es Grenzen, wie sieht es sich und wie seinen Freund? Fragen Sie, was er mit der neuen Ausdrucksweise bewirken will. Hören Sie zu, seien Sie da. Und wenn er Markenklamotten haben will, vereinbaren Sie mit ihm eine finanzielle Grenze, sodass er kalkulieren muss, was drin liegt. Es ist ratsam und nachhaltiger, das Kind zum Denken anzuregen, in die Verantwortung zu ziehen.

Und was den Freund betrifft: Machen Sie ihn ebenfalls zum Freund. Integrieren Sie ihn. Lernen Sie ihn kennen, laden Sie ihn ein, vielleicht ist er gar nicht so übel. Und wenn doch, dann ist es immer besser, seine Feinde in der Nähe zu wissen.